“Wenn nicht jetzt, wann dann?”

Die 26-jährige Steffi Feldmann hat bereits vier Start-ups gegründet. Ihr Erfolgsrezept? Durchhaltevermögen, Resilienz, Bauchgefühl und Neugier – und Ihr Lebensmotto “Wenn nicht jetzt, wann dann?”

Nichts lief unbedingt nach Plan. Eigentlich wollte Steffi Feldmann nach ihrem Bachelor-Studium in München den Master am Trinity College in Dublin anschließen. Die Wohnung in der bayerischen Hauptstadt war gekündigt, die Möbel verkauft und sie saß auf gepackten Koffern, als sich herausstellte, dass sie die Bachelorarbeit nochmal schreiben musste. Feldmann zog zurück zu den Eltern aufs Land und entschloss sich nach einer untergetauchten Woche im ehemaligen Kinderzimmer, ihr erstes Start-up zu gründen.

Mittlerweile ist sie wieder aus ihrem Kinderzimmer ausgezogen, hat den Bachelor in der Tasche, Start-up drei und vier gegründet und eines wieder verkauft. Dem Master trauert Feldmann nicht nach – zumindest aktuell nicht.

Und weil Reisen schon immer auf ihrer Prioritätenliste ganz oben stand, verbrachte sie nach dem Abitur ein Jahr in Australien, sechs Monate davon an einer Schule für Aborigines, um Englisch zu lehren. Südafrika macht sie mit einem Panzerglas gesicherten Polo unsicher und ihr Praxissemester machte sie an einem multikulturellen Non-Profit-Theater in London. Ach ja, ein Semester Elektrotechnik/Regenerative Energien hat sie auch noch absolviert – irgendwo zwischen Australien und Südafrika.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Steffi Feldmann: Kurz und knapp: Weil ich dafür brenne, was ich mache!

Mein erstes Unternehmen habe ich gemeinsam mit vier Freunden bereits während des Studiums gegründet. Und weil wir ein so grandioses Team sind und viele Ideen haben, sind wir (jetzt nur noch zu viert) gerade dabei, Start-up drei und vier auf die Beine zu stellen.

Aktuell widmen wir vier uns mit einem weiteren Mitgründer dem Thema digitale Transformation innerhalb von Unternehmen und haben dafür Year of the Goat (YOTG) gegründet. Parallel dazu arbeiten wir vier noch an der Dating-App mazel, das Anti-Tinder.

Das Wesen des Onlinedatings ist seit den 90er-Jahren unverändert. Quantität scheint hier leider der Leitspruch zu sein. Man muss nach wie vor, egal ob man rechts und links swiped oder endlos lange Fragebögen ausfüllt, Glück haben, in der schieren Masse von Menschen eine interessante Person zu finden. Mit mazel ändern wir das, denn mit Hilfe der Technologie können wir innerhalb kürzester Zeit einen tollen Match präsentieren. Diesen Match beschnuppert man dann nicht wie gehabt erstmal in Form von Profilbildern und Lebensmottos. Mit mazel lernt man die entsprechende Person zunächst über Mini-Games kennen, bevor detailliertere (und oberflächlichere) Informationen ausgetauscht werden. Denn spielt man miteinander, kann man sich weniger verstellen und zeigt von Anfang an mehr von seiner wahren Persönlichkeit.

Und weil es in der Welt der B2B-Konferenzen ebenfalls Zeit für eine Veränderung war, haben wir YOTG gegründet. Denn eine Konferenz lebt nicht nur von hochkarätigen Speakern, sondern auch von den Teilnehmern. Diese werden aber oft bei den Planungen ignoriert. Deshalb kümmere ich mich bei YOTG um die Event UX: Wie schafft man es, dass sich 500 fremde Personen wohlfühlen, Spaß haben und sich nicht als reine Unternehmensvertreter fühlen, sondern als Menschen? Bei unserem ersten Event im März in München haben wir bereits unglaublich tolles Feedback erhalten! Deshalb veranstalten wir dieses Jahr YOTG auch noch mal in Hamburg und Frankfurt.

Diese Gegensätze und grundlegend verschiedenen Ansätze und Zielgruppen von mazel und YOTG machen meine tägliche Arbeit zu einem abwechslungsreichen Abenteuer. Und das brauche ich auch, denn Eintönigkeit und stupides Task-Abarbeiten sind nichts für mich.

die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Feldmann: Das ist jetzt eine tolle Gelegenheit, meinen Eltern für ihre moralische und auch finanzielle Unterstützung zu danken. Denn ohne sie wären meine diversen Unternehmungen nämlich nicht realisierbar gewesen. Gerade in der Anfangsphase gab es ein paar Monate, in denen es auf dem Bankkonto nicht so freundlich aussah. Aber auch ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern wäre ich diesen Weg sicher gegangen. Denn ich lebe nach dem Motto: “Wenn nicht jetzt, wann dann?”

Zusätzlich zu meinen Eltern ist unser großartiges Team eine Stütze. Wir haben gemeinsam alle “Ups and Downs” gemeistert und überstanden. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt!

Ferner erhielten wir zu Beginn unseres ersten Start-ups Unterstützung vom LMU Entrepreneurship Center. Denn dort durften wir einige Monate die Räumlichkeiten nutzen – was ebenfalls sehr hilfreich war.

Ich glaube auch, dass man das nötige Durchhaltevermögen nur aufbringt, wenn man von seinem Umfeld unterstützt wird. Meine Freunde waren und sind hier ein wichtiger Faktor, denn auch sie geben mir Kraft, wenn es etwas holpriger zugeht.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Feldmann: Viel schwieriger und komplizierter als die finanzielle Hürde, sind die Hürden, die man sich selbst oder die einem die Gesellschaft in den Weg stellt.

Die Gleichberechtigung ist nach wie vor ein präsentes Thema, weswegen es ja auch Blogs wie diesen hier gibt. Denn wir sind ja noch weit davon entfernt, dass starke, karriereorientierte, erfolgreiche Frauen von der Gesellschaft geschätzt und bestärkt werden.

Es gibt aber noch viel größere Hürden: Nämlich die Steine, die man sich als Frau oft selbst in den Weg legt. Wir Frauen legen nämlich oft nicht das nötige und verdiente Selbstbewusstsein an den Tag wie es Männer können. Deshalb sollten wir lernen, uns selbst zu schätzen, uns für unsere Erfolge zu feiern und weniger zurückhaltend zu sein, was die eigenen Fähigkeiten angeht.

die Chefin: Auf welche Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Feldmann: Ich bin stolz auf mein Durchhaltevermögen, meine Resilienz, mein Bauchgefühl und meine Neugier. Weil mein Bauchgefühlt mich noch nie im Stich gelassen hat, verlasse ich mich auch darauf. Außerdem lässt sich nicht immer alles anhand von wissenschaftlich belegten Studien beweisen oder argumentieren. Und ohne meine Neugier hätte ich viele Ideen gar nicht erst ausprobiert und umgesetzt.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Feldmann: Es ist kein Rat per se, der mich beeinflusst, sondern vielmehr ein Zitat von Mark Twain, das mich seit geraumer Zeit motiviert: “Twenty years from now, you will be more disappointed by the things you did not do than by the things you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbour. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.” Genau das versuche ich, umzusetzen.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Feldmann: Wenn ihr von etwas überzeugt seid und für etwas brennt, dann macht es! Es ist immer einen Versuch wert. Versucht nicht euer Leben nach den Vorstellungen anderer zu leben, weil irgendjemand denkt, dass man erst Studium X, dann Arbeitserfahrung Y und Zertifikat Z benötigt. Macht das, worauf ihr Lust habt und genießt jede Sekunde davon. Denn erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

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