„Erfolg basiert auf einer Reihe überwundener Niederlagen“

EAF Berlin

Als Mitbegründerin und Vorstandsvorsitzende der EAF Berlin engagiert sich Helga Lukoschat seit Mitte der 1990er-Jahre für Frauen in Führungspositionen. Ohne ihre Ausdauer und Geduld hätte die Politologin den Organisationsaufbaus allerdings nicht durchgestanden.

Dr. Helga Lukoschat, Vorstandsvorsitzende und Mitbegründerin der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF), stand der Akademie viele Jahre als Geschäftsführerin vor. Nach ihrem Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte promovierte sie mit einer Studie über Frauen in Führungspositionen. Mittlerweile ist die Förderung der politischen Partizipation von Frauen im nationalen und internationalen Kontext ein Schwerpunkt ihrer Arbeit.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Helga Lukoschat: Zwei Themen haben mich früh gepackt und nicht mehr losgelassen: die Politik und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Ich bin in den 1970er-Jahren in Westdeutschland erwachsen geworden und das politische Geschehen – der Deutsche Herbst, die Gründung der Grünen – war so präsent, dass ich mich dem nicht entziehen konnte und wollte. Mein Engagement für Gleichberechtigung hat dabei vor allem biografische Wurzeln. Denn was ich in unserer Vorortsiedlung erlebte, wie beschnitten das Leben der Ehefrauen zum Beispiel war, hat dazu geführt, dass ich früh dagegen rebellierte. Als ich dann zum Studium nach Berlin ging, hat mich die Frauenbewegung infiziert. Ich habe meine berufliche Laufbahn als Journalistin begonnen sowie parteipolitisch und wissenschaftlich gearbeitet.

Mitte der 1990er-Jahre bekam ich dann die Chance, die EAF Berlin mitzugründen und aufzubauen. Damals waren die Themen Frauen in Führungspositionen und Förderung des weiblichen Nachwuchses noch gänzlich neu. Deshalb suchten wir auch von Anfang an den Kontakt zur Wirtschaft. Denn was heute alles selbstverständlich ist, war damals keineswegs normal.

Heute ist es toll zu sehen, wie sich diese Organisation mittlerweile entwickelt hat. Wir arbeiten an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit sehr renommierten Partnern zusammen. Sind dabei unabhängig, werden also von keiner Stiftung oder ähnlichem finanziert, arbeiten wirtschaftlich und haben für rund 20 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Arbeitsplätze geschaffen. Dabei hat sich die EAF auch sehr weiterentwickelt, denn wir beziehen die Förderung von Vielfalt, von Diversität stärker in unsere Projekte ein und stellen uns so den neuen technologischen Herausforderungen wie beispielsweise den Auswirkungen der Digitalisierung auf neue Arbeitsformen oder der KI auf Personalprozesse.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte
sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Lukoschat: Ich hatte mit der Initiatorin und Gründerin unserer Organisation, Barbara Schaeffer-Hegel, die damals Professorin an der TU Berlin war, eine außergewöhnliche Förderin an meiner Seite. Ohne ihre Energie, ihren Einsatz und auch Chuzpe in vielen kritischen Situationen, hätte es die EAF nicht nicht geschafft. Dabei hat sie mich persönlich sehr ermutigt, denn sie sah in mir Potenziale, die mir damals selbst nicht klar waren.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Lukoschat: Mehr als genug. Die Themen Chancengleichheit, Vielfalt, Vereinbarkeit von beruflicher Karriere und Familie standen und stehen auf der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Agenda nicht ganz oben. Wir wurden daher auch oft belächelt oder bespöttelt. So mussten wir uns zum Beispiel anhören, ob wir „Emanzen“ züchten wollen. Auch wollte niemand glauben, dass sich vor allem die jüngere Frauengeneration für diese Themen noch erwärmen würden.

Eine weitere große Hürde war die Wirtschaftlichkeit. Da haben wir manches Lehrgeld bezahlt. Es gab Jahre, da stand es Spitz auf Knopf. Wir sind eine gemeinnützige Organisation und viele unserer Projekte haben sich gerade mal so getragen oder waren in der Verlustzone. Das hat sich zum Glück geändert, denn die EAF ist mittlerweile sehr professionell in diesen Fragen aufgestellt.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Lukoschat: Sicherlich auf meine Ausdauer und meine Geduld. Ohne die hätte ich diesen Marathon eines Organisationsaufbaus nicht durchgestanden. Auch habe ich ein Gespür für Partnerschaft und Fairness gegenüber Kolleginnen und Kollegen sowie gegenüber Kunden und Kooperationspartnern. Denn es bringt meiner Erfahrung nach gar nichts und wenn, dann höchstens kurzfristig, auf Teufel komm raus die eigenen Interessen durchzusetzen. Wichtig ist mir zudem Offenheit und intellektuelle Neugierde. Das ist vielleicht ein Erbe meiner Sozialisation als Journalistin, dass mich die Welt um mich herum in all ihren Facetten sehr interessiert.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Lukoschat: Weniger ein Rat als eine Erkenntnis, die uns eine Unternehmerin mit auf den Weg gegeben hat: Erfolg basiert auf einer Reihe überwundener Niederlagen. Wenn man in einer krisenhaften Situation steckt, ist es natürlich überhaupt nicht leicht, sich wieder aufzurichten und weiterzumachen. Aufgeben aber ist doch keine Alternative!

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Lukoschat: Wichtig ist aus meiner Sicht, für sich selbst herauszufinden, was einen wirklich antreibt und worin man richtig gut ist – und auf diese Stärke dann auch zu vertrauen. Die Herausforderung ist dabei, das mit den Gegebenheiten um einen herum in Einklang zu bringen. Es gilt, den Realitätssinn zu bewahren, gleichzeitig aber auch den „Möglichkeitssinn“ zu entwickeln, von dem der Schriftsteller Robert Musil gesprochen hat. Dabei kann es durchaus hilfreich sein, auch einmal Umwege zu gehen, etwas auszuprobieren. Denn es muss nicht immer geradlinig sein. Jede Erfahrung ist gut, wenn ich sie reflektieren und integrieren kann.

Passend zum Thema