Vorbilder machen Führungsfrauen

Eine neue Studie hat untersucht, welchen Einfluss weibliche Vorbilder auf junge Frauen haben.

Unsplash / Brooke Cagle

Eine neue Studie hat untersucht, welchen Einfluss weibliche Vorbilder auf junge Frauen haben.

Vorbilder sind wichtig für Frauen. Geht es um beruflichen Erfolg sind sie sogar wichtiger als für Männer. Das zeigt eine neue Studie.

Erst kürzlich zeigte der Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums, wie schlecht es weltweit um die Gleichstellung der Geschlechter bestellt ist. Das liegt vor allem an den ungleichen Chancen für Frauen in Politik und Wirtschaft. Auch hierzulande kommen auf eine weibliche Führungskraft immer noch zwei männliche Führungskräfte – und leider ändert sich hier kaum etwas.

Neben der Beseitigung struktureller Benachteilung soll auch an der Selbstermächtigung der Frauen gearbeitet werden. Denn tatsächlich ist nicht abschließend zu klären, ob Frauen wirklich nur allein aufgrund von indirekter und direkter Diskriminierung weniger oft eine Führungsposition anstreben als Männer – oder ob es nicht eine auch so etwas wie eine “weibliche Selbstverhinderung” gibt, wie es in der Berufssoziologie öfter diskutiert wird. Frei nach dem Motto: “Es ist ohnehin schwierig, nach oben zu kommen, da verzichte ich lieber von Anfang an darauf” könnten Frauen also auch von sich aus weniger stark nach Macht streben.

Zugleich heißt es, dass Frauen zu wenig weibliche Vorbilder haben. Aber stimmt es wirklich, dass Vorbilder für Frauen so entscheidend sind?

Laut der kanadischen Psychologin Penelope Lockwood von der University of Toronto sei genau dies der Fall, berichtet Spektrum der Wissenschaft. “Für ihre Forschungsarbeit lud sie junge Studenten beiderlei Geschlechts zu einer Studie ein, in der es angeblich um die Beurteilung verschiedener journalistischer Stile ging – ein Vorwand, der die Teilnehmer vom eigentlichen Thema ablenken sollte. Sie sollten einen (frei erfundenen) Zeitungsartikel über einen erfolgreichen Absolventen der eigenen Universität lesen, der Herausragendes geleistet hatte und nun mit einem wichtigen Preis geehrt worden war. Die Texte waren maßgeschneidert, so dass sie stets perfekt auf das jeweilige Fachgebiet der Versuchsperson passten. Doch während die eine Hälfte der Teilnehmer einen Artikel über eine gewisse Jennifer Walker lasen, handelten die übrigen Texte von einem Jeffrey Walker”, heißt es in dem Bericht.

Frauen identifizieren sich stärker mit Frauen

Das Experiment erinnert stark an das Heidi-Howard-Experiment, bei dem Studenten die Lebensläufe von einer Führungskräften vorgelegt wurde. Die Lebensläufe unterschieden sich nur in einem Detail – dem entweder männlichen oder weiblichen Vornamen. Daraufhin sollten die Probanden einschätzen, was sie von der jeweiligen Person hielten. Während die eine Probandengruppe, die den männlichen Lebenslauf gesehen hatten, den Mann als sympathisch und erfolgreich beschrieben, urteilten die Probanden, die den weiblichen CV gesehen hatten, dass die Frau eiskalt und egoistisch sei. Der Versuch sollte unbewusste Geschlechterklischees offensichtlich machen.

In dem Experiment der kanadischen Forscherin zeigte sich etwas anderes: Das Geschlecht der porträtierten Person war für die weiblichen Versuchsteilnehmer ein entscheidender Faktor. Sie konnten sich mit der erfolgreichen Frau besser identifizieren “und sahen ihre Leistung auch für sich selbst als erreichbar an – weitaus mehr, als wenn es sich um einen Mann handelte, der Herausragendes vollbracht hatte”, schreibt Spektrum der Wissenschaft. Bei den Männern zeigte sich dieser Effekt hingegen nicht. Sie konnten sich mit einem Mann ebenso gut identifizieren wie mit einer Frau.Allerdings zeigt die Forschung noch mehr, berichtet das Magazin. Damit eine Vorbildfigur wirklich zu einer inspirierenden Kraft werden kann, müssten zwei Kriterien erfüllt sein: Das Vorbild muss uns zeigen, was in Zukunft aus uns werden könnte – und uns zugleich ein wenig an uns selbst erinnern. Und genau dabei kommt dem Geschlecht eine wichtige Rolle zu.

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