Väter bleiben bei Elternzeit zurückhaltend

Nur jeder 20. Vater geht ein ganzes Jahr in Elternzeit, zeigt eine neue Umfrage.

Unsplash / Giu Vicente

Nur jeder 20. Vater geht ein ganzes Jahr in Elternzeit, zeigt eine neue Umfrage.

Das Elterngeld nützt vor allem Akademikern und die Rollenverteilung bleibt klassisch. Frauen setzen ein Jahr aus und haben Karrierenachteile, Männer machen meistens nur zwei Monate Wickelvolontariat.

Das zeigen zwei neue Studien, über die Karrierespiegel und ZEIT ONLINE berichten.

Wie Spiegel Online über die neusten Zahlen beim Bezug des Elterngelds aus dem dritten Quartal 2016 berichtet, nutzen zwar immer mehr Eltern das Elterngeld. Aber die Einkommensverteilung zeigt einen deutlichen Bias: Fast die Hälfte der Elterngeldbezieher hatten ein monatlichen Nettogehalt zwischen 1.500 und 2.770 Euro, ein Viertel bekam sogar den Elterngeldhöchstsatz, weil sie vorher über 2.770 Euro netto im Monat verdienten. Dagegen gehörten die wenigsten Elterngeldbezieher zu Geringverdienern. Mehr noch: Schaut man sich die Verteilung insbesondere bei den Väter an, die Elternzeit genutzt haben, so zeit sich ein weitgehend traditionelles Bild:

Auch wenn mittlerweile jeder dritte Vater von der Elternzeit Gebrauch macht, so sind es doch vor allem Akademiker und Angestellte mit einem besser bezahlten Bürojob. Väter aus dem Handwerk oder einem Arbeiterjob nutzen die Elternzeit kaum. Nicht etwa, weil sie dies nicht wollen – es geht für die meisten Väter in Arbeiterjobs schlicht finanziell gar nicht. Das Elterngeld ist bei Nettoeinkommen unter 1.500 Euro vor der Elternzeit derartig gering, dass sich Familien es sich einfach nicht leisten können.

Männer nehmen meist nur zwei Monate Elternzeit

Problematisch ist aber auch: Die meisten Männer gehen nur die erforderlichen zwei Monate in Elternzeit und überlassen, ganz traditionell, ihren Partnerinnen den Hauptanteil der Betreuungsarbeit im ersten Lebensjahr des Kindes. Das geht aus aus einer Leserbefragung von ZEIT ONLINE hervor, an der 3.000 Leserinnen und Leser teilgenommen haben. Demnach ist Elternzeit vor allem Sache der Mütter. Die meisten Frauen setzten zwölf Monate im Job aus, die meisten Väter (46 Prozent) blieben genau die zwei Monate zu Hause, um die das Elterngeld verlängert wird, wenn sich Mutter und Vater die Elternzeit teilen.

16 Prozent der Väter nahmen gar keine Elternzeit, nur drei Prozent der Mütter entschieden sich ebenso. Und nur jeder zwanzigste Vater entschied sich dafür, die klassische Verteilung mit seiner Frau zu teilen und ein Jahr Elternzeit zu nehmen. Und auch hier zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit dem Einkommen: Wenn der Mann viel verdient, geht er eher arbeiten: Familien, in denen der Vater den größeren Teil der Elternzeit übernimmt, hatten vor der Geburt ihres Kindes im Schnitt ein niedrigeres Haushaltseinkommen als Familien, in denen die Mutter länger zu Hause bleibt.

Frauen haben Karrierenachteile

Wenn beide Elternteile etwa gleich viel verdienten, nahmen sie auch beide etwa gleich lang Elternzeit: die Einkommensdifferenz zwischen Mutter und Vater ist in unseren Daten dort am niedrigsten, wo Väter sieben bis neun Monate lang Elterngeld bezogen haben.

In Familien, in denen der Vater gar keine Elternzeit nahm, verdiente die Mutter im Schnitt 800 Euro weniger als ihr Partner. Der Wert ist auch deshalb so hoch, weil in dieser Gruppe der Vater vergleichsweise häufig auch vor der Geburt der einzige Berufstätige der Familie war. Hinzukommt außerdem: Die meisten Frauen gaben an, dass sie nach der Elternzeit einen Karriereknick hinnehmen mussten. Jeder Vierte gab an, dass sie berufliche Nachteile in Kauf nehmen musste.

Wir finden: Das geht besser. Männer müssen sich endlich trauen, sich die Familienarbeit mit den Frauen gleichberechtigt aufzuteilen. Und für Geringverdiener braucht es dringend ein höheres Elterngeld – ansonsten schreibt sich die traditionelle Rollenverteilung noch in den nächsten Generationen fort.

Ein Kommentar

  1. Ich schließe mich Ihrem Fazit an, habe trotzdem oft den Eindruck, dass viele junge Mütter über 1 oder 2 Jahre berufliche Auszeit sehr froh sind und kein Interesse daran haben, sich die Elternzeit mit ihrem Partner zu teilen. Das finde ich ebenfalls sehr schade!

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