Unterbezahlt im Chefsessel

Während in Island einfach gesetzlich verboten wird, Männer und Frauen unterschiedlich zu bezahlen, werden Frauen hierzulande selbst in Spitzenpositionen deutlich geringer entlohnt als Männer. Das zeigt eine neue Studie.

Mit dem Jahreswechsel sind Unternehmen in Island mit mehr als 25 Mitarbeitern dazu verpflichtet, der Regierung ein Nachweis über die gleiche Bezahlung zu erbringen. Damit ist Island das erste Land der Welt, das Ungleichbezahlung per Gesetz verbietet. Ein Schritt, der das kleine Land, das seit vielen Jahren das Ranking des Weltwirtschaftsforums zur Gleichberechtigung anführt, nochmals weiter in Richtung einer völligen Gleichheit zwischen Männern und Frauen bringen wird.

Island hatte schon im vergangenen Jahr anlässlich des Frauentags angekündigt, das Gesetz einführen zu wollen. Hierzulande ist man leider deutlich rückschrittiger. Während sich die Regierung schwer damit tat, ein umfassendes Gesetz für Lohngerechtigkeit auf den Weg zu bringen, zeigt eine neue Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG) und Technischen Universität München, dass Frauen selbst im Aufsichtsrat und als Vorstand eine niedrigere Vergütung zu erwarten haben als Männer.

Die BCG-Studie “Diversity Champions: BCG Diversity Index” hat untersucht, wie es um das Geschlechterverhältnis und die Lohngleichheit in Deutschlands 100 größten börsennotierten Unternehmen steht und stellt fest, dass Frauen funktionsübergreifend in Aufsichtsräten im
Durchschnitt nur rund 80 Prozent des Gehaltes ihrer männlichen Kollegen bekommen. In Vorständen sind es nur etwa 70 Prozent. “Überwiegend übernehmen Männer die besser vergüteten Aufgaben in Vorständen und Aufsichtsräten. Daher gibt es trotz positiver Signale in diesen Gremien längst keine Geschlechterparität; der Weg dahin ist noch weit”, sagt Isabell Welpe, Inhaberin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation an der Technischen Universität München und Studienautorin. Verzichtet man in der Analyse darauf, das Gehalt von CEOs und Aufsichtsratsvorsitzenden zu berücksichtigen, erhalten Frauen in Aufsichtsräten durchschnittlich immerhin rund 89 Prozent, in Vorständen etwa 78 Prozent des Männergehalts.

An der Spitze weitgehend ohne Frauen

Allerdings: In den 100 analysierten Unternehmen gibt es insgesamt nur eine Vorstandsvorsitzende und drei weibliche Aufsichtsratsvorsitzende. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen haben gar keine Frau im Vorstand und fünf Unternehmen keine Frau im Aufsichtsrat.

In Deutschland kann ab dem 6. Januar erstmals der Auskunftsanspruch des neuen Entgelttransparenzgesetzes genutzt werden, das im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist. Dann haben Männer und Frauen ein Recht darauf zu erfahren, wo sie innerhalb des Lohnniveaus mit vergleichbaren Kolleginnen und Kollegen stehen – allerdings nur, wenn sie in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten arbeiten.

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