Sexuelle Belästigung gehört für viele Frauen zum Job dazu

Knapp elf Prozent der Befragten in der Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes haben sexuelle Belästigung im Job erlebt.

Unsplash / Mirhai Surdu

Knapp elf Prozent der Befragten in der Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes haben sexuelle Belästigung im Job erlebt.

Trotz #Metoo gehört sexuelle Belästigung für viele zum Job dazu. Vor allem Fraue sind betroffen, zeigt eine neue Studie.

Eine Untersuchung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge hat jede oder jeder elfte Beschäftigte in Deutschland in den vergangenen drei Jahren Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Frauen waren demnach mit einem Anteil von 13 Prozent mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Sie waren nur zu fünf Prozent betroffen.

In mehr als der Hälfte der Fälle ging die Tat von Dritten aus – also nicht den direkten Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten sondern etwa von Kunden oder Patienten. Am häufigsten waren Gesundheits- und Sozialberufen betroffen. In der Pflege etwa passiert es fast täglich, dass Pflegepersonal belästigt wird, oft werden die Taten aber bagatellisiert, heißt es in der Studie. Ein weiterer Grund könnte auch sein, dass diese Branchen überdurchschnittlich weiblich sind.

Die Täter sind vor allem Männer

Aber nicht immer sind Dritte die Täter, in immerhin 43 Prozent der Fälle sind es Kollegen, bei 19 Prozent waren es Führungskräfte. In der Studie äußerten auch einige Betroffene, dass sie schon mehrfach Opfer von Belästigungen geworden sind.

Am häufigsten kommen der Studie zufolge verbale Übergriffe vor: Kommentare mit sexualisiertem oder sexistischem Inhalt, Sprüche, angebliche Witze. Viele Betroffene sagten aber auch, dass ihnen Gesten oder Blicke gezeigt wurden, die sexualisiert waren. Gängig war auch anzügliches Pfeifen. Knapp drei von zehn Betroffenen berichteten von intimen Fragen, etwa zum Sexleben oder zur sexuellen Orientierung. Und mehr als ein Viertel berichtete über körperliche sexuelle Belästigung. Außerdem kamen unangemessenen Einladungen zu privaten Treffen vor und es wurden Mails, SMS und Messages mit sexuellem Inhalt versandt. In selteneren Fällen wurden die Betroffenen auch sexuell erpresst und genötigt. Die Täter sind vor allem Männer: 82 Prozent der Befragten sagten, die Täter seien vor allem Männer gewesen.

Aber viele konnten sich bei den Übergriffen auch wehren: Zwei Drittel der Befragten gab an, dass sie sich sofort verteidigten und eine Grenze setzten, manche brauchten etwas länger und konnten erst mit etwas Zeit den Übergriff gut verarbeiten. Mit rechtlichen Mitteln wehrte sich nur eine Minderheit. Vor allem scheuten viele diesen Weg, weil sie Angst vor Nachteilen im Job hatten, aber auch, weil sie Sorge vor dem damit verbundenem Verfahren hatten.

Für die Studie wurden 1.531 Beschäftigte befragt.

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