Selbständige können Job und Familie besser vereinbaren

Soloselbständigen gelingt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser – auch wenn sie dafür weniger Einkommen in Kauf nehmen.

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Soloselbständigen gelingt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser – auch wenn sie dafür weniger Einkommen in Kauf nehmen.

In Zukunft werden mehr Menschen selbstständig, flexibel und mobil arbeiten. Aber wie vereinbart man das mit Familie? Selbständige aus der Kultur- und Medienbranche haben dafür heute schon Lösungen.

In Zukunft werden Festanstellungen seltener, dafür wir die Zahl der Soloselbständigen wachsen – in diesem Szenario sind sich Zukunftsforscher einig. Die Arbeitswelt von morgen wird vor allen aus Freelancern bestehen, die um Aufträge konkurrieren, mobil und völlig flexibel arbeitenn und sich eher als Unternehmer verstehen. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Job und Privatleben oft ganz. Für manche eine schöne Vorstellung, für andere ein Horrorszenario. Auftragsschwankungen gehören zu so einem Leben dazu, mal gibt es viel zu tun, mal weiß man nicht, wie es weitergehen soll. Will man mehr über solche Arbeitsbedingungen erfahren, lohnt sich schon heute der Blick in die Medien- und Kulturbranche, wo eine wachsende Zahl Selbständiger schon heute so arbeitet.

Wie sieht so ein Arbeitsleben mit Familie aus? Das wollte die Friedrich-Ebert-Stiftung wissen und hat in einer Studie untersucht, ob den Soloselbstständigen die Balance zwischen Arbeit und Leben besser gelingt als jenen, die (noch) in einer klassischen Festanstellung beschäftigt sind. Die Initiatoren der Studie hoffen so Erkenntnisse für die Arbeitswelt von Morgen ableiten zu können.

Für Familie bewusst als Freelancer arbeiten?

Weil es die wenigen festen Stellen, die es in diesen Bereichen gibt, stark umkämpft sind und Karriere einen enormen Einsatz von zeitlichen und sonstigen Ressourcen erfordert, könnte man vermuten, dass Freie sich vielleicht eher für die Selbständigkeit entscheiden, weil sie Familie und Beruf besser vereinbaren möchten. Die Studie zeigt jedoch: Bei den meisten hat sich die Soloselbstständigkeit eher so ergeben und war nicht bewusst als Modell für eine gute Vereinbarkeit geplant. Die Soloselbstständigen arbeiten auch gar nicht deutlich weniger als die Festangestellten. Im Schnitt kommen beide Gruppen auf 42 Wochenstunden oder mehr. Trotzdem scheinen die Freelancer bei der Vereinbarkeit einen Vorteil zu haben – auf jeden Fall sind sie sogar ein Stückchen zufriedener als die Festangestellten.

Generell sind aber alle Befragten, egal ob fest oder frei, davon überzeugt, dass Kinder schlecht für die Karriere seien. Aber: Während mehr als die Hälfte der befragten Journalisten und Kulturschaffenden in Festanstellung konstatieren, dass die Probleme bei der Vereinbarkeit überwiegen, sind nur ein Drittel der Freien dieser Meinung. Mehr noch: Die Selbständigen sehen eher die Chancen für die Vereinbarkeit, die Festangestellten eher die Nachteile.

Mother Income Gap ist extrem hoch

Allerdings gibt es auch starke geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Geburt eines Kindes ist für Frauen ein finanzielles Risiko, stärker noch als für Männer. Über alle Branchen und Berufe hinweg zeigt sich, dass Mütter sieben bis zehn Prozent weniger Stundenlohn erhalten als kinderlose Frauen. Im Schnitt beträgt das Einkommen von Frauen nach der Babyauszeit nur noch die Hälfte von dem vor der Geburt. Motherhood Income Gap wird diese Zahl genannt und sie liegt aktuell bei 49 Prozent.

Der Einkommenseinschnitt ist für eine selbstständige Mutter besonders drastisch. Wer sein Geschäft aufrechterhalten möchte, ist darauf angewiesen, schnell wieder zu arbeiten – schließlich fallen ansonsten Auftraggeber und regelmäßige Projekte weg, die entscheidend sind, um den Lebensunterhalt zu sichern. Trotzdem gelingt nur wenigen, in den ersten Lebensmonaten des Kindes an das alte Gehalt anzuschließen. Viele, besonders die einen einkommensstarken, festangestellten Partner haben, finden sich in einer traditionellen Rollenverteilung wieder. Sie übernehmen den Großteil der Elternzeit und Betreuungsaufgaben und reduzieren ihre freiberufliche Tätigkeit stark. Das passiert allerdings eher, weil die strukturellen Rahmenbedingungen sie dazu zwingen und nicht, weil sie eine traditionelle Rollenaufteilung bevorzugen. Immerhin unterstützt das Ehegattensplitting vor allem ein Modell, in dem einer der Partner deutlich weniger verdient. Es zahlt sich steuerlich immer noch aus aus, wenn einer der Partner die Arbeitszeit so stark reduziert, dass auch das Einkommen deutlich sinkt. Langfristig führt so eine Rollenaufteilung aber nicht nur bei soloselbstständigen Müttern dazu, dass sie nicht in der Lage sind, allein für ihren Lebensunterhalt aufzukommen sondern wirtschaftlich vom Partner abhängig sind. 39 Prozent der Befragten in der Studie gibt an, alleine nicht den Lebensunterhalt sichern zu können. Allerdings: Nur jeder fünfte Befragte in der Untersuchung erzielt ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro. Im Schnitt liegt das Einkommen der Soloselbstständigen bei knapp 2.000 Euro netto. Man muss also festhalten: So schlecht sieht es für Freie in der Medien- und Kulturbranche offenbar nicht aus.

Weniger Einkommen, aber glücklich

Trotzdem sind die soloselbstständigen Mütter (und Väter) zufriedener mit ihrer Situation. Sie sehen die Vorteile, die ihr Modell für die Familie hat. Viele finden es auch gut, dass sie schnell nach der Geburt des Nachwuchs beruflich aktiv sind. Und sie betonen, dass Kinder einer zunehmenden Entgrenzung von Arbeit und Privatleben entgegenwirken. Das sei für sie ein persönlicher Vorteil. Die Nachteile beim Einkommen gegenüber den Festangestellten nehmen sie häufig in Kauf, weil sie dafür eine größere Autonomie haben. Die hilft ihnen auch dabei, ganz individuelle Lösungsstrategien für die Vereinbarkeit zu finden.

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