„Nichts im Leben gibt dir so viel Freiheit wie wirtschaftliche Unabhängigkeit!“

"Ich tue nach Möglichkeit nur Dinge, die mir Spaß machen", so Henrike von Platen.

Oliver Betke

"Ich tue nach Möglichkeit nur Dinge, die mir Spaß machen", so Henrike von Platen.

Seit Jahren engagiert sich Henrike von Platen für ein Ziel: Lohngerechtigkeit für alle. Ihr Lieblingsthema? Frauen und Geld. Deshalb unterstützt sie seit kurzem Unternehmen und Organisationen bei der praktischen Umsetzung.

Henrike von Platen ist Wirtschaftsexpertin, Wirtschafts-Informatikerin und Betriebswirtschaftlerin. Im Sommer 2017 gründete sie das Fair Pay Innovation Lab (FPI), um Unternehmen bei der praktischen Umsetzung von nachhaltigen Entgeltstrategien zu unterstützen. Ihr Ziel: Lohngerechtigkeit für alle.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Henrike von Platen: Ich habe ein Ziel: Lohngerechtigkeit für alle. Als Präsidentin der deutschen Business and Professional Women (BPW) habe ich mich viele Jahre ehrenamtlich dafür engagiert. 2016 habe ich das Fair-Pay-Bündnis für Gleichheit auf dem Gehaltszettel initiiert – mit viel Unterstützung aus Wirtschaft und Politik.

Mein Eindruck: Inzwischen herrscht theoretisch allerorten Fair-Pay-Konsens – bloß mit der praktischen Umsetzung hapert es noch. Genau darum habe ich das FPI gegründet: Seit Sommer 2017 unterstützt das FPI Unternehmen und Organisationen dabei, den Gender Pay Gap endlich aus der Welt zu schaffen.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

von Platen: Viele Menschen haben mich auf meinem Weg begleitet – und umgekehrt! Ich hatte schon immer ein großes Netzwerk und habe meine Kontakte auch genutzt. Viele Frauen unterschätzen die Macht der Klüngelei, die viele Männer ohne darüber Nachzudenken praktizieren. Nur warum ist es so verpönt, sich gegenseitig zu unterstützen, um voranzukommen? Warum sollte statt Sympathie nicht die gemeinsame Sache im Vordergrund stehen?

Mein Lieblingsthema ist Frauen und Geld. Das gehört für mich unbedingt zusammen. Nichts im Leben gibt dir so viel Freiheit wie wirtschaftliche Unabhängigkeit! Ich habe schon früh gelernt, finanzielle Ziele zu erreichen – als Siebenjährige zum Beispiel habe ich einen Flug von Deutschland nach Japan mit meinem Ersparten selbst bezahlt.

Im Laufe der Jahre habe ich großartige Menschen getroffen, die sich für Finanzen begeistern. Meine liebsten Netzwerke sind die internationalen wie BPW und IWF, wo sich die unglaublichsten Frauen aller Branchen und Karrierestufen engagieren. Der Austausch mit ihnen ist mir sehr wichtig.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

von Platen: Natürlich! Hürden gibt es immer. Die Frage ist: Lasse ich mich davon aufhalten? Oder finde ich einen Weg, sie zu überwinden oder zu umgehen? Erkenne ich in ihnen sogar eine Chance? Das Geheimnis liegt darin, das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass Lohngerechtigkeit schon morgen möglich wäre – wenn alle wollen, sind die paar praktischen Hürden ein Klacks.

Meine Fokussierung aufs Ziel funktioniert bislang sehr gut: Alles, was ich mir vorgenommen habe, habe ich auch erreicht. Seit ich das Gleitschirmfliegen für mich entdeckt habe, weiß ich: Sogar Fliegen ist ganz einfach – man fasst sich ein Herz und tut es! Das fühlt sich wunderbar an. Und ist auf viele Lebenslagen zu übertragen.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

von Platen: Meine Überzeugungskraft: Ich bin sehr gut darin, andere Menschen zu begeistern. Ich tue nach Möglichkeit nur Dinge, die mir Spaß machen – das hat offenbar eine ansteckende Wirkung. Hinzu kommt meine Risikobereitschaft: Ich probiere viele Dinge einfach aus. Solange ich hinter dem stehe, was ich tue, ist das eine gute Methode. Eine Strategie wird ja ohnehin oft erst im Rückblick ersichtlich: Erst beim Machen wird klar, was Erfolg hat. Da sind risikoaffine Menschen klar im Vorteil.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

von Platen: „Schmeiß das Geld aus dem Fenster – aber lass die Tür auf, damit es wieder rein kann“. Klingt wie aus einem Glückskeks, ich habe diesen Rat aber tatsächlich so bekommen! Und es ist was dran. Natürlich überlege ich beim Ausgeben, ob ich das Richtige tue, ob es mir Spaß macht. Meist aber nicht sehr lange. Dann reiße ich das Fenster auf. Bisher ist das immer gut aufgegangen.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

von Platen: Steckt euch große Ziele! Geht nicht, gibt’s nicht! Wer kleine Ziele hat, kommt nicht sehr weit, das liegt in der Natur der Sache. „Make no small plans, they have no power to stir the blood“, wird Lena Madesin Phillips gern zitiert, die vor knapp 100 Jahren in den USA die BPW gründete. Und sie hat Recht! Wer etwas erreichen oder die Welt verändern will, braucht große Ziele. Und wenn es am Ende nicht ganz reicht – im Zweifel erreicht ihr auf dem Weg andere große Dinge, die niemand vermutet hätte!

3 Kommentare

  1. Einfach Dinge tun, die Spaß machen. Dieser Rat ist so einfach. Denn, wenn Dinge Spaß machen, dann ist da auch Energie drin. Und, wenn in einer Sache, einer Idee Energie drin ist, dann kann sie auch entzünden. Wir brauchen mehr Sichtbarkeit von weiblichen Vorbildern. Henrike von Platen ist für mich ein Vorbild.

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