Babypause hemmt Karrierelust

Je länger Frauen im Job aussteigen, desto geringer ist ihr Karriereinteresse, zeigt eine neue Studie.

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Je länger Frauen im Job aussteigen, desto geringer ist ihr Karriereinteresse, zeigt eine neue Studie.

Kind da, Job weg – trotz Förderprogrammen und Mentoringintiativen schaffen es nur wenige Mütter an die Spitze. Aber daran sind nicht nur stereotype Beförderungsmechanismus und Verhinderungsstrategien Schuld.

Eine neue Studie der Soziologen Markus Gangl und Andrea Ziefle von der Goethe-Universität Frankfurt zeigt auf, dass die Frauen selbst mit der Mutterschaft häufig das Interesse an Karriere verlieren, berichtet Wirtschaftspsychologie aktuell.

Mehr noch: Offenbar hat auch die Dauer der Babypause einen direkten Einfluss auf das Aufstiegsinteresse der Mütter. Je länger die Frauen für den Nachwuchs aussteigen, desto weniger Lust haben sie später, wieder in das eng getaktete und fremdbestimmte Arbeitsleben zurückzukehren. Die Forscher hatten für ihre Studie Daten des Sozio-ökonomischen Panels ausgewertet. Dieses befragt Deutsche seit 1984 jährlich nach ihren Einkommens- und Lebensverhältnissen. Die Daten sind repräsentativ.

Familie rückt an erste Stelle

Untersucht hatten die Soziologen die Antworten von Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu der Frage, wie sih ihre Einstellung hinsichtlich Karriere und Familie verändert hatte, nachdem nach 1992 der Erziehungsurlaub von 18 Monaten auf drei Jahre ausgeweitet wurde. Demnach rückte besonders bei den Müttern die Familie an erste Stelle, wenn sie die komplette Zeit eine Job-Auszeit genommen hatten.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Familienpolitik in den frühen neunziger Jahren mit der Förderung der längeren Erwerbsunterbrechung für Mütter einen unmittelbaren Einfluss auf die Lebensverläufe der Frauen hatte. Ein ähnlicher Effekt ist auch in der jüngeren Zeit zu beobachten: Mit Einführung der Elternzeit für beide Partner hat sich der Anteil der Frauen stark erhöht, die nur einige Monate bis maximal ein Jahr aus dem Beruf für den Nachwuchs aussteigen – ebenso wie sich der Anteil der Väter erheblich gesteigert hat, die Elternzeit nehmen.

Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben: Die Daten des Sozio-Ökonomischen Panels geben keinen Aufschluss darüber, ob die Betonung der Bedeutung der Familie nicht auch etwas damit zu tun haben könnte dass die Frauen nach einer langen Auszeit im Beruf schlichtweg auch geringere Jobchancen hatten. Psychologen gehen davon aus, dass viele Frauen darauf ihre Aufgabe in der Familie als Gegenentwurf zur “verlorenen” Karriere sehen – und sich auch deshalb die Prioritäten verschieben.

Ein Kommentar

  1. Der Balken im Kopf

    Welche verquere Logik ist das denn? Wer, wenn nicht eine Mutter kleiner Kinder, hat ein “eng getaktetes und fremdbestimmtes Arbeitsleben”? Dass es unbezahlte Familienarbeit ist, darüber kann man woanders jammern. Aber die zitierten Forscher scheinen Scheuklappen zu tragen, was die Realitäten des Familienmanangements betrifft.
    Übrigens gratuliere ich hiermit ganz feste jenen Kindern, die für ihre Eltern wichtiger sind als deren Beruf. Ich glaube, noch nicht einmal unsere lieben DAX-Vorstände würden sich trauen, zu Protokoll zu geben, ihre Söhne und Töchter seien unwichtiger als der Job. Wer nicht als Eremit lebt, für den ist Familie immer an erster Stelle! Aber komischerweise schaffen es Frauen, diese Haltung anderen Frauen vorzuwerfen. Zerfleischt Euch ruhig weiter selbst!
    Übrigens, mein Rat an die aufstiegsorientierte Damenwelt: Die “Wordings” sind prägend für die Denke. Vermeiden Sie doch bitte den lachhaften “Erziehungsurlaub” – man darf Kindererziehungszeit sagen oder Phase der Familienarbeit (wobei das dann wieder verschweigt, dass das wahrhaft starke Geschlecht bis heute oft einen Vollzeitjob plus Großteil der Familienarbeit plus komplette Hausarbeit erfolgreich regelt, um zudem noch die Rolle als Partnerin, brave Schwiegertochter und und … zu versehen).

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