Journalistin verklagt ZDF wegen ungleicher Bezahlung

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Dieser Satz gilt für die meisten Frauen leider immer noch nicht.

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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Dieser Satz gilt für die meisten Frauen leider immer noch nicht.

Die Frontal-21-Reporterin Birte Meier hat das ZDF verklagt, weil sie schlechter bezahlt wird als ihre männlichen Kollegen.

Das berichten die Berliner Zeitung und Edition F. Demnach soll die Journalistin, die seit langem für das renommierte Politikmagazin Frontal 21 tätig ist, herausgefunden haben, dass sie brutto weniger verdiene wie gleichrangige männliche Kollegen netto. Ein Skandal, gerade für einen öffentlich-rechtlichen Sender wie das ZDF. Und unverständlich noch dazu, denn die Fernsehjournalistin hat an großen Recherchen mitgearbeitet. Edition F berichtet, Birte Meier sei zuletzt unter anderem an der Recherche beteiligt gewesen, die aufdeckte, dass die SPD ihre eigenen Spitzenpolitiker gegen Honorare für Veranstaltungen vermietete. Dafür bekam das gesamte Team inklusive der Reporterin den Wirtschaftsfilmpreis.

Warum also die gleiche Arbeit machen und so viel weniger verdienen? Die Journalistin versuchte zunächst lange, sich gütlich mit dem ZDF zu einigen und ein höheres Gehalt zu verhandeln. Aber alle Versuche scheiterte. Schließlich klagte sie wegen Diskriminierung. Denn tatsächlich ist es ein klarer Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), wenn eine Mitarbeiterin qua Geschlecht deutlich schlechter bezahlt wird als ihre männlichen Kollegen. Um rechtlich die Chancen zu erhöhen, hat der Anwalt der Klägerin die Klage zudem auf EU-Recht ausgelegt – das ist in Diskriminierungsfragen nämlich stärker. In Deutschland gab es bisher kaum Fälle, in denen Frauen den Rechtsstreit mit dem Arbeitgeber überhaupt gesucht hätten.

Schwangerschaft als Grund für mieses Gehalt?

Nun fand vor dem Berliner Amtsgericht die erste Verhandlung statt, die nach einem Bericht der Berliner Zeitung leider vor einem offenbar nicht gerade verständnisvollem Richter stattfand. In dem Zeitungsbericht heißt es, der Richter habe nicht nur gefragt, wo die Vertragsfreiheit bleibe, es außerdem sein könne, dass die Männer einfach besser verhandelten und ebensogut eine Schwangerschaft ein Grund für ein geringeres Einkommen sein könnte.

Nun trifft das aber auf die Reporterin gar nicht zu – sie hat nämlich keine Kinder und entsprechend gab es in ihrer Erwerbsbiografie auch keine beruflichen Auszeiten für Kinder.

Wie die Berliner Zeitung berichtet, scheint auch das den Richter wenig beeindruckt zu haben, denn dieser soll gesagt haben, dass selbst wenn alle Männer besser bezahlt würden als die Frau müsse zunächst bewiesen werden, dass sie aufgrund von Diskriminierung einen geringeren Lohn erhalte. Frei nach dem Motto: Selbst wenn die Journalistin hochkarätige Preise gewonnen hat, so könne es dennoch sein, dass sie schlicht schlechter arbeite und deshalb ein geringerer Lohn angemessen ist.

Am Ende folgt die Trennung

Mehr noch: Das ZDF soll Medienberichten zufolge die Reporterin nun nur noch loswerden wollen. Kein Wunder, wirft eine Diskrimierungsklage doch ein sehr schlechtes Licht auf den öffentlich-rechtlichen Sender. Auf dem Tisch liegt demnach offenbar ein Angebot für eine Einigung – die Journalistin soll ihren Job aufgeben. Tatsächlich werden die meisten Auseinandersetzungen, in denen der Arbeitgeber einen großen Imageschaden befürchten muss, mit einem Vergleich beendet – die Mitarbeiterin bekommt eine Summe X als Kompensation und kann ihre Sachen packen. Und es gibt ein politisches Wording, mit dem die “einvernehmliche” Trennung nach außen kommuniziert wird.
Wir finden: Das ist schlimm. Wenn Frauen den Verlust ihres Jobs befürchten müssen, wenn sie gegen Lohndiskriminierung klagen, ist ihnen wenig geholfen. Leider wird daran wohl auch wenig das Entgeltgleichheitsgesetz ändern (so es denn kommt), bei dem sich die Koalition vor einigen Wochen auf einen Kompromiss geeinigt hatte. Demnach könnten zwar Arbeitnehmerinnen (und Arbeitnehmer) in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten einen Auskunftsanspruch darauf haben, wo sie im Lohngefüge stehen. Ein Recht auf ein faires Gehalt haben sie dennoch nicht. Ihnen bliebe allenfalls der (meist vergebliche) Versuch, das Gehalt nachzuverhandeln – oder der riskante Klageweg, der in der Regel mit einem Aufhebungsvertrag endet.

3 Kommentare

  1. Gerade von einem öffentlich rechtlichen Fernsehsender erwartet man Korrektheit. Schäm dich ZDF du bist genauso schlimm wie alle Anderen!!! Die kommenden Berichte über Ungerechtigkeiten in Deutschland und der Welt werden für mich nicht mehr glaubwürdig sein

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