Journalisten an Tageszeitungen haben (k)einen Tarifabschluss

Für die gut 13.000 Redakteurinnen und Redakteuren an Tageszeitungen wurde ein Tarifabschluss erzielt, der keine Reallohnsteigerungen bringt.

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Für die gut 13.000 Redakteurinnen und Redakteuren an Tageszeitungen wurde ein Tarifabschluss erzielt, der keine Reallohnsteigerungen bringt.

Es ist schon eine historische Situation: Für die rund für die rund 13.000 Zeitungsjournalistinnen und -journalisten an Tageszeitungen gibt es einen Tarifabschluss und es gibt auch keinen. Denn die Tarifkommission der Deutschen Journalistinnen und Journalisten Union (dju) in ver.di hat in ihrer Sitzung am 5. November den Vorschlag der Arbeitgeber abgelehnt. Damit hat nun nur der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) den Tarifvertrag unterzeichnet. Dieser vertritt aber nur einen Teil der Beschäftigten. Und nun?

Nach Ansicht der dju ist das vom DJV mit dem Bundesverband Deutscher Tageszeitungsverleger (BDZV) erzielte Ergebnis mit einer Gehaltserhöhung von 1,9 Prozent ab Mai 2018 und 2,4 Prozent ab Mai 2019 bei einer Laufzeit bis Ende Juli 2020 ist zu weit entfernt von der Forderung der dju in ver.di nach Reallohnsteigerungen. Die Inflation liegt aktuell laut Statistischem Bundesamt bei 2,3 Prozent. Das heißt, der Abschluss liegt sogar unterhalb der Inflation.

Im Journalismus verhandeln zwei Gewerkschaften die Gehälter der Beschäftigten: Die Journalistengewerkschaft dju in ver.di und der Berufsverband DJV. Seit vielen Jahren geschah dies auch im gemeinsamen Schulterschluss. Auch in die Tarifrunde 2018 waren beide mit kämpferischen Forderungen eingetreten – doch während die dju in ver.di an dem Ziel von echten Reallohnsteigerungen festhielt, stimmte der DJV in der siebten Verhandlungsrunde dem Angebot der Arbeitgeber zu.

Mehr als 1.000 Journalistinnen und Journalisten hatten in sich in mehreren Streikwellen an dem Arbeitskampf beteiligt. In einem Urabstimmungsergebnis hatten sich 90 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten für Reallohnsteigerungen ausgesprochen und auch erklärt, weiter dafür streiken zu wollen. Für die dju war dies der Anlass, hart zu bleiben.

Die Friedenspflicht besteht nicht

Doch was bedeutet es, wenn ein Verhandlungspartner mit dem Arbeitgeberverband einen Tarifvertrag abschließt, der andere aber nicht? Zunächst einmal, dass der Tarifabschluss in Kraft tritt und auch auf alle Beschäftigten in den Tageszeitungsverlagen ausgerollt werden muss. Aber auch, dass die Friedenspflicht für die Gewerkschaft, die nicht unterzeichnet hat, nicht besteht. Das heißt, dass diese Gewerkschaft auch weiterhin zu Streiks aufrufen kann. Die Verleger müssen insofern damit rechnen, dass ver.di als große Gewerkschaft das auch tun wird.

„Für uns ist klar: Wir können den Kolleginnen und Kollegen, die für die längst überfällige Reallohnsteigerung gekämpft haben, kein Ergebnis zumuten, das das Ziel ihres Kampfes weit verfehlt. Dass der flächendeckende Arbeitskampf nicht von beiden Gewerkschaften weitergeführt worden ist, bedauern wir. Wir werden uns nun, wo sich die Gelegenheit bietet, für unsere Forderungen einsetzen. Denn wir wollen mehr für die Kolleginnen und Kollegen, die in den Redaktionen immer mehr leisten und damit ihren Beitrag zur Zukunft der Zeitungen leisten!“, erklärte der dju-Tarifkommissions-Vorsitzende Klaus Schrage dazu.

Damit bleibt es dabei: Die dju in ver.di wird auch weiterhin die in der Urabstimmung gesetzten Tarifziele gegenüber dem BDZV und wird und notfalls bis zu einer zufriedenstellenden Einigung auch streiken können…

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