Jobwechsel? Kommt für die meisten nicht infrage

Gehen oder bleiben? Die meisten Arbeitnehmer hierzulande bleiben trotz Jobfrust bei ihrem Arbeitgeber.

Unsplash / Simon Hattinga Verschure

Gehen oder bleiben? Die meisten Arbeitnehmer hierzulande bleiben trotz Jobfrust bei ihrem Arbeitgeber.

Viele Deutsche sind im Job gefrustet. Trotzdem wechseln nur die wenigsten den Arbeitsplatz. Sie arrangieren sich lieber. Warum?

Mit Job ist es wie mit der Liebe: Nach einer anfänglichen Phase der Verliebtheit, stellt sich bei vielen irgendwann Ernüchterung ein. Gerade wer bei seinem Arbeitgeber schon einige Jahre lang tätig ist und sehr viel Routine bei der Arbeit hat, stellt sich irgendwann die Frage: Ist es das hier noch? Oder: Soll das etwa schon alles gewesen sein?

Wir hatten erst kürzlich über den neuen Engagement-Index des Beratungsunternehmen Gallup  berichtet. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass insgesamt 70 Prozent der Beschäftigten hierzulande nicht mit vollem Herzen bei ihrem Job sind, viele sind sogar dauerhaft mit ihrem Arbeitgeber und ihrem Arbeitsplatz unzufrieden. Und immerhin fast jeder Fünfte hat innerlich gekündigt. Die Zahl ist seit Jahren konstant. Eigentlich alles gute Gründe, etwas zu verändern und den Arbeitsplaz zu wechseln. Das tun aber nur sehr wenige.

In einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa vom Januar 2016, die im Auftrag des Online-Businessnetzwerks Xing erstellt wurde, gaben 35 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, noch im gleichen Jahr den Job wechseln zu wollen. Laut einer Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wechseln pro Jahr aber nur 3,4 Prozent der Beschäftigten.

Und jetzt stellt auch eine Befragung des Stellenmarkts meinestadt.de fest, dass die meisten Arbeitnehmer sich lieber mit dem alten Job arrangieren, statt zu wechseln. Hier wurden 5.000 Beschäftigte zu ihrer Wechselbereitschaft befragt. Das Ergebnis: Immerhin 40 Prozent der Befragten sind seit sieben Jahren oder länger bei ihrem Arbeitgeber, knapp 30 Prozent Umfrageteilnehmer sind bis zu sieben Jahre in ihrem Job und nur jeder Fünfte hat eine hohe Wechselbereitschaft und verbleibt meist nur ein Jahr an einem Arbeitsplatz.

Wechselbereitschaft erzwungenermaßen

Die meisten der Wechselwilligen sind es wider Willen: Sie haben entweder einen befristeten Vertrag oder der Job ist sowieso nur eine Notlösung aufgrund ihrer prekären Beschäftigungssituation. Die Studie stellt auch einen deutlichen Zusammenhang mit dem Bildungsniveau fest. Am häufigsten wechseln demnach Menschen den Arbeitsplatz, die über keine Berufsausbildung verfügen und als Ungelernte tätig sind. Einmal im Erwerbsleben angekommen, bleiben die Fachkräfte häufig bei einem Arbeitgeber. Bei den Akademikern zeigt sich ein gemischtes Bild: Viele streben besonders zu Karrierebeginn einen Arbeitgeberwechseln nach zwei Jahren an – dann meist aus eigenem Antrieb und Karrierewillen. Allerdings: Auch bei den Akademikern gibt es sehr viel befristete Beschäftigung. Und sie tun sich meist leichter, eine neue Stelle zu finden. In der Studie ist nur ein Viertel der Befragten nach sieben Jahren noch im gleichen Unternehmen tätig.

Besonders loyal sind der Umfrage zufolge übrigens Beschäftigte im Gesundheitswesen. Hier bleibt fast jeder Zweite länger als sieben Jahre bei seinem Arbeitgeber.

Die meisten arrangieren sich

Leider macht die Umfrage keine Aussagen darüber, wie sich die Wechselbereitschaft zwischen den Geschlechtern darstellt. Wir würden ja tippen, dass die Frauen weniger häufiger den Job wechseln. Das würde sich mit anderen Studien decken, wonach Frauen generell weniger beruflich mobil sind. Die Erklärung ist wie so oft die immer gleiche: Die Frauen übernehmen immer noch die Hauptarbeit bei der Kindererziehung, sie arbeiten auch häufiger Teilzeit und sie stecken öfter bei der Karriere zu Gunsten der Familie zurück. Und: Meist sind die Männer nicht bereit, für die Karriere der Frau mitzuziehen.

Klar ist aber auch: Die allermeisten arrangieren sich mit ihrem Job. Auch das hat vielfach etwas mit der Familiengründung zu tun. Denn wer einen unbefristeten und sicheren Arbeitsplatz hat und Karriere nicht an die erste Stelle stellt, für den ist, unabhängig vom Geschlecht, der Job oft auch nur ein Broterwerb. Einer, der Spaß machen soll und sinnvoll ist – aber eben nicht perfekt sein muss. Da geht man eben notfalls den Kompromiss ein, fehlende Wertschätzung und einen führungsschwachen Chef zu ertragen. So lange es nicht die falschen Kompromisse sind… bleibt die Sache mit dem Job dann fast so wie in der Liebe.

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