Job Crafting: Arbeit neu denken

Der Job ödet an und frustriert nur noch? Wer nicht sofort wechseln kann, findet mit Job Crafting eine Methode, diese Zeit besser durchzustehen.

Unsplash / Alexandre Chambon

Der Job ödet an und frustriert nur noch? Wer nicht sofort wechseln kann, findet mit Job Crafting eine Methode, diese Zeit besser durchzustehen.

Nicht jeder Job ist erfüllend. Und auch wenn man für seine Arbeit mal gebrannt hat, stellt sich oft nach einiger Zeit Ernüchterung und Frust ein. Wer nicht wechseln kann oder will, findet mit Job Crafting eine Methode, die Situation erträglicher zu machen.

Ein Gastbeitrag von Birgitta Wallmann

Unsere Arbeit ist allgegenwärtig und beschäftigt uns von morgens bis abends. Sie treibt uns an, gibt uns ein Gefühl von Wichtigkeit und sichert unsere Existenz. Aber sie kann auch eine ganz schöne Schinderei sein.

Dies zeigt auch Jahr für Jahr die Gallup Studie. Denn ein Großteil der Arbeitnehmer hat demnach schon innerlich gekündigt, andere machen nur noch Dienst nach Vorschrift. Der Job macht vielen keinen Spaß mehr. Langweilige Aufgaben, Stress mit dem Chef oder den Kollegen sind häufig die Ursache.

Natürlich kann man kündigen und sich einfach einen neuen Job suchen, der besser zu einem passt. Dies kann aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein, weil die Wirtschaftslage vielleicht gerade schwierig ist, familiäre Verpflichtungen einen Wechsel nicht zulassen oder die Optionen im Berufsumfeld beschränkt sind.

Allerdings genügt es heute aber auch nicht mehr, einfach nur die Faust in der Tasche zu ballen und dem Arbeitgeber die Schuld am eigenen Jobfrust zu geben. Denn „Erwerbstätige müssen in Zukunft immer mehr umdenken und selbst zu Regisseuren ihres Berufslebens werden,“ schreibt die Journalistin Johanna Zugmann in ihrem Buch, Karriere neu denken: Ende, Wende, Neuanfang.  Eine einfache Möglichkeit bietet dabei das sogenannte Job Crafting. Ein neuer Trend, der dabei hilft, das, was man gerade beruflich tut, selbst zu ändern.

Spielräume nutzen

Das Prinzip geht auf eine amerikanische Studie der Ross School of Business in Michigan aus dem Jahr 2001 zurück, in der die Autoren feststellten, dass man mit dieser Methode den aktuellen Arbeitsplatz selbst so gestalten kann, dass er erfüllender wird und besser zu einem passt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Arbeitspsychologin Tanja Bipp, die seit 2016 zum Thema an der Universität Würzburg forscht. Auch ihre bisherigen Ergebnisse zeigen, dass man die Begrenzungen seines Jobs aktiv auf die eigenen Interessen und Fähigkeiten umgestalten kann. Und wie funktioniert das? Man kann etwa intensiver mit Kollegen zusammenarbeiten, interessantere Aufgaben annehme oder positiver über seine Arbeit denken. Denn durch den selbstbestimmten Wandel der eigenen Einstellung wird nicht nur die Motivation gefördert, auch die Leistungsfähigkeit vieler Beschäftigter nimmt zu.

Natürlich werden die Stellen in den Unternehmen in der Regel „top down“, also von oben nach unten definiert. Dennoch sind die Spielräume, die Mitarbeiter haben, um ihre Tätigkeit mit eigenen Zielen und Talenten zu verknüpfen, oft viel größer als man zunächst annimmt. Der erste Schritt dabei ist, herauszufinden, was man eigentlich braucht, um in seinem Job zufriedener zu sein. Dabei gilt es sich ein paar grundlegende Fragen zu stellen: „Was bietet mir mein Arbeitsplatz? Was mache ich gern und kann ich gut? Was vermisse ich? Denn Job Crafting zielt grundsätzlich darauf ab, sich mehr an den eigenen Stärken und Talenten zu orientieren. „Allerdings geht es nicht darum, nur zu tun, worauf man Lust hat”, sagt Tanja Bipp, “sondern die Aufgaben, die man nicht mag und nur Energie rauben, passend zu seinen Stärken neu zu gestalten, und das auf eine Weise, die zu den eigenen Stärken passt.“

So geht Job Crafting

Gemeint sind dabei eigene Initiativen, mit denen Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verändern, in dem sie sich neue Aufgaben suchen (Task Crafting) oder die Beziehungen zu ihren Kollegen neu regeln (Relational Crafting), indem sie Art und Häufigkeit der Interaktion verändern. So kann eine Vertrieblerin, die sich auch für IT interessiert, ihren Kollegen gezielt Hilfe bei Computerproblemen anbieten. Häufig reicht aber auch schon ein Perspektivwechsel (Cognitive Crafting), um Dinge im Jobprofil zu finden, die sich überlappen. Hierdurch können die gedanklichen Begrenzungen des aktuellen Jobs verändert werden, da der jeweilige Sinn oder Zweck neu eingeschätzt wird oder aber auch die Aufgaben und Beziehungen neu bewertet werden. So ist eine Schulsekretärin, nicht nur allein für die Büroorganisation verantwortlich, sondern auch gleichzeitig die gute Seele des Hauses, die sich alle Sorgen und Nöte des Schulalltags anhört.

Den Job erträglicher machen

Job Craftig findet also auf drei Ebenen statt.

Andere wiederum verändern oder erweitern ihren Aufgabenbereich um Betätigungen, die ihnen Freude bereiten; wie zum Beispiel die Controllerin, die aus Spaß am Schreiben für ihr Unternehmen bloggt oder die Lehrerin, die ohne es müssen, Theaterkurse gibt.

Natürlich ist Job Crafting nicht zu jeder Zeit und in jedem Szenario praktikabel, klappt aber grundsätzlich in jedem Job und ist auf allen Hierarchieebenen möglich. „Egal ob Vorstand oder Sekretärin, selbst eine Köchin in einer Großkantine könnte craften,“ sagt Bipp. Zwar ist die Methode sicher kein Allheilmittel. Das soll und kann es auch gar nicht sein. Denn nicht jedem gelingt es auf Anhieb, nervige Aufgaben abzugeben oder allen stressigen Kollegen aus dem Weg gehen. Und wen die Arbeit auf Dauer zu sehr nervt, der wird auch in Zukunft nicht an einem Jobwechsel vorbei kommen. Aber dennoch schafft die Herangehensweise Klarheit und hilft Menschen in unbefriedigenden Arbeitsverhältnissen, das, was sie täglich tun, neu zu bewerten. Und gerade in beruflich anstrengenden Zeiten kann ein kleiner Perspektivwechsel die Situation zumindest für einen Moment erträglicher machen.

Über die Autorin: Birgitta Wallmann ist Juristin und arbeitet als freie Autorin.

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