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Fair Pay Innovation Lab

Während der 62. Frauenrechtskommission ist der Big Apple auch in diesem Jahr für zwei Wochen Gleichstellungshauptstadt der Welt.

Am Donnerstag kamen in New York über 100 Frauen zusammen, um am Rande der 62. Frauenrechtskommission die alles entscheidende Frage auf dem Weg zur Gleichstellung zu diskutieren: Die Frage nach dem Geld. Doch wie lässt sich Equal Pay global umsetzen? Henrike von Platen war Gastgeberin und Moderatorin des ersten Equal Pay Global Forums, das in etwa 250 Höhenmetern mit Blick auf New York einen Blick in die Zukunft warf. Sie schildert exklusiv für die Chefin ihre Eindrücke.

In Deutschland fällt der Equal Pay Day in diesem Jahr auf einen Sonntag. Dabei ist die Ungleichbehandlung von Frauen auf dem Gehaltszettel nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt ziemlich alltäglich. In den letzten Jahren hat sich daran nur wenig geändert. Allerhöchste Zeit also, das Thema ganz nach oben auf die globale Agenda zu setzen: Wie sich der Gender Pay Gap weltweit schließen lässt, war am Donnerstag in New York Thema des allerersten Equal Pay Global Forums. Zu dieser Premiere eingeladen hatten die International Labour Organization (ILO) und das Fair Pay Innovation Lab (FPI), Gastgeber war SAP America.

Überall in New York wird in diesen Tagen diskutiert: Während der 62. Frauenrechtskommission ist der Big Apple auch in diesem Jahr für zwei Wochen Gleichstellungshauptstadt der Welt. Rund 10.000 Delegierte und Teilnehmende tauschen sich auf Konferenzen und Side Events aus, treffen sich auf Empfängen und berichten über die Lage in ihren Nationen. Die beiden Hauptthemen in diesem Jahr: Frauen und Mädchen in ländlichen Räumen sowie Frauen und Mädchen in den Medien.

Es sind intensive Tage. In diesem Jahr, so scheint es, sind alle besonders besorgt, und die Motivation, die Gleichstellung endlich voranzubringen, ist angesichts der politischen Entwicklungen – in den USA, in Polen, Tschechien oder Ungarn – riesig. Überall entstehen neue Allianzen.

Austausch in 250 Höhenmetern

An diesem 15. März weht ein kalter, klarer Winterwind durch New York – vor allem aber ist der Wille zur Veränderung spürbar. Das Equal Pay Global Forum findet im SAP Leonardo Center in 250 Höhenmetern statt, und dort angekommen verschlägt es einfach allen den Atem: Der Ausblick auf Manhattan ist einmalig.

Das Interesse an der Veranstaltung ist groß, über hundert Gäste, viele kommen spontan, nicht alle finden Platz, einige stehen. Die Atmosphäre ist entspannt und konzentriert.

Shauna Olney, Chief of the Gender, Equality and Diversity bei der ILO, startet mit einem Impuls über die Wortwahl in Sachen Gleichstellung: Überall auf der Welt stoßen Frauen auf unsichtbare Hürden (glass ceiling oder glass walls), bleiben stecken (sticky floorsand) oder gehen unterwegs verloren (leaky pipeline) – doch nicht mehr lang: Seit 2017 gibt es die Equal Pay International Coalition, kurz EPIC, die den internationalen Best-Practice-Austausch in Sachen Lohngerechtigkeit fördert. Hinter der globalen Initiative stehen neben der ILO die UN Women und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD. Der Zusammenschluss der drei großen Organisationen ist ein wichtiges Signal, wie ernst die Weltgemeinschaft das internationale Ziel nimmt: Equal Pay bis 2030.

Anka Wittenberg erläutert in ihrer Keynote anschaulich, welche Schlüsselrolle Unternehmen in Sachen Gleichstellung spielen. Noch werde das darin liegende Innovationspotential unterschätzt, unterstreicht die Senior Vice President und Chief Diversity & Inclusion Officer bei der SAP AG. Aus ihrer Sicht sind Gleichstellungs- und Diversity-Strategien aber nicht nur unternehmensintern von Bedeutung, sondern auch in Bezug auf die Produkte und die Klientel der Kern kluger Zukunftsstrategien für Unternehmen. Ihre Entschlossenheit steht außer Frage; die Offenheit bei SAP spricht Bände.

Hoch oben über dem Trubel von New York, den atemberaubenden Blick auf die Skyline von Manhattan im Rücken, wird in der anschließenden Podiumsrunde ungewohnt offen diskutiert: Die Schweizer Gleichstellungsexpertin Sylvie Durrer, die deutsche parlamentarische Staatssekretärin (a.D.) Elke Ferner, die Gewerkschaftlerin Sandra Vermuyten und die Oxford-Professorin Linda Scott, sie alle sind sich einig: Stop fixing the women! Wir brauchen keine selbstoptimierten Frauen, sondern neue Strukturen und ein besseres System.

Der Konsum ist politisch

Der Schlüssel: verkrustete Strukturen aufbrechen. Dass Gleichstellung und Chancengleichheit auf der Agenda in der Politik als auch in der Wirtschaft nach oben gerückt sind, ist gut – aber auch wer nicht an den Schalthebeln von Macht und Geld sitzt, hat Einflussmöglichkeiten und kann sich erstens zivilgesellschaftlich engagieren, zweitens aber auch bewusster konsumieren: Jede Kaufentscheidung hat Einfluss.

Staatliche und internationale Regularien, auch darin waren sich alle Diskutantinnen einig, um faire Bezahlung umzusetzen, gäbe es im Prinzip genug – allen voran die ILO Konvention No. 100 aus dem Jahr 1951, die von 173 Staaten ratifiziert wurde. Mangel herrscht allerdings bei deren Umsetzung, auch beim Thema Transparenz.

Auch hier in New York wurde kaum über Geld gesprochen – nur wenige Hände gehen auf Nachfrage in die Höhe. Über Geld spricht man, lautet daher die Aufforderung für den anschließenden Lunch, dem die Gäste auf Einladung der UN Women und des türkischen Unternehmenrinnenverbands Kagider noch folgen. Zwischen Pizza und Salat, Cookies und Brownies werden Best-Practice-Erfahrungen ausgetauscht, keine Spur von Suppenkoma, die tatkräftige Begeisterung bleibt spürbar.

Alles ist möglich, hier und heute. An diesem Sonntag in Deutschland, und an jedem anderen Tag, überall auf der Welt. Von hier, aus New York, lässt sich ohne Einschränkung sagen: Die Aussicht auf eine faire Zukunft ist bestens.

Ein Kommentar

  1. Sehr , dass der Paygap beleuchtete wird. Ergänzend bitte auch den Pensiongap und den Wealthgap ansehen- uns allen good luck and sucess on that Journey

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