„Frauen mit unterschiedlichen Lebensmodellen sollten sich unterstützen“

"Derzeit findet in der Wirtschaft weltweit ein enormer Wandel statt. Vom Mittelständler bis zum Großkonzern entdecken immer mehr Unternehmen, dass sie ihre Arbeitsweise ändern müssen", weiß Stefanie Krügl.

Stefanie Krügl

"Derzeit findet in der Wirtschaft weltweit ein enormer Wandel statt. Vom Mittelständler bis zum Großkonzern entdecken immer mehr Unternehmen, dass sie ihre Arbeitsweise ändern müssen", weiß Stefanie Krügl.

Die größte Herausforderung, die die dreifache Mutter und erfolgreiche Unternehmerin Stefanie Krügl bewältigen muss, ist Beruf und Familie zu verbinden. Inzwischen hat sie Ihren Weg gefunden und wünscht sich, dass sich Frauen gegenseitig besser unterstützen und verschiedene Lebensmodelle akzeptieren.

Schon lange befasst sich Stefanie Krügl mit der Fragestellung, wie man Herausforderungen in der Unternehmenswelt durch einen Wandel der Organisationskultur lösen kann. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Tatsache, dass Menschen viel entspannter und gleichzeitig erfolgreicher arbeiten, wenn sie genau das tun was sie am besten können und am meisten mögen. Und obwohl das in den meisten Unternehmen bekannt ist, ziehen bisher nur wenige Führungskräfte Konsequenzen aus diesem Wissen.

Bei der Gründung ihres Start-ups Ende 2012 hat sie viel über alternative Formen der Zusammenarbeit gelernt und begonnen, sich gezielt mit neuen Formen von Organisationskultur zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang hat Krügl 2014 mit 25 Autoren einen Book Sprint zum Thema „Gemeinsam Unternehmenskultur umdenken“ organisiert.

Heute arbeitet die 40-Jährige mit der Innovationsberatung Insight Innovation als Expertin für Organisationskultur und Interim Managerin an Strategie- und Change-Projekten. Gleichzeitig engagiert sie sich ehrenamtlich als Vorständin für den Bereich Business des openBIT e.V. dafür, den open Business Gedanken in europäischen Unternehmen zu etablieren.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Stefanie Krügl: Das ist ganz einfach, meine Arbeit macht mir großen Spaß. Ich möchte in meinem Leben etwas bewegen und zusehen, wie sich die Dinge verändern. Ich mag es, verzwickte Situationen zu klären, die beteiligten Menschen zu verstehen, neue Ansätze zu entwickeln und die Zusammenarbeit zwischen Menschen besser zu machen.

Derzeit findet in der Wirtschaft weltweit ein enormer Wandel statt. Vom Mittelständler bis zum Großkonzern entdecken immer mehr Unternehmen, dass sie ihre Arbeitsweise ändern müssen, um mit dem rasanten Innovationstempo der Weltwirtschaft mithalten zu können.

Interessanterweise sind die wertvollsten Unternehmen heute nicht diejenigen, die ihre Mitarbeiter zu möglichst viel Arbeit zwingen, sondern diejenigen, die ihre Mitarbeiter wertschätzen, ihnen viel Freiraum lassen und alles tun, um sie zu unterstützen. Denn das ist eine wesentliche Voraussetzung für Kreativität.

Ich finde es sehr spannend diesen Wandel in den Unternehmen zu begleiten und so das Arbeitsleben vieler Menschen positiv zu beeinflussen.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Krügl: Auf jeden Fall! Immer wieder haben sich Menschen an meine Seite gestellt und mich bewusst gefördert. Das hat mit meinem ersten Chef begonnen, der mir als 24-jährige Studentin eines der größten Projekte seiner Unternehmensberatung eigenverantwortlich übertragen hat – eine riesige Herausforderung, die mich geprägt und mir Selbstbewusstsein gegeben hat.

Heute arbeite ich sehr selbstbestimmt, habe aber ein tolles Netzwerk an Menschen, die ich um Rat fragen kann. Wichtige Unterstützer sind auch mein Mann und meine Kinder, die mir viel Freiraum geben.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Krügl: Natürlich. Ich habe zwischen den Jahren 2000 und 2004 drei Kinder bekommen. Und es war nicht so leicht, einen guten Weg zu finden, Arbeit und Kinder so zu verbinden, dass für beides genug Zeit bleibt.

Und auch wenn es mir sehr wichtig ist, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen und intensiv am Leben meiner Kinder teilzuhaben, kann ich mir gleichzeitig nicht vorstellen, ausschließlich zuhause zu sein oder Teilzeit in weniger anspruchsvollen Jobs zu arbeiten, als es meiner Qualifikation entspricht.

Es ist aber der Druck durch andere Frauen, der mich immer wieder am stärksten betroffen macht. Während viele Mütter sehr schnell mit dem Urteil „Rabenmutter“ sind, sagen Frauen ohne Kinder Müttern häufig klar ins Gesicht, dass sie nicht mit ihnen arbeiten wollen. Hier würde ich mir wünschen, dass sich Frauen mit unterschiedlichen Lebensmodellen gegenseitig unterstützen.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Krügl: Es fällt mir leicht Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Auch kann ich sehr unterschiedliche Menschen überzeugen, für ein gemeinsames Ziel zu arbeiten. Dabei kann ich völlig die Zeit vergessen und merke kaum, dass ich arbeite.

Stolz bin ich aber eher auf Dinge, die schwieriger zu erreichen sind. Gerade arbeiten wir zu dritt an einem Buch über „People Analytics“. Dabei geht es darum, Entscheidungen in Unternehmen in Zukunft durch Datenanalysen zu untermauern. Und da es mir nicht leicht fällt, lange Texte zu formulieren und wir zudem permanent zwischen Texten in Englisch und Deutsch hin und her springen, erfordert diese Arbeit ein hohes Maß an Konzentration. Ist diese sehr anstrengende und herausfordernde Arbeit erledigt, werden wir alle drei sehr stolz sein, wenn wir das gedruckte Buch in unseren Händen halten.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Krügl: Kurze Phasen intensiven Nachdenkens sparen oft sehr viel Arbeit.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Krügl: Seid selbstbewusst und verfolgt Euren Traum. Ihr verbringt in Eurem Leben so viel Zeit im Beruf, dass Ihr Euch auf keinen Fall mit einer Aufgabe zufrieden geben solltet, die Euch nicht ausfüllt.

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