Gesundheitsschädliche Vier-Tage-Woche?

Zehn Stunden am Tag an vier Tagen in der Woche arbeiten? Das schadet Studien zufolge der Gesundheit.

Pixabay / WDnet

Zehn Stunden am Tag an vier Tagen in der Woche arbeiten? Das schadet Studien zufolge der Gesundheit.

Immer mehr Menschen wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr Work-Life-Balance. Doch die Vier-Tage-Woche schadet angeblich der Gesundheit. Kaum zu glauben? Die Erklärung ist wenig überraschend.

Das berichtet das Magazin Quartz. Nicht nur die jüngeren Beschäftigten (Generation Y) wollen mehr Zeit für ihr Privatleben, auch die mittlere und ältere Generation wünscht sich flexiblere Arbeitszeitmodelle. Kein Wunder, dass erste – vor allem große – Unternehmen darauf reagieren und mit der Vier-Tage-Woche experimentieren. Dazu gehören etwa Google, Deloitte und Amazon, berichtet das Magazin. Doch plötzlich wird Kritik daran laut.

Die komprimierte Arbeitswoche schaffe mehr Probleme als Nutzen, heißt es. Vor allem schade sie der Gesundheit der Beschäftigten. Das Risiko, eine Herzerkrankung zu bekommen, steige um ein Vielfaches an. Auch das Krebsrisiko und die Wahrscheinlichkeit an Diabetes und Arthritis zu erkranken verdopple sich.

Wie bitte? Wie kann eine Arbeitszeitverkürzung denn der Gesundheit schaden? Die Erklärung ist einfach: Weil die Arbeitsstunden dabei nicht verkürzt werden. Statt etwa acht Stunden am Tag müssen die Beschäftigten zehn Stunden am Tag arbeiten. Und in den zu Grunde liegenden Studien geht sogar noch mehr: Bis zu 14 Stunden am Tag. Bei dieser Arbeitslast erstaunt es nicht, dass drei Tage dennoch nicht ausreichend sind, um sich zu erholen. Zumal in vielen Versuchen die vier Tage Arbeit auch nicht durchgängig, sondern gestückelt werden.

Warum müssen es eigentlich 40 Stunden in der Woche sein?

Schon ein Arbeitstag von acht Stunden ist lang und geht zu Lasten der Gesundheit. Hätten Sie etwa gewusst, dass es für unsere Konzentrationsfähigkeit einen 90-Minuten-Rhythmus gibt? Das ist in etwa die maximale Dauer, die man im Durchschnitt am Schreibtisch verbringen kann, ohne seine Tätigkeit zu unterbrechen. Die Konzentration beginnt allerdings schon nach etwa 20 Minuten erstmals nachzulassen. Studien zeigen auch, dass die Fehler- und Unfallquote nach der 8. Arbeitsstunde drastisch zunimmt. Ein Zehn- oder Zwölf-Stunden-Tag ist daher tatsächlich nicht sinnvoll.

Aber wer hat eigentlich festgelegt, dass ein “voller” Arbeitstag sieben oder acht Stunden lang sein muss, dass die “Normalarbeitszeit” 40 Stunden in der Woche umfasst und dass das Gehalt immer so ausfällt, dass es meist nur so zum Leben ausreicht oder ein kleines Auskommen bietet? Nicht nur im Interesse einer besseren Vereinbarkeit und für mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist es daher erstrebenswert, über die generelle 32-Stunden-Woche als Normalarbeitszeit für eine Vollzeitstelle nachzudenken. In unserem Nachbarland Frankreich gilt übrigens in vielen Branchen und dem Öffentlichen Dienst die 35-Stunden-Woche.

Schreiben Sie uns einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Passend zum Thema