Führungsfrauen werden häufig stark beim Gehalt benachteiligt

Bis zu 30 Prozent weniger Vergütung erhalten Frauen auf Vorstandsposten in börsennotierten Konzernen.

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Bis zu 30 Prozent weniger Vergütung erhalten Frauen auf Vorstandsposten in börsennotierten Konzernen.

Die Gehaltslücke in Chefetagen ist noch größer als gedacht. Das zeigt eine neue Studie der Boston Consulting Group. Demnach bekommen Frauen selbst in zentralen Vorstands- und Aufsichtsratspositionen deutlich weniger Geld als Männer.

In deutschen Führungsetagen klafft nach wie vor eine erhebliche Lücke zwischen den Gehältern von Männern und Frauen. So verdienen Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten im Durchschnitt 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In den Aufsichtsräten sind es etwa 20 Prozent weniger, in den Vorständen sogar 30 Porzent. Das zeigt die Studie Diversity Champions: BCG Gender Diversity Index 2017 der Beratung The Boston Consulting Group (BCG) und die Tech­nische Universität München.

Allerdings könne ein Teil der Unterschiede erklärt werden, heißt es in der Untersuchung. Denn Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen haben seltener als Männer eine zentrale Positionen mit Geschäftsverantwortung inne – diese Topjobs sind aber besonders gut bezahlt. Frauen verantworten in den Spitzenpositionern häufiger Bereiche ohne direkten Bezug zum Kerngeschäft, etwa Ressorts wie Personal, Compliance oder Recht. Diese Positionen werden im Schnitt geringer vergütet als solche mit hohem Ein­fluss und direkter Verantwortung für das Kerngeschäft – wie etwa der Vorstands­vorsitz (CEO) oder der Finanzvorstand (CFO).

Deutschland auch im internationalen Vergleich weit zurück

Für die Studie wurde  das Spitzenmanagement der 100 größten börsennotier­ten Unternehmen Deutschlands im Hinblick auf Geschlechterparität und Vergü­tungspraxis untersucht.

Demnach werden mittlerweile 17 Prozent der Posten in Vorständen und Aufsichtsräten deutscher Konzerne werden von Frauen besetzt. Das ist zwar zu den Vorjahren eine Verbesserung, im europäischen Vergleich allerdings beträgt die Zahl immerhin schon 25 Prozent. Weltweit betrachtet liegt der Frauenanteil im Topmanagement (Vorstand
und Aufsichtsrat) im Schnitt bei 18 Prozent.

In Deutschland sind Frauen vor allem durch die Quote zuletzt stärker in die Kontrollgremien aufgerückt – der Anteil weiblicher Aufsichtsräte liegt bei knapp 30 Prozent. Auf C-Level-Ebene, sprich: in den Vorständen sind Frauen aber nach wie vor kaum vertreten. Nur 6,3 Prozent der Vorstände sind weiblich. In 68 der 100 untersuchten Unternehmen
gibt es kein einziges weibliches Vorstandsmitglied.

Frauen im Einzelfall sogar extrem benachteiligt

Unterdessen hat ein einmaliges Experiment der Werbeagenur von Jung von Matt/SAGA und der Organisation TERRE DES FEMMES bewiesen, dass der Gender Pay Gap in Einzelfällen sogar noch viel größer sein kann. Als erste Organisation weltweit schickte TERRE DES FEMMES drei Transgender zweimal zu einem Bewerbungsgespräch: einmal als Frau und einmal als Mann. Für die „zwei“ KandidatInnen wurden fast identische Lebensläufe entwickelt, so dass beide dieselben Qualifikationen und Erfahrungen vorzuweisen haben. Die Interviews wurden mit versteckten Kameras gefilmt und zeigen, wie stark Frauen anders als Männer behandelt werden – besonders wenn es um ihren Gehaltsscheck geht. In dem Versuch wurde einer Person als Frau 33 Prozent weniger Gehalt angeboten als in ihrem Vorstellungsgespräch als Mann.

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