Frauen treten weltweit in den Streik

Zum Weltfrauentag treten in vielen Ländern auf der Welt Frauen in den Streik.

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Zum Weltfrauentag treten in vielen Ländern auf der Welt Frauen in den Streik.

Am 8. März ist Weltfrauentag. In vielen Ländern werden Frauen diesmal streiken. Ob Hausarbeit, Familie oder Job – sie gehen lieber demonstrieren. Was es damit auf sich hat.

Schon seit Wochen mobilisieren sich Aktivistinnen nicht nur in den USA unter dem Hashtag #daywithoutawoman weltweit für den Internationalen Frauentag am 8. März. Sie wollen nicht nur gegen US-Präsident Donald Trump protestieren sondern auf die immer noch starke Ungleichheit zwischen Männern und Frauen überall auf der Welt aufmerksam machen.

Aber was hat es mit dem internationalen Frauenstreik auf sich? Das Magazin Vox.com hat einen umfassenden Überblick zusammengestellt. Zwar wurde der Weltfrauentag auch in den USA jedes Jahr mit vielen Aktionen überall im Land und vor allem in den Großstädten an der Ost- und Westküste begangen, aber in diesem Jahr wollen die Frauen ein radikales Zeichen setzen – gegen einen Sexisten als Präsidenten und eine Politik, die zunehmend die Frauenpolitik aus den Augen verliert und Menschenrechte mit Füßen tritt. Die Idee ist nicht ganz neu, wurde aber lange nicht mehr durchgeführt: Tausende Amerikanerinnen wollen in den Frauenstreik treten. Und nicht nur hier – in mehr als 30 Ländern weltweit wollen Frauen streiken, etwa in Polen oder Argentinien. Nicht geringeres als ein welweiter Frauenstreik,  “International Women’s Strike”, ist geplant. Mit dem Aufruf, die Arbeit niederzulegen, werden die Ernsthaftigkeit der jüngsten Proteste sowie alte und neue feministische Forderungen unterstrichen. Die Idee: Die Frauen bleiben der Arbeit fern, sie verweigern die unbezahlte Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit und setzen damit ein sichtbares Zeichen für ihren Anteil am Funktionieren der Welt.

Vom Marsch der Frauen zum weltweiten Streik

Die Frauenbewegung in den USA hat seit der Wahl von Trump zum Präsidenten wieder Aufwind bekommen. Mit dem Women’s March am 21. Januar wurden immerhin fünf Millionen Frauen mobilisiert, ein deutliches Zeichen zu setzen. Alleine eine Million Aktvivistinnen kamen in Washington D.C. zusammen und protestierten für Gleichberechtigung, Menschenrechte und gegen Rassismus. Doch bei einem einmaligen Event sollte es nicht bleiben. Die Idee der Graswurzelakvistinnen ist umfassender: Frauen auf der ganzen Welt müssen wieder stärker für ihre Rechte eintreten und ihre Stimme erheben – für gleiche Rechte und gleiche Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen, gegen Gewalt und für Menschenrechte. Und sie wollen aufmerksam darauf machen, dass es um die Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit zuletzt wieder schlechter bestellt ist. Deshalb sind Frauen überall auf der Welt dazu aufgerufen, in den Streik zu treten.

Es gibt nur drei Regeln.

  1. Lasst die Arbeit liegen – egal, ob bezahlt oder unbezahlt. Geht protestieren und beteiligt Euch an Aktionen, sofern möglich.
  2. Geht nicht shoppen, beteiligt Euch nicht am Kapitalismus und unterstützt nicht eine frauenfeindliche Modebranche. Einzige Ausnahme: kleine und von Frauen oder Minderheiten nachhaltig geführte Geschäfte sollen an diesem Tag einen ordentlichen Umsatz machen.
  3. Tragt rote Kleidung als Zeichen der Solidarität. (Die Farbe Rot ist seit jeher eine Signalfarbe der Frauenbewegung. So tragen Frauen am Equal Pay Day etwa als Zeichen der Solidarität eine rote Handtasche.)

Auch Männer sollen sich beteiligen

Auch Männer sind aufgerufen, sich an den Aktionen zu beteiligen – oder aber ihre Partnerinnen zu unterstützen. Etwa, in dem sie an diesem Tag die Hausarbeit machen und sich um die Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern. Und vielerorten haben Unternehmen und Arbeitgeber bereits erklärt, ihren Mitarbeiterinnen frei zu geben, damit sie zu Protestveranstaltungen gehen können. Ein Schulbezirk in North Carolina soll sogar offiziell allen Kindern schulfrei gegeben haben – schlicht, weil zu viele Lehrerinnen im Vorfeld erklärt hatten, sich an dem Frauenstreik zu beteiligen, berichtet Vox.com.

Aber wie sinnvoll ist ein Frauenstreik wirklich? Zum einen setzt er in der Erwerbsarbeit natürlich ein sichtbares Zeichen dafür, dass Frauen vielfach in der Arbeitswelt noch Benachteiligung erfahren. Sie haben es schwerer, in Spitzenpositionen zu kommen, erleben mitunter sexuelle Übergriffe und Sexismus, werden oft schlechter bezahlt als Männer. Aber was ist mit all den armen Frauen, deren Situation gerade in Entwicklungsländern besonders schwer ist. Viele Frauen können es sich gar nicht leisten, einen Tag in den Streik zu treten. Das wissen auch die Verfechterinnen der Idee. Ihr Aufruf daher: Gerade die wohlhabenden, gut abgesicherten Frauen in den Industrienationen sind gefragt und sollen ein Zeichen setzen.

Ein Streikgeld für alle Aktivistinnen?

Auch rechtlich gesehen ist die Sache mit dem weltweiten Generalstreik der Frauen natürlich nicht ganz unproblematisch. Deutschland kennt einen Generalstreik rechtlich etwa gar nicht – damit hierzulande ein Streik legal ist, muss er von einer Gewerkschaft getragen sein und stellt das letzte Mittel in einem Arbeitskampf dar. Ist ein Streik legal, dürfen denjenigen, die sich daran beteiligen, nicht benachteiligt werden. Die Gewerkschaften zahlen ihren Mitgliedern ein Streikgeld. Das wäre natürlich etwas – aber davon sind die deutschen Gewerkschaften, auch wenn sie den Internationalen Frauentag mit vielfachen Aktionen unterstützen, weit entfernt. Wer als Frau also in Deutschland streiken möchte, muss sich entweder bezahlt oder unbezahlt frei nehmen. Bei einem wilden Streik – das wäre beispielsweise der Fall, wenn viele Mitarbeiterinnen eines Unternehmens beschließen, gemeinsam einfach der Arbeit fern zu bleiben – tragen die Streikenden auch das volle rechtliche Risiko selbst. Vorsicht daher, denn im worst case droht eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung.

Besser ist es, sich einfach einen Tag Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubummeln. Gerade Frauen leisten den Großteil der unbezahlten Überstunden, für die ein Recht auf Freizeitausgleich besteht. Und sich dann an einer der bundesweiten vielen Aktionen zum Weltfrauentag beteiligen. Davon gibt es sehr viele.

Neues Bündnis in Deutschland

Und auch hier hat sich ein neues Bündnis gegründet, das die vielen Frauenverbände, -initiativen, -vereine und Graswurzelaktionen besser vernetzen sollen. Auf der Website Feministisches Netzwerk können Frauen Aktionen anmelden, Veranstaltungen finden oder sich einfach als Unterstützerin der Idee eintragen. Inspiriert ist das Feministische Netzwerk von den Frauenprotesten in Polen #czarnyprotest und Women’s March in den USA . Das Ziel auch hier: Für Frauen- und Menschenrechte, Toleranz, gegen Rassismus und für Gleichberechtigung kämpfen. Es gibt noch jede Menge zu tun – packen wir es also an. Denn den mutigen Frauen gehört bekanntlich die Welt.

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