Das sind die am schlechtesten bezahlten Berufe für Akademikerinnen

Schön und reich? Nicht mit einem Einstiegsgehalt von 30.000 Euro Jahresbrutto.

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Schön und reich? Nicht mit einem Einstiegsgehalt von 30.000 Euro Jahresbrutto.

Kulturmanagerin, Texterin, Sozialarbeiterin, Redakteurin, Grafikerin – die Top Ten der am schlechtesten bezahlten Berufe sind vor allem bei Frauen beliebt. Ein Zufall?

Wer ein Studium abschließt, hat zwar statistisch gesehen bessere Chancen, eine Dauer-Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Aber eine Garantie für ein hohes Einkommen ist ein Hochschulstudium heute auch nicht mehr. Das berichtet Spiegel Online über eine Auswertung der Datenbank von Gehalt.de.

Ein Einstiegsgehalt von 30.000 Euro Jahresbrutto ist demnach offenbar in vielen Berufen zur Normalität geworden. Was man dabei auch nicht vergessen darf: Bei den Einsteigern ist so gut wie jeder Arbeitsvertrag nur befristet. Und mehr noch: Durch die fehlende Tarifbindung in immer mehr Branchen – nur noch jede Zweite und jeder Zweite arbeite heute unter tariflichen Bedingungen – stagniert in vielen Berufen das Lohnniveau und nimmt nicht den Verlauf wie es Tarifverträge vorsehen. Meist liegt das vor allem daran, weil es kein 13. Monatsgehalt gibt. Also: Kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Und oft zahlen Arbeitgeber auch keine weiteren Sozialleistungen wie etwa eine Betriebsrente oder vermögenswirksame Leistungen.

Wenn das 13. Monatsgehalt fehlt, wirkt sich das

Das heißt: Wer mit 30.000 Euro einsteigt, kann damit rechnen, es mit einigen Jahren Berufserfahrung vielleicht auf 40.000 Euro zu bringen – aber Gehälter von über 50.000 oder 60.000 Euro bleiben für die meisten der Generation Y ein Traum.

Zumindest, wenn man als RezeptionistIn (27.639 Euro), als PhysiotherapeutIn (31.844 Euro), als KulturmanagerIn (32.293 Euro), als TexterIn (32.672 Euro), als ArchitektIn (33.226 Euro), als GrafikerIn oder RedakteurIn (etwa 33.500 Euro) oder als SozialarbeiterIn (34.387 Euro) einsteigt.

Viele dieser Berufe werden besonders stark von Frauen angewählt. Das wäre ein Indiz dafür, dass mit dem steigenden Frauenanteil in einem Beruf das Gehalt sinkt (“Feminisierung eines Berufsstands”). Eine These, die Berufssoziologinnen und Berufssoziologen schon vor Jahren diskutiert haben. Hier wird als Beispiel oft der Beruf der Sekretärin genannt: Früher ein Männerberuf mit hohen Ansehen, später ein schlecht bezahlter Frauenberuf. Tatsächlich zeigt sich dieser Zusammenhang sehr oft. Ergreifen mehr Frauen ein Berufsbild, sinkt das Durchschnittseinkommen. Nicht aber, weil die Frauen die Bezahlung herabsenken – sondern weil Frauen schlechter bezahlt werden als Männer.

Ein Missstand, der mit einem Fair-Pay-Gesetz behoben werden könnte. Hier kann man übrigens eine entsprechende Petition mitzeichnen!

Ein Kommentar

  1. Ein zusätzliches Handicap ist es, wenn die Eltern keine Akademiker sind. Denn dann bekommt man erst gar keinen Job, trotz Studium und Magister und Publikation! Einer flüsterte mir mal zu, dass ich ohne akademische Rollenbilder aufgewachsen wäre und somit nicht für den Beruf “wissenschaftliche Mitarbeiterin” geeignet sei. Ich habe jahrelang freiberuflich gearbeitet u.a. für den Philosophen Peter Sloterdijk. Den Wunsch nach einem Kind habe ich jahrelang aufgrund meiner unsicheren beruflichen Situation verschoben, bis ich mit 46 Jahren einen Säugling in Pflege nahm, für den das Jugendamt gezahlt hat. Nach der Trennung von meinem Partner, hat das Jugendamt sich dann wegen meiner finanziellen Unsicherheit für den Pflegevater entschieden, sodass das Kind seine Mutter verlor. Mein beruflicher Wiedereinstieg nach fünf Jahren Erziehungsarbeit bedeutete für mich Arbeit anzunehmen, für die ich kein Studium benötige. Ich lebe mit 5o Jahren von 1150€ netto!

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