Chefredakteurin in Teilzeit? Nicht bei “Grazia”

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Die bisherige Chefredakteurin des Magazins “Grazia” Claudia ten Hoevel möchte nach der Geburt ihres Kindes Teilzeit arbeiten. Der Verlag aber schickt sie aufs Abstellgleis. Sie soll künftig nur als “Herausgeberin und Brand Ambassador vermarktungsorientierte Termine” wahrnehmen.

Das berichtet der Branchendienst Kress und hat, nachdem sich das Magazin Edition F in einem kritischen Meinungsbeitrag zu der Personalie äußerte, eine Debatte zu der Frage gestartet, ob eine Führungsposition im Journalismus in Teilzeit möglich ist. Wir finden: Das Signal, das Gruner und Jahr mit seiner Entscheidung setzt, ist jedenfalls kein fortschrittliches. Warum sollte es nicht möglich sein, mit reduzierter Arbeitszeit die Redaktion eines Magazins zu führen? Nicola Wessinghage, Chefin der PR-Agentur Mann-beißt-Hund, führt in einem Gastbeitrag auf Kress.de aus, warum es ein Irrglaube ist, dass der Job als Chefredakteurin oder Chefredakteur angeblich nur in Vollzeit machbar sei. Auch wir finden: Jede Position ist grundsätlich auch mit reduzierter Arbeitszeit möglich. Aber das Management muss dies auch wollen.

Besonders für die Medienbranche gilt: Sie muss attraktiver werden, weiblicher, offener in der Systematik von Karrierwegen und Aufstiegskriterien. Noch immer gibt es viel zu wenig Führungsfrauen im Journalismus, den der verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher zu Recht als Bewusstseinsindustrie bezeichnete. Die wenigsten Medienhäuser haben überhaupt einen Frauenanteil von 30 Prozent in den Führungspositionen und noch immer sind viele Zeitungen, Zeitschriften, Sender und Onlinemedien komplett frauenfrei an der Spitze.

Aber gerade wenn in dieser Bewusstseinsindustrie Entscheiderinnen fehlen oder sobald sie Mütter werden aus ihren Führungspositionen herausgedrängt werden, dann stimmt etwas ganz gewaltig nicht mit der Chancengleichheit von Männern und Frauen im Journalismus. Und vielleicht sogar mit dem Journalismus insgesamt.

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