Zusammen sind wir stark

Wir leben in einer Zeit, in der es einfacher ist denn je, seiner weiblichen Stimme Gehör zu verschaffen.

Chelsi Peter_pexels

Wir leben in einer Zeit, in der es einfacher ist denn je, seiner weiblichen Stimme Gehör zu verschaffen.

Hinter jeder großen Frau steht eine andere große Frau. Erst ein gigantisches Netzwerk hat es den toughen Frauen möglich gemacht, etwas vollkommen Neues zu wagen und die Welt nach ihren Vorstellungen zu verändern.

„Kein Mensch ist eine Insel“, schrieb John Donne, niemand kann allein überleben, geschweige denn gedeihen. Und doch ist es genau das, was Frauen im Laufe der Geschichte versuchen mussten, zumindest im Vergleich zu Männern. Denn die waren schon immer verbunden. Sie kamen herum und begegneten anderen Menschen im öffentlichen, beruflichen und privaten Leben. Ihre Geschichten, Gedanken, Theorien, Leistungen, ihre Vorfahren, Idole, Lehrer, Inspirationen wurden stets wahrgenommen und allseits anerkannt.

Frauen hingegen haben sich üblicherweise in überschaubareren Spähren bewegt. Ihre Erlebnisse, Gedanken, Errungenschaften gingen viel seltener in die Annalen der Geschichte ein. Und so wurden wir – sachte, aber wirkungsvoll – von unseren Zeitgenossen und unseren Vorfahren isoliert.

Betty Friedans Identifizierung „des Problems ohne Namen“ ist symbolisch für etwas, das sich seit jeher in irgendeiner Form wiederholt. Sie beschrieb die unausgesprochene (und oft von Valium vernebelte) Verzweiflung der Ehefrauen, die alleine in ihrem gut ausgestatteten Haus sitzen und sich fragen, warum in ihnen so viel Unzufriedenheit und Verzweiflung in Hinblick auf das Leben ist, von dem ihnen gesagt worden war, es würde all ihre Bedürfnisse erfüllen.

Je vernetzter wir sind, desto mehr vernetzen wir uns uns selbst

In den 1970ern trafen sich Frauen zur „Bewusstwerdung“, wie man das damals nannte – um sich klar zu machen, was sie gemein hatten und wer ihre gemeinsamen Feinde waren. Die modernste Entsprechung und vielleicht noch wirkungsvoller ist Laura Bates’ Everyday Sexism Project. Es bot einen Raum – via Twitter –, in dem Frauen aufzeichnen konnten, wie sie belästigt, angegriffen oder auf eine von Abermillionen Arten behandelt worden waren, welche in ihnen ein Gefühl von Demütigung, Ängstlichkeit oder Zurücksetzung entstehen ließen.

Je vernetzter wir sind, desto mehr vernetzen wir uns uns selbst, in der Gegenwart und mit unserer kollektiven Vergangenheit, und desto weniger allein fühlen wir uns. Individuelle Erfahrung wird bestätigt und zu einem erkennbaren Teil eines erkennbaren Musters, das nicht ignoriert werden kann. Und wenn wir erst einmal alle voneinander Kenntnis genommen haben und uns des Ausmaßes an Unterstützung da draußen bewusst sind, dann bringen wir umso mehr Kraft zum Handeln auf.

Das Schöne ist, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der es einfacher ist denn je, seiner weiblichen Stimme Gehör zu verschaffen. Das Internet hat viele – sehr, sehr viele – Fehler, dennoch können wir es nutzen, um uns online und (wie Anti-Trump-Proteste, Black Lives Matter und unzählige andere Kampagnen zeigen) auch im wirklichen Leben zusammenzuschließen.

Künftige Generationen werden auf den Schultern von Riesinnen stehen

Geschichte wird nicht mehr nur von den Siegern geschrieben. Die Überlieferung ist nicht monolithisch oder in Stein gemeißelt. Weltweit bekannte und gefeierte Namen wie Malala Yousafzai, Beyoncé, Oprah Winfrey oder Michelle Obama lassen sich nicht mehr aus der Geschichte tilgen. Künftige Generationen werden auf den Schultern von Riesinnen stehen können, so wie es bei Männern immer schon war. Freuen wir uns darauf, diese glorreiche Aussicht zu verinnerlichen und uns auf den Weg zu machen.

Lucy Mangan in:


Powerfrauen

Was Beyoncé mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet
von Hodges, Kate
wbg Theiss (1. Auflage, Januar 2019)
26 Euro (D)
ISBN 978-3-8062-3878-5

 

 

 

Passend zum Thema