Wir stressen uns ins Burn-out

Fast zwei Drittel der Deutschen leidet unter Stress, zeigt eine neue Studie.

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Fast zwei Drittel der Deutschen leidet unter Stress, zeigt eine neue Studie.

60 Prozent der Deutschen sind einer Studie der Techniker Krankenkasse zufolge gestresst. Wegen dem Job, der Familie und zu hohen Ansprüchen an sich selbst.

Die Krankenkasse hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa eine repräsentative Befragung unter Erwachsenen in Deutschland durchführen lassen. Demnach fühlen sich 61 Prozent der Befragten zumindest zeitweise stark gestresst. Als Ursache nennt fast jeder Zweite (46 Prozent) die Anforderungen im Job. 43 Prozent sagen, sie hätten zu hohe Ansprüche an sich selbst und immerhin jeder Dritte findet, dass er oder sie zu viele Termine in der Freizeit habe. Nicht ganz ausgeschlossen werden kann, dass die Befragten sozial erwünschte Gründe angaben.

Vergleicht man das Ergebnis mit anderen Untersuchungen, stimmt nachdenklich, dass Frauen im Schnitt gestresster sind als Männer – klar, denn sie verrichten nach wie vor den Großteil der Familienarbeit. Und die meisten Mütter arbeiten in Teilzeit, wo Zeit meist viel zu knapp ist. Das führt am Ende zu dem Eindruck, einfach nie genug Zeit für einen Lebensbereich zu haben. Bekannt ist auch: Teilzeitbeschäftigte haben meist schlechtere Karriere- und Aufstiegschancen. Sie bekommen weniger Lob und Anerkennung. Aber alles das ist zentral für die Zufriedenheit im Job. Wer in Teilzeit hingegen vor sich hinschuftet, sich dann abhetzt, um für die Kinder und die Familie da zu sein und wem am Ende die Zeit und Kraft für sich selbst fehlt, der brennt aus.

Jeder Dritte klagt seit Jahren über permanenten Stress. Ebenso viele sagen, dass sie für die Arbeit eigentlich immer ansprechbar seien – oder implizit ansprechbar sein müssten. Und die Befragten sind gerade nicht alles Führungskräfte, deren Tätigkeit eine ständige Erreichbarkeit möglicherweise wirklich erforderlich macht.

Das Ergebnis entspricht dem viele weiterer Studien und Umfragen und Krankenreports. Demnach haben die psychischen Erkrankungen und die Anzahl der Menschen, die schon einmal eine Erschöpfungsdepression in den letzten zehn Jahren drastisch zugenommen. Laut Techniker Krankenkasse in den vergangenen 15 Jahren sogar um 90 Prozent.

Digitaler Wandel führt zu Stress

Das ist nicht zuletzt auch das Ergebnis vom Digitalen Wandel. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen selbständig sind und die Freiheit der Arbeitswelt nutzen, verschärft sich zugleich der gefühlte Stress. Denn oftmals ist die vermeintliche Freiheit in Wirklichkeit auch ein Hamsterrad.

Und nicht nur unter psychischer Belastung leiden viele der Befragten. Häufig gesellen sich auch körperliche Beschwerden dazu. Schlafstörungen, Verspannungen und damit verbunden später auch Muskel- und Skeletterkrankungen zählen dazu.

Es wird Zeit, dass vor allem Führungskräfte anfangen, ein anderes Modell vorzuleben – und dass Arbeits- und Gesundheitsschutz generell wieder wichtiger wird.

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