„Werdet nicht bessere Männer, sondern tolle Frauen!“

"Wege ohne Hürden gibt es nicht", ist Martina Nieswandt überzeugt.

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"Wege ohne Hürden gibt es nicht", ist Martina Nieswandt überzeugt.

Die Digitalisierung eröffnet Frauen viele Chancen. Seid daher offen und neugierig auf das, was kommt. Qualifiziert Euch, verharrt nicht im Alten sondern macht Euch auf den Weg. Bleibt Euch selbst treu und verlasst Euch auf Euren Instinkt, rät die Betriebswirtin Martina Nieswandt allen Frauen.

Dr. Martina Nieswandt ist Mitbegründerin und Beraterin der Denkwerkstatt für Manager, trägt den 1. Dan im Ju-Jutsu und hat mehrere Jahre Kursleiter/innen für Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse ausgebildet. Sie ist Referentin beim Masterstudiengang Master of Arts Projektmanagement. Im Rahmen ihrer Promotion an der Universität Surrey erforschte sie den Einfluss und die Rolle(n) des mittleren Managements auf kulturelle Veränderungsprozesse in Organisationen – und legte damit eine der ersten Forschungsarbeiten mit diesem Schwerpunkt vor.

 
die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Martina Nieswandt: Meine Arbeit gibt mir die Möglichkeit, wirksam zu sein. Das bezieht sich sowohl auf einzelne Personen als auch auf ganze Organisationen. Und wenn meine Arbeit dazu führt, dass Menschen nicht nur zufriedener arbeiten können, sondern dabei auch noch erfolgreicher sind als vorher, ist das für mich zutiefst befriedigend und motivierend.

die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Nieswandt: Ich habe im Laufe meines Lebens an verschiedenen Stellen Unterstützung erhalten. Meine Familie zum Beispiel hat mich mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet. Und noch heute sorgt sie dafür, dass ich nicht die Bodenhaftung verliere.

Während meiner Zeit als Angestellte hatte ich Vorgesetzte, die mich in die Verantwortung genommen haben. Sie haben mich nicht nur dabei unterstützt, mich und meinen Job zu verändern. Sie haben mir auch keine Steine in den Weg gelegt. Als ich meine „sichere“ Stelle als Angestellte aufgab, um in die Selbstständigkeit zu gehen, haben mich viele für verrückt erklärt. Meine Eltern und mein Mann haben mich aber nur gefragt, ob ich mir sicher und der Meinung bin, dass ich es schaffe – und haben mich dann bestärkt! Und mein Doktorvater in Großbritannien hat mich mit seinen kritischen und manchmal auch unbequemen Fragen zwar gelegentlich in den Wahnsinn, aber im Wesentlichen zur Bestleistung getrieben.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Nieswandt: Ich glaube, es gibt keinen Weg ohne Hürden. Als Reiterin weiß ich, dass man an der einen oder anderen Stelle auch einmal ein Hindernis reißt oder sogar in den Sand fällt. Es gilt dann, wieder aufzusteigen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Und auch meine aktive Zeit im Ju-Jutsu hat mich geprägt. Als Frau bin ich naturgemäß schwächer als die meisten Männer – und es ist auch gut, dass es Unterschiede gibt! Wenn ich aber das Selbstkonzept habe, dass ich schwach bin und nichts entgegensetzen kann, werde ich mich nicht erfolgreich behaupten oder gar verteidigen können. Im Ju-Jutsu gilt: Selbstverteidigung beginnt im Kopf, was die Primingforschung bestätigt. Der größte Fehler, den man also machen kann, ist äußeren Umständen die Schuld zu geben, wenn etwas nicht funktioniert – und dann aufzugeben.

Und natürlich gibt es Begrenzungen oder Rahmenbedingungen, die etwas unmöglich machen. Die Frage ist jedoch, wie gehe ich damit um? Jammere ich (Ich habe ja sowieso keine Chance = Opferhaltung) oder schaue ich, wie es doch geht oder was geht (aktive Haltung).

Durch meine Arbeit treffe ich häufig auf männliche Führungskräfte. Am Anfang machte ich dabei die „interessante“ Erfahrung, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, ob mich Führungskräfte erst als die Partnerin meines Mannes kennengelernt und dann die Beraterin erlebt haben. Auch wurde ich damals oft als „die Partnerin von“ und nicht als die Beraterin „Dr. Martina Nieswandt“ vorgestellt.

Für mich gilt daher umso mehr, durch Leistung zu überzeugen. Denn Frauen sollten heute nicht mehr als Anhängsel von jemanden wahrgenommen werden. Und weil ich feststellte, dass Kolleginnen, die entsprechende Qualifikationen hatten, schneller Akzeptanz entgegengebracht wurde, habe ich viel in meine Weiterqualifikation investiert und neben dem Beruf meinem MBA (an der FernUni Hagen in Kooperation mit University of Wales) und meinen DBA (Doctor of Business Administration an der University of Surrey) gemacht.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Nieswandt: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass ich mich sehr stark fokussieren kann, wenn ich mich für ein Ziel entschieden habe. Dann bleibe ich eisern und diszipliniert dran. Auch bin ich sehr belastbar. Es gelingt mir meist, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren und entscheidungsfähig zu bleiben. Warum ich darauf stolz bin? Diese Eigenschaften helfen mir, meine Arbeit gut zu machen – auch innerhalb der Familie die Bälle in der Luft zu halten und für meine Kinder, Enkel, Nichten und Neffen eine Unterstützung zu sein. Ich habe kürzlich herausgefunden, dass meine beiden (Stief-)Kinder mich „die Generalin“ nennen. Ich denke, das ist nicht der schlechteste Spitzname 🙂

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Nieswandt: Im Ju-Jutsu heißt es: „Wer kämpft, verliert vielleicht – wer gar nicht kämpft, der hat bereits verloren!“ Ein guter Rat!

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Nieswandt: Uns steht eine Zeit bevor, in der sich durch die Digitalisierung die Anforderungen an Mitarbeiter und Arbeitsplätze deutlich verändern werden. Die Forschung geht davon aus, dass 60 Prozent aller Arbeitsplätze verschwinden bzw. sich verändern werden. Das bedeutet für uns Frauen viele Chancen.

Nutzt diese und seid offen und neugierig auf das, was kommt. Qualifiziert Euch, verharrt nicht im Alten sondern macht Euch auf den Weg. Bleibt Euch selbst treu und verlasst Euch auf Euren Instinkt. Sucht Euch Unterstützer/innen und macht Dinge, die Euch Freude machen. Denn wenn wir etwas mit Freude machen, können wir Spitzenleistungen bringen. Entscheidet Euch für Euren Weg – aus den für Euch richtigen Gründen – und nicht, weil Ihr glaubt, dass es von Euch erwartet wird. Bleibt Euch treu und akzeptiert und respektiert, dass andere Frauen andere Entscheidungen treffen. Das ist in Ordnung. Werdet nicht bessere Männer, sondern tolle Frauen!

Ein Kommentar

  1. Super Artikel. Danke schön. Es sind großartige Aussagen getroffen worden.
    Es ist so wichtig, dass wir Frauen, das Beste aus unserem Leben machen und uns nicht aufhalten lassen. Immer schön Aufstehen, Krone richten und weitermachen.
    Viele Grüße
    Gaby

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