„Wer am Anfang seiner Karriere steht, sollte sich für nichts zu schade sein”

"Ich versuche, auch unbefriedigenden Situationen etwas Positives abzugewinnen", so Stefanie Bilen.

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"Ich versuche, auch unbefriedigenden Situationen etwas Positives abzugewinnen", so Stefanie Bilen.

Stefanie Bilen ist mit ihrer Ausbildung fertig, als der erste große Stellenabbau die Medienbranche erwischt. Statt zu verzagen, gewinnt sie der unbefriedigenden Situationen etwas Positives ab – mit Erfolg.

Die Wirtschaftsjournalistin Stefanie Bilen ist Geschäftsführende Redakteurin von SAAL ZWEI, einem Online-Business-Magazin für Frauen. Nach ihrem BWL-Studium und der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten startete Bilen ihre journalistische Laufbahn beim Handelsblatt. Sie lebte anderthalb Jahre in Montréal und London, war u.a. als Autorin für brand eins, Financial Times Deutschland, Die Zeit, Harvard Business Manager und Wall Street Journal tätig.

Anfang Oktober erscheint ihr erstes Buch Mut zu Kindern und Karriere, das im FAZ Buch-Verlag erscheint und vom Verband der Working Moms e.V. herausgegeben wird. Außerdem ist die Mutter zweiter Töchter als Moderatorin und Kolumnistin tätig.
die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Stefanie Bilen: Journalistisch zu arbeiten, ist meine Passion. Dabei auch unternehmerisch tätig sein zu können – Ideen zu verwirklichen, Themen zu setzen oder neue Formate zu erproben – bedient mein betriebswirtschaftliches Faible. Diese Konstellation ist manchmal anstrengend, aber auch höchst befriedigend.

In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.

die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Bilen: Oh ja, immer wieder. Ein früher Förderer war mein Chef während meiner kaufmännischen Ausbildung, die ich Jahre vor meinem Studium machte. Er hatte den Ausbildereignungsschein gemacht, weil ich nach einem Schülerpraktikum in seiner Kurverwaltung unbedingt dort eine Lehre machen wollte – und nicht locker ließ. Während der Ausbildung forderte er mich sehr und pushte mich zugleich. Ich lernte unglaublich viel. Und er half mir dabei, statt einer Au Pair-Stelle in Kalifornien eine tolle Trainee-Tätigkeit in Kanada zu finden.

Später traten andere Unterstützer an seine Stelle, die übrigens nicht immer im Jobumfeld angesiedelt waren. Es beflügelte mich, wenn meine Trainerin im Sport oder die Leiterin des Orchesters mir signalisierten, dass sie an mich glaubten.

Die wichtigste Rolle nehmen aber wahrscheinlich meine Eltern ein. Sie haben mir nie Möglichkeiten auf dem Silbertablett serviert, mich allerdings auch nie zu etwas gedrängt oder versucht, mich von etwas abzuhalten. Ihre Grundhaltung blieb immer dieselbe: „Du schaffst das schon.“ Diese Gelassenheit wünschte ich mir heute übrigens bei meinen eigenen Kindern. Gar nicht so leicht, wie ich feststellen muss.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Bilen: Klar gab es Hürden! Kaum hatte ich die Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten absolviert und eine Weile beim Handelsblatt gearbeitet, stand dort massiver Stellenabbau an. Meine befristete Stelle wurde nicht verlängert und ich bekam lediglich eine Pauschalistenstelle.

Allerdings versuche ich seit jeher, auch unbefriedigenden Situationen etwas Positives abzugewinnen. So arbeitete ich künftig von Hamburg statt von Düsseldorf aus, weil mein damaliger Freund im Norden wohnte. Und ich bewarb mich um ein Journalistenstipendium, mit dem ich ein paar Monate nach Asien gehen konnte und wahrscheinlich mehr erlebte und lernte, als in jeder sicheren Festanstellung.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Bilen: Auf genau diese Eigenschaft: Chancen und Risiken ausloten zu können und gangbare Wege zu finden, die mich weiterbringen. Die es mir ermöglichen, meine Komfortzone zu verlassen und positiv in die Zukunft zu blicken. Und in dieser schnelllebigen Medienwelt immer wieder meinen Platz zu finden, ohne zu resignieren oder dauerhaft müde zu werden.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Bilen: Es sind drei Ratschläge: 1. Trau dich, frag nicht ständig, mach es. 2. Egal in welcher Position und in welchem Alter: Bleib neugierig und offen. Hör nie auf zu lernen. 3. Mach Dinge mit Herzblut. Wenn das Herzblut fehlt, mach etwas anderes.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Bilen: Genau dasselbe. Kombiniert mit einem Rat, den ich selbst auch bekommen und stets versucht habe, zu beherzigen: Seid euch für nichts zu schade. Wer am Anfang seiner Laufbahn steht, sollte lernen, anzupacken. Und nicht mit dem Delegieren beginnen. Dabei lernt man nämlich nichts.

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