Wegen Lohnungleichheit: BBC-Redaktionsleiterin kündigt

Bis zu 50 Prozent Gehaltsdifferenz bei den Redaktionsleitern: Das war der BBC-Journalistin Carrie Gracie zu viel – sie kündigte.

Unsplash / J. Kelly Brito

Bis zu 50 Prozent Gehaltsdifferenz bei den Redaktionsleitern: Das war der BBC-Journalistin Carrie Gracie zu viel – sie kündigte.

Aus Protest gegen die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei der britischen BBC hat die Journalistin Carrie Gracie nun ihren Job gekündigt. Die BBC verliert damit eine wichtige Führungsfrau: Gracie war zuletzt BBC-Redaktionsleiterin in China.

Das berichtet der österreichische Standard. Carrie nach rund 30 Jahren bei der BBC gekündigt und begründet diesen Schritt in einem offenen Brief mit den teils eklatanten Lohndifferenzen zwischen Männern und Frauen beim Sender. So würden die beiden männlichen Chefkorrespondenten in den BBC-Auslandsbüros mindestens 50 Prozent mehr verdienen als ihre beiden weiblichen Kolleginnen.

Grund für ihren Rücktritt sei eine “Vertrauenskrise”, die im Sommer mit der Veröffentlichung der Gehälter der BBC-Führungsriege begonnen habe. Diese Veröffentlichung habe eine “unhaltbare” Lücke in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen gezeigt, die den gleichen Job machten. Das Vertrauen der Belegschaft sei zerstört. In den vergangenen Monaten hätten sich bis zu 200 Frauen bei der BBC über ungleiche Bezahlung beschwert.

Bereits im Juli hatte der Sender die Jahresgehälter der Topverdiener veröffentlicht – weil es auch in Großbritannien eine Art Entgelttransparenzgesetz gibt, wonach öffentliche Unternehmen einer Berichtspflicht unterliegen. Von den SpitzenverdienerInnen – gut 200 MitarbeiterInnen standen auf der Liste – sind nur ein Drittel Frauen, die ein Jahresgehalt von mehr als 150.000 Pfund  erhielten.

Die BBC reagierte auf Carries Kündigung und thematisierte sie in der Sendung Today. Eine Sprecherin teilte außerdem mit, gleiche Bezahlung sei dem Sender sehr wichtig. Es werde dazu auch bald einen neuen Bericht geben.

Die britische Journalistengewerkschaft kündigte an, sie sei “entschlossen”, die BBC zu Ausgleichszahlungen für betroffene Frauen zu zwingen. Mehr als 130 Journalistinnen bei der BBC erklärten sich mit Gracie solidarisch.

In Deutschland scheiterte eine ähnliche Klage

In Deutschland sorgte der Fall der ZDF-Journalistin Birte Meier vor einem Jahr für Aufsehen: Die Fernsehjournalistin hatte den Sender verklagt, weil sie als feste freie Redakteurin weniger verdiente als vergleichbare männliche Kollegen. Allerdings waren darunter auch festangestellte Redakteure. Nicht zuletzt deshalb scheiterte ihre Klage vor dem Berliner Arbeitsgericht.

Künftig haben Frauen zumindest in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten nach dem 2018 in Kraft getretenen Entgelttransparenzgesetz einen Auskunftsanspruch darüber, wo sie innerhalb der Lohnstruktur stehen. Eine höhere Bezahlung setzt das Gesetz zwar nicht durch – aber es zwingt Unternehmen, sich mit dem Thema faire Bezahlung stärker auseinanderzusetzen. In Island ist man dagegen schon weiter: Hier hat die Regierung ein Gesetz auf den Weg gebracht, wonach Männer und Frauen bei gleicher Tätigkeit auch gleich bezahlt werden müssen.

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