Was blockiert weibliche Führungskräfte auf dem Weg nach oben?

Frauen beeinflussen die Unternehmenskultur positiv, da sie zwar mit Kampfgeist an die Ziele herangehen, diesen jedoch mit hohem Durchhaltevermögen für die Sache einsetzen.

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Frauen beeinflussen die Unternehmenskultur positiv.

Die gläserne Decke ist da, dennoch gibt es mittlerweile deutlich bessere Chancen für Frauen, Karriere zu machen als noch vor fünf Jahren, so Linda Becker. Denn, ob Frauen in Unternehmen aufsteigen, hängt weniger von der Branche, sondern vielmehr von der Unternehmenskultur und ihrem eigenen Zutun ab.

Der Erfolg eines Unternehmens ist auch immer mit kulturellen Aspekten verknüpft. Denn die Unternehmenskultur ist gewissermaßen die DNA eines Unternehmens: seine Werte, seine Ziele, das, was Identifikation und Loyalität schafft. Dabei ist die Unternehmenskultur weder in Hochglanzprospekten und auf Firmenwebsites zu finden, noch wächst sie von heute auf morgen. Sie ist etwas, was man nicht greifen, aber spüren kann.

Eine positive Unternehmenskultur fördert die Kreativität der Mitarbeiter und gibt Raum, um eine Innovationskultur entstehen zu lassen. Sie sorgt für eine Feedbackkultur und bestimmt, wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter für Leistungen loben und diese anerkennen. Sie ist durch Transparenz und eine arbeitsintensive, aber positive Atmosphäre geprägt – und die ist Grundlage für die Umsetzung der Unternehmensstrategie.

Top-Entscheider müssen wollen und vorleben

Fehlt es in Unternehmen an einer positiven, transparenten Kultur, kann das zu hohen Krankenständen und einer hohen Fluktuation führen: Mitarbeiter kennen nicht den Weg wohin es gehen soll, fühlen sich nicht wohl und trauen sich nicht, ihre Meinung zu äußern. Die Folge sind ideenlose, festgefahrene Führungskräfte und Teams, die schwer gute Ergebnisse erzielen können und darauf bedacht sind, ihre Pfründe zu sichern. Eine weitere negative Folge: weniger Frauen steigen in Führungspositionen auf.

Wer ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in seiner Führungsmannschaft anstreben möchte, muss es zum Unternehmensziel machen. Dafür braucht es eine wirkliche Verhaltensänderung sowie eine Kultur, in der die gefassten Pläne auch tatsächlich umgesetzt werden. Standardisierte Maßnahmenpläne, initiiert von HR-Abteilungen, schaffen hier keine Abhilfe. Die Top-Entscheider selbst müssen diese Veränderung wollen und vorleben.

Die Unternehmenskultur blockiert oder fördert ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis

Und auch Frauen, die aufsteigen möchten, müssen es wollen. Sie müssen den Weg nach ganz oben, der eine große Verantwortung mitbringt, gern und bewusst bis zum Ende gehen wollen. Dieser Aspekt fehlt mir leider häufig in der Diskussion um Frauen in Führungspositionen. Denn neben den beruflichen Herausforderungen müssen sie sich der Zusatzaufgabe, die Kulturveränderung aktiv voranzutreiben, stellen.

Wir Frauen sind gefordert und sollten selbst das Role Model zeichnen, wie die weibliche Führungskraft in Toppositionen nicht als unliebsame Konkurrentin, sondern als wertvolle und wertbeitragende Kollegin wahrgenommen wird. Auf die nicht mehr verzichtet werden kann und die von allen gerne ganz vorne an der Unternehmensspitze gesehen wird. Erfolg hat in den heute stark umkämpften Märkten das Unternehmen, dass von der Spitze weg in Teams arbeitet und sich gegenseitig stützt.

Das ist unsere Stärke!

Frauen beeinflussen die Unternehmenskultur positiv, da sie zwar mit Kampfgeist an die Ziele herangehen, diesen jedoch mit hohem Durchhaltevermögen für die Sache einsetzen – und potentielle Konkurrenten sogar mit einbeziehen, so dass diese Teil des Erfolgs werden. So lösen sich Konkurrenzkämpfe von selbst – ohne kostspieligen Energieverlust. Damit erzeugen wir Offenheit für einen deutlichen Anstieg der weiblichen Top-Führungskräfte. Ich kenne mittlerweile zahlreiche Beispiele, so dass ich an eine ganz positive Entwicklung glaube. Wir sollten nur mehr darüber sprechen, damit sich diese Entwicklung insbesondere bei Bedenkenträgern noch beschleunigen kann.

Die Branche blockiert meiner Meinung nach weniger. Zwar gibt es Branchen wie die Dienstleistungsbranche, in der Frauen schon immer überrepräsentierter waren als beispielweise im produzierenden Gewerbe. Allerdings ist dort auch durch die sich rasant veränderten Produktionsbedingungen und der Digitalisierung in diesem Bereich bereits einiges in Bewegung. Ausschlaggebend ist auch hier, ob die Unternehmenskultur eine ausgeglichene Geschlechterverteilung in Führungspositionen fördert bzw. blockiert.

Die Zukunft gehört nicht den Unternehmen, die an alten Rollenbildern kleben, sondern denen, die sich den Besten öffnen – egal, ob männliche oder weibliche Führungskraft.

 

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Linda Becker, Mutter von drei Kindern, ist Geschäftsführende Gesellschafterin bei der internationalen Executive Search Beratung LAB & Company.

 

 

 

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