Was bedeutet der Brexit für die Wirtschaft?

Brexit: Die (knappe) Mehrheit der Briten hat für den EU-Austritt gestimmt.

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Brexit: Die (knappe) Mehrheit der Briten hat für den EU-Austritt gestimmt.

Die Briten haben dafür votiert, die EU zu verlassen. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht Europas verlässt die Staatengemeinschaft. Die Nachrichtenlage überschlägt sich. Was heißt der Brexit nun für Unternehmerinnen?

Schon am Tag nach dem Referendum ist der Kurs des britischen Pfunds um über zehn Prozent abgestürzt. Im Laufe des Tages sank der Kurs auf einen Tiefstand seit mindestens 40 Jahren. Das hat Vor- und Nachteile. Denn wenn das Pfund billig ist, sind auch die britischen Produkte billig. Aber gleichzeitig verteuert sich der Import. Diese Entwicklung kann zu einer höheren Inflation und auch einer geringen Kaufkraft führen.

Mit dem Kurs des Pfunds sanken auch die Kurse weltweit an den Börsen. Insgesamt soll der Crash rund fünf Billionen Dollar gekostet haben, berichtet Spiegel Online. “Dies entspreche dem Doppelten der gesamten Wirtschaftsleistung Großbritanniens und 17 Prozent der Wirtschaftsleistung der G7-Staaten im vergangenen Jahr”, zitiert die Nachrichtenseite den Aktienstrategen Christian Kahler von der DZ Bank. Man muss zudem davon ausgehen, dass sich Investoren aus Großbritannien zurückziehen. Zwar hat die britische Notenbank Vorsorge getroffen und zur Geldversorgung 250 Milliarden Pfund bereit gestellt, die notfalls für Liquidität sorgen sollen. Trotzdem ist mit Zinssenkungen zu rechnen.

Kommt eine Rezession?

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Experten eine große Rezession befürchten. Nicht nur die Bank of London, auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und die OECD gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum um bis zu sechs Prozent niedriger ausfallen wird. Das alles hätte auch Einfluss auf die Kreditwürdigkeit des Landes. Ratingagenturen könnten Großbritannien entsprechend abwerten.

Auch ist zu befürchten, dass die Arbeitslosigkeit in Großbritannien wieder steigen wird. Derzeit liegt sie bei nur fünf Prozent – allerdings auch, weil im Vereinten Königreich eine starke Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt stattgefunden hat und beispielsweise Abrufarbeitsverhältnisse mit Null-Stunden-Verträge üblich geworden sind. Menschen, die in so einem Beschäftigungsverhältnis stehen, werden aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik herausgerechnet, erwirtschaften oft aber nicht mal das Existenzminimum mit solchen Jobs.

Eine tiefe Wirtschaftskrise hätte auch Auswirkungen auf das Lohnniveau auf der Insel, wie der IWF schätzt. Fatal dürften die Auswirkungen des EU-Austritts auch für den Handel insgesamt sein. Alles hängt natürlich an den Bedingungen, zu denen der Austritt erfolgt. Hier geht es um die wichtige Frage, ob Großbritannien seinen Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert.  Und nicht nur hier: Auch mit den USA müsste das Land ein bilaterales Handelsabkommen abschließen. Und das kann dauern.

Auswirkungen auf deutsche Unternehmen

Eine wichtige Frage für Unternehmerinnen hierzulande ist sicherlich, welche Auswirkungen der Brexit auf Deutschland hat? Immerhin ist das Vereinte Königreich der drittgrößte Exportmarkt für die deutsche Wirtschaft. Langfristig könnte das auch indirekt Arbeitsplätze von exportierenden Unternehmen hierzulande gefährden. Für den Deutschem Industrie- und Handelskammertag ist klar, dass sich die Unternehmen beim Handel mit Großbritannien auf erhebliche Veränderungen einstellen müssen. Möglicherweise werden in Zukunft wieder Zölle auf Waren fällig. Und durch den Kursverfall kommen auf Unternehmen, die eng mit Großbritannien verflochten sind, Verluste zu.

Und was ist mit Expats, die in Großbritannien arbeiten – oder britischen Expats, die in Deutschland tätig sind? Klar ist: Mit dem Austritt aus der EU gelten auch die Regeln für die Arbeitnehmer-Freizügigkeit nicht mehr. Das betrifft auch Arbeitnehmervertretungen. Die IG Metall erwartet nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU massive Probleme im europäischen Industrieverbund. “Wir werden weiter mit unseren britischen Kollegen in den über 320 europäischen Betriebsräten daran arbeiten, dass die britischen Standorte Perspektiven haben”, sagt IG-Metall-Chef Jörg Hoffmann in einer Presseerklärung. Wie sich all diese Fragen ausgestalten werden, hängt nun von den Austrittsverhandlungen ab. Klar indes ist aber: Es ist ein bitterer Tag für Europa.

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