„Traut euch was!“

"Was für mich am meisten zählt: Dass ich jeden Tag aufstehen und zufrieden sein kann. Denn ich liebe meine Arbeit!", so Lena Schaumann.

Lumizil

"Was für mich am meisten zählt: Dass ich jeden Tag aufstehen und zufrieden sein kann. Denn ich liebe meine Arbeit!", so Lena Schaumann.

Um Neues auszuprobieren, tanzt Lena Schaumann auch schon mal aus der Reihe. Widerstände schrecken sie dabei nicht ab, ganz im Gegenteil. Eigenschaften, die ihr bei der Gründung von Lumizil nützlich waren.

Lena Schaumann entstammt einer Unternehmerfamilie, die in dritter Generation ein Möbelhaus in Kassel betreibt. Als die 26-Jährige nach der Uni durchstartet, entscheidet sie sich gegen das Familienunternehmen und für die Selbstständigkeit – und gründet 2015 in Berlin Lumizil, ein Onlineshop für Lampen.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Lena Schaumann: Licht war für mich bereits als Kind ein wichtiges Thema, ohne konnte ich nicht einschlafen. Deshalb gab es immer ein kleines Nachtlicht an meinem Bett. Licht bedeutete für mich schon immer Sicherheit und Geborgenheit zugleich.

Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und habe in verschiedensten Praktika festgestellt, dass ich nicht dafür geboren bin, ‘nur’ ein Teil im Unternehmen zu sein, oder gar ein kleines Rädchen im riesigen Unternehmensgetriebe.

Ich möchte mitgestalten, brauche Dynamik und will vor allem selbst für den Erfolg verantwortlich sein sowie selbst entscheiden können, ohne in irgendeiner Form abhängig zu sein.

Anfangs wollte ich nie in das Unternehmen meines Vaters. Dann hab ich ein halbes Jahr nach der Uni reingeschnuppert und mich letztlich doch in die Möbelwelt verliebt. Meine Bachelorarbeit, in der ich über Multi-Channel im Möbelhandel geschrieben habe, hat ihr Übriges dazu beigetragen, dass ich nur noch eins wollte: Online in der Möbelbranche mitmischen. Diese Entscheidung habe ich bisher nie bereut.


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die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Schaumann: Ja! Vor allem von meiner Familie, die ja selbst seit bereits drei Generationen ein Unternehmen führt. Mein Vater und Großvater sind stolz und glücklich, dass es auch in der nächsten Generation weiter geht mit Möbeln. Auch viele Freunde unserer Familie, welche selbst in der Branche tätig sind, stehen mir immer wieder mit ihrem Wissen und Ratschlägen zur Seite. Ein guter Zeitpunkt um mal DANKE zu sagen!

Auch die Universität war für mich richtungsweisend. Ich habe an der WHU studiert, wo Gründen groß geschrieben wird. Es gab viele Vorlesungen und Vorträge mit inspirierenden Persönlichkeiten – die habe ich quasi verschlungen. Und auch ein großer Teil meiner Kommilitonen sind in die Selbstständigkeit gegangen. So können wir uns regelmäßig austauschen, was auch sehr hilft.

die Chefin: Gab es auf Ihrem Weg Hürden?

Schaumann: Technische Probleme verzögerten unseren Launch. Am Ende konnten wir das nicht ändern und sagten uns, eine Woche mehr heißt auch eine Woche besser. Um die Kosten etwas aufzufangen, verkauften wir am Anfang auch schon mal bei Amazon unsere Produkte.

Für mich persönlich gab es aber noch mehr Problemfelder. Immer wieder packten mich Zweifel, ob ich das alleine schaffe. Die Angst, kein gutes Team zu finden war eigentlich mein ständiger Begleiter – so lange, bis es das Team dann gab und ich sah, wie unbegründet diese Sorge war.

Generell kann ich aber sagen, dass man jeden Tag an seine Grenzen stößt – vor allem in der Anfangszeit. Personalführung zum Beispiel ist etwas, dass man meiner Meinung nach an keiner Uni wirklich praxiserprobt lernt und auch nicht lernen kann. Da hilft nur ‘learning by doing in real Life’. Und da man nur so stark ist wie der Schwächste im Team, ist es ein ordentliches Stück Arbeit hier gut zu werden und sich permanent zu verbessern.

Dann gab es natürlich Leute, die gesagt haben, „das gibt’s doch schon, das ist nichts Neues. Warum machst du das?“ Meine Antwort ist dann immer: Weil wir es besser machen als die anderen und weil es genau mein Ding ist!

Was für mich am meisten zählt: Dass ich jeden Tag aufstehen und zufrieden sein kann. Denn ich liebe meine Arbeit!

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Schaumann: Darauf, dass ich kein Problem damit habe, auch mal ‘aus der Reihe zu tanzen’, um Neues auszuprobieren bzw. etwas zu wagen. Meine Freunde bewundern zudem mein Durchhaltevermögen. Auch bin ich davon überzeugt, dass ich mich gegen viele Widerstände durchsetzen kann.

Als wir unseren Launch aus technischen Gründen verschieben mussten, ging mir das im ersten Moment an die Nerven. Statt zu resignieren und den Kopf in den Sand zu stecken, habe ich die Situation erst mal so für mich angenommen. Ich habe dann die Zeit produktiv in die Pre-Launch-Seite gesteckt, was im Nachhinein die beste Entscheidung war.

Für mich als Frau in der eher männlich dominierten Gründerszene ist außerdem wichtig, ernst genommen zu werden. Das bekomme ich ganz gut hin. Auch, wenn der erste Eindruck oft „klein, blond, Frau – mal sehen was die kann” ist.

Aktuell bin ich wahrscheinlich das jüngste Mitglied der Möbelbranche. Da muss man es erst mal schaffen, ernst genommen zu werden. Vor allem von der Industrie und den ganzen Alt-Eingesessenen.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Schaumann: Unser Investor gab mir mit auf den Weg: „Ein ‘Nein’ hast du schon, ein ‘Ja’ kannst du dir jetzt besorgen.“ Was er damit sagen will ist wohl, das Fragen nie etwas kostet und wer nicht wagt der nicht gewinnt. Wer sich ein Herz fasst, aus seiner Komfortzone herauskommt und etwas wagt, hat die Chance, letztendlich ein ‘Ja’ zu ergattern.

Der zweite gute Ratschlag kam von meinem Vater, der immer sagt: „Anfangen hilft“. Wenn ich mir zu sehr den Kopf zerbrochen habe über das ‘Wie’ und ‘Warum’, hat er mir das immer gesagt. Er meinte es ergeben sich sowieso noch 1.000 Dinge auf dem Weg, wieso also jetzt schon aufgeben, weil in fünf Kilometern ein Hindernis kommen könnte? Bis wir da sind, sind wir schlauer, haben Dinge gelernt und finden dann schon eine Lösung.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Schaumann: Sich jede Entscheidung sorgfältig zu überlegen und lieber nochmal eine Nacht über eine wichtige Entscheidung zu schlafen, bevor man sie trifft. Dasselbe gilt auch für Angebote. Lieber eines mehr machen lassen, egal wofür. Nicht zuletzt ist es natürlich auch wichtig, dass man hinter den Dingen steht, die man macht. Und tatsächlich kann ich die beiden Ratschläge die ich bekommen habe nur so weitergeben: Traut euch was, ein Nein habt ihr schon. Und anfangen hilft, ihr bereut nur das was ihr nicht getan habt!

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