“Ein Netzwerk, um Großartiges zu schaffen”

Ein neues Frauennetzwerk hat sich in Köln gegründet.

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Ein neues Frauennetzwerk hat sich in Köln gegründet.

And She Was Like: BÄM! ist bei diesen Frauen Programm: Frauen aus Kunst, Kultur und Medien haben sich in Köln zu einem neuen Bündnis zusammengeschlossen. Ihr Ziel: sich gegenseitig stärker machen und dadurch die Welt verändern.

And She Was Like: BÄM! ist bei diesen Frauen Programm: Frauen aus Kunst, Kultur und Medien haben sich in Köln zu einem neuen Bündnis zusammengeschlossen. Ihr Ziel: sich gegenseitig stärker machen und dadurch die Welt verändern.

Sie stehen mit beiden Beinen im Leben und wollen vor allem eins: gleichberechtigte Teilhabe an dieser Welt. Doch im Job wie auch im sonstigen Leben stießen die Designerinnnerin Lisa Pommerenke und Yvonne Rundio und die beiden Kunstwissenschaftlerinnen Leonie Pfennig und Luise Pilz irgendwann auf Hürden, die Männer offenbar nicht haben. Geschlechterklischees und unterbewusste durch Geschlechtsstereotype verursachte Ängste und Grenzen. Im gemeinsamen Austausch fanden sie Bestärkung – und luden auch andere Frauen ein, ihnen zu folgen und sich durch Empowerment das Stück von der Welt zu holen, das ihnen gehört. Jetzt haben die vier Frauen das Netzwerk And She Was Like: BÄM! gegründet – ein undogmatischer Zusammenschluss von Frauen allen Alters, die Feminismus wichtig finden und die Spaß am realen Treffen und Netzwerken haben. Wir haben im Skype-Interview mit den Gründerinnen gesprochen.

Die Chefin: Was ist And She Was Like: BÄM! und wer steckt dahinter?

Antwort: And She Was Like: BÄM! ist eine Initiative junger Frauen aus Kunst und Design im Rheinland, die sich aktiv an den Prozessen der Gleichstellung in Beruf und Gesellschaft beteiligt. Unsere Motivation ist es, die gegenseitige Unterstützung unter jungen Frauen zu stärken. Wir möchten den gegenseitigen, generationenübergreifenden Austausch fördern, der zur persönlichen Weiterentwicklung junger Frauen beiträgt. Durch Austausch und Vernetzung wollen wir die diversen Fähigkeiten junger Frauen sichtbar machen, fördern, ihnen Rückhalt geben und dadurch die Möglichkeit bieten, Großartiges zu schaffen.

And She Was Like: BÄM! sind: Lisa Pommerenke (Designerin), Yvonne Rundio (Designerin und Bloggerin), Leonie Pfennig (Kunstwissenschaftlerin und Autorin), Luise Pilz (Kunstwissenschaftlerin und Lektorin) und Lisa Long (Kunst- und Musikwissenschaftlerin).

Die Chefin: Wie kam es zu der Idee, ein Netzwerk zu gründen?

Antwort: And She Was Like: BÄM! entstand ursprünglich aus zwei verschiedenen Initiativen, ganz nach dem Motto “zwei Dumme, ein Gedanke”. Lisa, Yvonne und Lisa Long hatten sich bereits seit längerer Zeit mit dem Geschlechterverhältnis im Bereich Design beschäftigt. Ein Thema, was vor allem in den letzten Jahren des Studiums an Bedeutung gewann. Leonie und Luise hatten ähnliche Erfahrungen im Bereich bildende Kunst gemacht. Im Grunde stand wir alle immer wieder vor einer ähnlichen Fragestellung: Wie kann ich mich, sowie Frauen aus meinem direkten Umfeld sicher und vor allem selbstbewusst im beruflichen wie privaten Umfeld sichtbar machen? Wie definiere und lebe ich feministische Positionen?

Wir haben dann ein Dinner veranstaltet, um zu sehen, wie groß die Bereitschaft und das Bedürfnis ist, sich diesen Themen auseinander zu setzen, und einen super Abend mit 20 tollen Frauen verbracht. Die Energie war umwerfend, und wir haben einen monatlich stattfindenden Stammtisch etabliert. Seit dem ist And She Was Like: BÄM! ein Laboratorium, in dem wir unterschiedliche Formate ausprobieren. Im Frühjahr haben wir ein Frühstück zur Art Cologne veranstaltet, um uns städteübergreifend zu vernetzen und jetzt starten wir BÄM! Talks, eine öffentliche Gesprächsreihe mit Vorbild-Frauen.

Die Chefin: An welche Frauen richtet sich das Netzwerk und wie funktioniert es?

Antwort: Uns liegt nicht viel daran, eine ganz spezifische und geschlossene Gruppe von Frauen anzusprechen, da es uns wirklich vor allem darum geht, ein offenes und angstfreies Umfeld zu schaffen. Es gibt auch kein Aufnahmeprozedere oder ähnliches. Wir möchten uns ja gerade von jeder Art von einschränkenden und ausgrenzenden Mechanismen befreien. Natürlich ergibt es sich aufgrund unserer jeweiligen beruflichen wie privaten Kontexte von selbst, dass eine bestimmte Alters- und Berufsgruppe verstärkt in das Netzwerk eingebunden ist. Wir versuchen aber bewusst, wie beispielsweise mit den Veranstaltungen BÄM! Talks, dies aufzubrechen.

Ganz praktisch funktioniert es über einen Newsletter, über den man sich anmelden kann, und wir ermutigen alle, noch jemanden mitzubringen.

Die Chefin: Wie unterscheidet sich And She Was Like: BÄM! von anderen, bereits bestehenden Fraueninitiativen?

Antwort: Für uns ist es wichtig, keine dogmatische Haltung einzunehmen und uns durch ein besonders spezifisches Profil von ähnlichen Initiativen abzuheben. Gerade das ist der Punkt: Nicht die Distinktion steht für uns im Mittelpunkt, sondern verbinden Ansätze, zu denken und zu leben. Das heißt, bei uns ist jede Willkommen, die einen offenen Austausch sucht. Dabei ist es uns wichtig, nicht nur online eine Diskussionsplattform zur Verfügung zu stellen, sondern aktiv den realen Raum für uns zu beanspruchen. So haben wir uns beispielsweise ganz bewusst für das stark männlich besetzte Format des Stammtisches entschieden. Einmal im Monat dürfen wir erfahren, was es für eine Power hat, wenn sich eine Gruppe von Frauen aktiv austauscht.

Die Chefin: Brauchen Frauen von heute noch Feminismus und falls ja, welche Form von Feminismus brauchen sie?

Antwort: Ja, wir brauchen ihn, ganz klar! Auf den ersten Blick mögen viele Probleme gelöst erscheinen, auf dem Papier gibt es eine Gleichbehandlung und Frauen stehen heute sehr viele Möglichkeiten offen, sich zu entfalten.

Kniffliger sind die unterschwelligen, noch existierenden Ungleichheiten. Nach wie vor wirken sich bestehende Rollenklischees, patriarchale Strukturen und eine sexistische Alltagskultur extrem stark und einschränkend auf uns alle aus – auf Frauen wie auf Männer! Frauen landen dadurch seltener in Führungspositionen, verdienen im Durchschnitt weniger, sind häufiger von Altersarmut und von sexueller Gewalt bedroht. Die Ursachen sind komplex – wir brauchen ein breites, gesellschaftliches Bewusstsein, um sie zu überwinden. Daher begrüßen wir es, dass es momentan eine wachsende, in den Medien geführte Diskussion gibt und eine Fülle von Initiativen in Kultur, Wirtschaft, Politik und Bildung, die sich um ganz praktische Lösungsansätze bemühen. Zudem finden wir ein intersektionales Verständnis von Feminismus wichtig, das auch die Überschneidung mit anderen Formen von Diskriminierung berücksichtigt, wie Herkunft, Klassen- und Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität. So können langfristig alle Menschen profitieren.

Helfen könnten auch ein paar mehr Männer, die sich kritisch mit ihren Privilegien auseinandersetzen. Nur so ein Vorschlag…

Die Chefin: Und die Kunst- und Kulturbranche in Deutschland: Braucht sie mehr Führungsfrauen und warum?

Antwort: Ein Mehr an Frauen, egal in welchen Bereichen und Positionen, ist immer gut. Die Frage nach einem Warum und damit einer Legitimation, sollte sich unserer Meinung nach nicht vordringlich stellen. Man möchte meinen, dass sich vor allem in der Kunst- und Kulturbranche einiges bewegt. In den letzten Jahren sind tatsächlich viele Direktorenposten an Museen und Kunstvereinen mit Frauen besetzt worden, das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass Frauen immer noch davor zurückschrecken, ihre Position, in der Weichen gestellt werden können, zu nutzen, um weiblich dominierte Netzwerke aufzubauen. Zudem macht es häufig den Anschein, die Auseinandersetzung mit feministischen Positionen gehört zum Guten Ton und bewegt sich auf einer rein inhaltlichen Ebene, die Strukturen und Hierarchien innerhalb von Museen, Galerien etc. nicht durchdringt. Dabei sollten prinzipiell nicht nur die bestehenden Geschlechterverhältnisse diskutiert werden, sondern auch die vorherrschenden Arbeitsmodi, die häufig auf einer ganz pragmatischen Ebene eine Gleichstellung verhindern. Teilzeitstellen sind nach wie vor spärlich gesät, Führungspositionen scheinbar unvereinbar mit dem Familienleben oder dem Wunsch nach mehr Selbstbestimmung.

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