Netzwerken hinterlässt schlechte Gefühle

Nicht jedem fällt Networking leicht.

Robert Kneschke/fotolia

Nicht jedem fällt Networking leicht.

Kennen Sie auch diese teils unverschämten Anfragen, in denen Sie gebeten werden, völlig Fremden bei der Karriere behilflich zu sein – und das auch noch, ohne dass sich der oder die Fragende irgendwelche Gedanken darüber gemacht zu haben scheint, was einem selbst es denn nützen würde, wenn man sie unterstützt.

So ein Verhalten ist dumm, keine Frage. Denn so funktioniert Networking nun einmal nicht – es sei denn, der Angefragte hat ein ausgesprochenes Helfersyndrom und verspricht sich positive Gefühle davon, wenn er oder sie weiterhilft.

Kürzlich fand eine Studie der Universität Toronto heraus, dass sich Menschen, die beruflich netzwerken, um voran zu kommen und ohne einen realen Gegenwert bieten zu können, sich im Grunde schlecht fühlen, sogar regelrecht schmutzig. Das schlechte Gefühl ist umso ausgeprägter, je niedriger der eigene Karrierelevel ist. Völlig klar: Auf einer unteren Position hat man in der Regel keinen echten Gegenwert, den man dem anderen anbieten kann.

Zwar raten die allermeisten Karriereratgeber dazu, berufliche Kontakte zu knüpfen und Netzwerke zu bilden – erfolgreich funktioniert das aber nur, wenn die Qualität der Beziehungen gleichwertig sind. Geht es hingegen nur darum, die eigenen Interessen durchzusetzen, entstehen bei den meisten Menschen Schuldgefühle. Spannend ist, dass dies anscheinend zu dem verstärkten Bedürfnis führt, sich waschen zu wollen.

Für die Studie hatten die Wissenschaftlerinnen mehrere hundert Probanden zu ihren Netzwerkerfahrungen gefragt. Erstaunlich war auch: Wer größere Schuldgefühle hatte, fühlte sich schmutziger – und arbeitete schlechter. Eigentlich erstaunlich, denn ich dachte immer, die besonders unverschämten Netzwerker würden mit ihrer Chuzpe auf die Nase fallen und nicht diejenigen, die dabei wenigstens Gewissensbisse haben.

2 Kommentare

  1. Ich bin froh oft auf Menschen zu treffen, die es einfach spannend finden gemeinsam Ideen zu entwickeln und sich gegenseitig zu pushen (sofern man die Ideen des anderen gute findet) ohne dabei immer darauf zu achten, dass das man gleichmäßig profitiert. So habe ich als junge Gründerin schon super spannende Kooperationen mit Geschäftsführern von etablierten Unternehmen gefunden – die mich deutlich mehr voran bringen als diese großen Firmen; genauso freue ich mich immer auf Menschen, die auch etwas bewegen möchten und helfe wo ich helfen kann, auch wenn erstmal (augenscheinlich) nichts für mein Unternehmen dabei rüberkommt. Finde es peinlich, zum Beispiel Wissen nicht weiterzugeben, wenn man nichts dafür erhält.

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