Nachrichten bleiben Männersache

Der Frauenanteil in den Medien hat sich erhöht.

Journalistinnenbund

Der Frauenanteil in den Medien hat sich erhöht.

Seit Jahrzehnten drängen Frauen in den Journalismus – aber die Nachrichtenmacher bleiben weitgehend männlich.

Das stellt auch in diesem Jahr das Global Media Monitoring Project (GMMP) fest, das für Deutschland vom Journalistinnenbund (JB) durchgeführt wurde. Mit durchschnittlich 28 Prozent liegt die Präsenz von Frauen in deutschen Nachrichten weit unter den 50 Prozent, die ihnen als Hälfte der Bevölkerung zukommen müsste. Das GMMP ist eine weltweite Medienbeobachtung und die größe und einzige Langzeitstudie zu Frauen in den Nachrichten und im Journalismus. Jeweils an einem Stichtag werden weltweit die Nachrichten ausgewertet. Die Studie erfasst einerseits, wie Frauen in den Nachrichten vorkommen und wie sie an der Erstellung und Präsentation von Nachrichten beteiligt sind. Stichtag in diesem Jahr war der 25. März 2015, ein für die deutschen Nachrichten untypischer Tag. Der Absturz der German Wings Maschine in den französischen Alpen war DIE Hauptnachricht.

Quelle: Journalistinnenbund

Immerhin: Dass der Journalismus zunehmend weiblich wird zeigt sich an einer erhöhten Zahl an Redakteurinnen besonders im Fernsehjournalismus. Hier ist fast zweite Redakteur oder Reporter eine Frau. Im Print-Journalismus dagegen waren 69 Prozent der Reporter männlich, nur 31 Prozent der Nachrichten stammten von einer Frau. “In den Tageszeitungen scheinen die politischen Nachrichten noch immer eine Männer-Domäne zu sein”, heißt es in der Pressemitteilung zu den diesjährigen Ergebnissen.

Zwar hat sich die Beteiligung von Frauen an den Nachrichten (overall presence of women) vergrößert – vor fünf Jahren betrug der Frauenanteil hier nur 21 Prozent, 2015 lag der Anteil bei 33 Prozent in den klassischen Medien. In den Online- und Twitternachrichten wurde ein Frauenanteil von 24 Prozent gezählt.

Politikerinnen verändern die Berichterstattung

Wie schon vor 20 Jahren kommen Frauen in den Medien vor allem als Objekte vor. Sie werden als Eye-Catcher benutzt, es gibt mehr Nachrichten über weibliche Promis als über männliche Celebreties. Aber Frauen werden auch zunehmend in den Medien als handelnde Akteurinnen zitiert. Seit Deutschland eine Bundeskanzlerin und mehrere Ministerinnen hat, ist der Anteil der politischen Akteurinnen in den Nachrichten im GMMP für Deutschland erheblich gestiegen.

Das Global Media Monitoring Project erhebt seit 1995 in fünfjährigem Abstand die Zahl der Frauen (und Männer), die in Nachrichten zu sehen oder zu hören sind und von denen zu lesen ist. Der internationale Zusammenschluss von Forscherinnen, Studentinnen und Frauenorganisationen erfüllt damit den Auftrag, der mit der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking an die Regierungen ergangen ist. In diesem Jahr wurden vier Fernsehsender, drei Radiosender, sieben Tageszeitungen, fünf Internet-Medien und zehn Twitter-Medien ausgewertet.

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