Mehr Arbeit, dafür weniger Geld – Gleichberechtigung in Deutschland

Erziehungsarbeit ist nach wie vor Frauensache in Deutschland. Doch das hat langfristige Auswirkungen auf die Erwerbsbiografie.

Unsplash / Dakota Corbin

Erziehungsarbeit ist nach wie vor Frauensache in Deutschland. Doch das hat langfristige Auswirkungen auf die Erwerbsbiografie.

Nein, es sind keine überraschenden News – verstörend bleiben sie dennoch: Der neue Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zeigt wieder einmal, dass Frauen hierzulande den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit verrichten und besonders von Armut bedroht sind.

Der Bericht lag zuerst der Süddeutschen Zeitung vor, die vorab über die Ergebnisse berichtete. Demnach leisten nach wie vor Frauen die nicht bezahlten Erziehungs-, Pflege- und Hausarbeit in Deutschland. Es sind vor allem Ehefrauen, Töchter und Schwiegertöchter und Enkelinnen, die sich etwa um die Pflege von Angehörigen kümmern und damit die Pflegekassen um ein Vielfaches entlasten. Zwar gibt es mittlerweile das Familienpflegezeitgesetz und auch werden zumindest gewisse Zeiträume, die man für die Pflege von Angehörigen aufwendet, in der Rentenversicherung berücksichtigt – dennoch sinken die Ansprüche, die Frauen in der gesetzlichen Rentenversicherng generell erwerben mit der Dauer der Zeit, die sie statt mit Erwerbsarbeit mit Erziehungs- und Pflegearbeiten verbringen.

Die nackten Zahlen lesen sich wie folgt: Frauen verrichten das Anderthalbfache von Männern in der Familienarbeit und bekommen etwa halb so viel Rente und im Schnitt ein Viertel weniger Gehalt. Mit Blick auf das sinkende Rentenniveau in Zukunft ist davon auszugehen, dass der Gender Pension Gap – also die Lücke zwischen den Geschlechtern bei der Rente – in Zukunft sogar wieder steigen wird. Und das, obwohl heute mehr Frauen als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik erwerbstätig sind.

Wann gibt es endlich Fortschritte?

Der Bericht stellt außerdem fest, dass die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen nach wie vor eklatant sind. Über den Gender Pay Gap haben wir in diesem Blog schon sehr oft berichtet. Dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer hat auch etwas mit der Bewertung von traditionell “weiblichen” Tätigkeiten und Berufen zu tun. Bestes Beispiel ist die Pflegebranche, über die sich derzeit eine politische Debatte entfacht hat. Die SPD hat vorgeschlagen, Jobs in der Pflege aufzuwerten und besser zu bezahlen – davon würden größtenteils weibliche Beschäftigte profitieren. Und es würde auch dazu führen, dass mehr Männer sich für diese Zukunftsbranche entscheiden.

Der Gleichstellungsbericht wird einmal pro Legislaturperiode erstellt und der Bundesregierung von Sachverständigen vorgelegt und analysiert nicht nur die Beteiligung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt, sondern zeigt auch auf, wie ungleich die Verteilung zwischen den Geschlechtern nach wie vor bei der Sorgearbeit ist, welche Rollenbilder maßgeblich sind und wie es um die Absicherung im Alter zwischen den Geschlechtern bestellt ist. Der Bericht wird regelmäßig seit 2011 erstellt. Bleibt zu hoffen, dass der kommende Bericht in vier Jahren endlich einmal eine Verbesserung zeigen wird. Doch das erfordert eine mutigere Politik, die eine ernsthafte Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zum Ziel hat. Davon war in den vergangenen vier Jahren GroKo leider nur wenig zu erkennen.

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