Macht Flexibilisierung psychisch krank?

Bedeuten flexiblere Arbeitszeiten automatisch eine Überlastung? Nur dann, wenn Beschäftigte keinen Handlungsspielraum wahrnehmen.

Unsplash / Alejandro Escamilla

Bedeuten flexiblere Arbeitszeiten automatisch eine Überlastung? Nur dann, wenn Beschäftigte keinen Handlungsspielraum wahrnehmen.

Immer mehr Menschen haben flexible Arbeitszeiten. Zugleich steigt seit Jahren die Zahl der psychischen Erkrankungen. Machen flexible Arbeitszeiten also krank? Das wollten Forscher der privaten Oberbergkliniken wissen und haben den Zusammenhang genauer untersucht.

Tatsächlich konnten die Mediziner aber keinen direkten Zusammenhang zwischen flexiblen Arbeitszeiten und psychischen Leiden feststellen.  Ein kausaler Zusammenhang zwischen beiden Erscheinungen sei wissenschaftlich nicht nachweisbar, sagt Prof. Dr.med. Dr. rer. nat. Matthias J. Müller, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer der Oberberggruppe. Das berichtet Wirtschaftspsychologie aktuell über die Studie. Das heißt aber nicht, dass bei immer mehr Menschen die Arbeitsbedingungen eine Rolle bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen spielen können. Meist handele es sich hierbei aber nicht um einen monokausalen Zusammenhang sondern die Arbeit sei vielmehr der Auslöser oder ein Verstärker.

Entscheidend ist der Handlungsspielraum

Entscheidend sei allerdings, wie viel Handlungsspielraum dem Betroffenen bleibe. Wenn dieser als groß empfunden werde, werden flexible Arbeitszeiten eher als Gewinn wahrgenommen. Wird die Flexibilisierung hingehen von oben verordnet, erleben Beschäftigte die neue Freiheit eher als Verlagerung von Arbeitsstunden – mit dem Risiko, dass für verschiedene Menschen und Arbeitsanforderungen dadurch Belastungen entstehen.

Einen starken Einfluss, ob jemand wegen flexibler Arbeitszeiten gefährdet sei, habe auch die indidivuduelle „Verausgabungsbereitschaft“. „Sie korrespondiert nach unserer Erkenntnis mit dem Hang zum Perfektionismus. Menschen, die bereit sind, sich nicht nur für die persönlichen, sondern auch für andere Ziele zeitlich und inhaltlich stark zu engagieren, ja zu verausgaben, haben bei anhaltender Belastung ein höheres Risiko zu erkranken”, heißt es in dem Artikel.

Ein Kommentar

  1. Interessanter Artikel. Gern würde ich die Quelle für den Artikel lesen und würde mich allgemein sehr freuen, wenn unter all ihren Artikeln der Hinweis zur Quelle genannt wird.

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