Kündigung wegen schlechter Leistung? Nur bei messbarem Vergleich

Will ein Arbeitgeber wegen schlechter Arbeitsleistung kündigen, muss er die durchschnittliche Leistung aller anderer Mitarbeiter auch nachweisen.

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Will ein Arbeitgeber wegen schlechter Arbeitsleistung kündigen, muss er die durchschnittliche Leistung aller anderer Mitarbeiter auch nachweisen.

Kündigt ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter wegen schlechter Arbeitsleistungen, muss er die Leistungen des Mitarbeiters in Relation zu aller vergleichbaren Arbeitnehmer beurteilen. Das geht aus einem neuen Arbeitsrechtsurteil hervor.

Konkret geht es um einen Fall, der vor dem Arbeitsgericht Siegburg verhandelt wurde. Hier hatte ein Mitarbeiter gegen seine Entlassung geklagt, weil ihm sein Arbeitgeber wegen angeblich schlechter Leistung gekündigt hatte. Zuvor war der Mann bereits wegen schlechter Arbeitsergebnisse dreimal abgemahnt worden.

Der Chef argumentierte, die schlechte Leistung des Mitarbeiters schade dem Unternehmen, daher sei eine verhaltsbedingte Kündigung gerechtfertigt und wegen der vorausgegangenen Abmahnungen sei nicht mit einer Verhaltensänderung zu rechnen.

Fehlt die nachgewiesene Durchschnittsleistung, kann auch eine Unterschreitung nicht festgestellt werden

Die Arbeitsrichter folgten dieser Argumentation aber nicht (Az. 3 Ca 1305/17). Denn der Chef habeb weder die Leistungen des Klägers über einen längeren Zeitraum noch die Fehlerquote vergleichbarer Arbeitnehmer dargelegt. Für die Richter war ohne die Vergleichbarkeit insfofern keine Grundlage gegeben, wonach sie beuteilen konnten, ob die Argumentation des Arbeitgebers zutreffend war. Der Chef hätte daher die Durchschnittsleistung darlegen müssen und auch, warum der Mitarbeiter diese angeblich unterschritten hätte – und zwar dauerhaft. Da der Arbeitgeber dies schuldig geblieben war, muss der Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden.

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