Kommt bald das Recht auf Homeoffice?

Ein Recht Homeoffice, aber freiwillig – nicht vom Chef gezwungen. Das fordert der DGB.

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Ein Recht Homeoffice, aber freiwillig – nicht vom Chef gezwungen. Das fordert der DGB.

Die Arbeitswelt wird immer flexibler. Und trotzdem bestehen viele Arbeitgeber immer noch auf Präsenzpflicht. Nun hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zum Tag der Arbeit am Ersten Mai einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gefordert. Annelie Buntenbach, Mitglied im DGB-Vorstand, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag, dass jeder Beschäftigte einen Anspruch darauf haben sollte, von zu Hause aus und mobil arbeiten zu können – zumindest in solchen Jobs, in denen das grundsätzlich möglich ist.

Die Forderung ist durchaus neu, denn bislang hatten sich die Gewerkschaften eher zurückhaltend beim Thema Telearbeit verhalten. Die Befürchtung ist, dass Arbeitgeber viele Jobs generell in Heimarbeitsplätze umwandeln könnten, um Kosten zu sparen. Aber Heimarbeiter sind oft mit prekären Bedingungen konfrontiert: Wenig Anbindung ans Unternehmen, kaum jemand, der überwacht, ob Schutzvorschriften eingehalten werden, eine starke Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Daher betonte Buntenbach auch, dass es starke Leitplanken geben müsse, um eine zunehmende Entgrenzung der Arbeitszeit zu verhindern. Homeoffice müsse “in jedem Fall freiwillig bleiben”. Sprich: Da, wo es möglich ist, sollen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf ihren Rechtsanspruch berufen können – aber sie dürfen nicht vom Arbeitgeber dazu verpflichtet werden.

Auch mobile Arbeitszeit soll erfasst werden

Buntenbach erklärte ihren Vorstoß mit dem Wunsch von vielen abhängig Beschäftigten, flexibler arbeiten zu dürfen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Daher begrüßte die Gewerkschafterin auch, dass sich Union und SPD im Koalitionsvertrag darauf geeinigt haben, einen neuen Rechtsrahmen für mobiles Arbeiten zu schaffen. Es müsse aber auch künftig geregelt sein, dass auch mobile Arbeitszeit erfasst und vergütet wird.

Tatsächlich ist das heute oft nicht der Fall: Auch viele Arbeitgeber wollen mehr Flexibilität, aber vor allem bei der Arbeitszeit. Darum ermöglichen viele Firmen ihren Mitarbeitern auch Homeoffice – in der Regel aber in Verbindung mit Vertrauensarbeitszeit. Das heißt: Die Arbeitszeit wird nicht offiziell erfasst und Überstunden gelten meist mit dem Gehalt als abgegolten. Häufig führt diese Form des freien und flexiblen Arbeitens dazu, dass Beschäftigte mehr als die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit arbeiten. Immerhin wollen sie das Vertrauen ihrer Arbeitgeber nicht missbrauchen.

Für die DGB-Arbeitsmarktexpertin ist daher zwingend, dass mobiles Arbeiten immer mit einer klaren Arbeitszeitregelung einhergehen muss. Beschäftigte müssten ein Recht darauf haben, die Arbeit zu beenden, “damit es auch bei mobiler Arbeit einen Feierabend gibt”.

Fast jeder Zehnte in Deutschland arbeitet Studien zufolge regelmäßig von zu Hause oder von unterwegs. Die allerwenigsten davon dauerhaft, verbreitet sind einzelne Tage, an denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht im Büro sind. Die Mischung aus Präsenszeiten im Unternehmen und Tagen, die freier gestaltet werden können, fördert Studien zufolge die Zufriedenheit im Job.

Der Vorstoß der Gewerkschaften könnte von den Arbeitgebern aufgenommen werden. Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände fordert schon lange mehr Flexibilisierung. Dabei spielt auch mehr mobiles Arbeiten eine Rolle. Die Arbeitgeber führen Homeoffice oft als Beispiel an, um eine Aufweichung der im Arbeitszeitgesetz vorgesehenen gesetzlichen Ruhezeiten zu erreichen. Demnach müssen Beschäftigte zwischen zwei Arbeitseinsätzen in der Regel elf Stunden Ruhezeit einhalten. Ausnahmen gibt es nur wenige. Die Arbeitgeber finden diese Ruheregelung zu starr und argumentieren, sie würde Beschäftigten mit Bürojobs verbieten, abends um 23 Uhr noch E-Mails zu beantworten und am nächsten Morgen um acht Uhr wieder arbeiten zu können – daher dürften Unternehmen ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität gar nicht ermöglichen.

In den Niederlanden ist man beim Thema Telearbeit indes schon weiter. Dort trat am 1. Januar 2016 das Gesetz über Flexibilität am Arbeitsplatz in Kraft. Zwar wurde in den Medien vielfach kolportiert, seither hätten alle Niederländerinnen und Niederländer ein Recht auf Arbeit aus dem Homeoffice. Tatsächlich wurde aber nur der Rechtsanspruch durchgesetzt, dass Arbeitgeber die Möglichkeit zum flexiblen Arbeiten auf Wunsch des Beschäftigten prüfen müssen.

Ein Kommentar

  1. Nicht jeder ist für die Arbeit im Home-Office geeignet und die Gefahr, dass aus einem Recht eine Pflicht wird, besteht. Vielen fehlen dann die sozialen Kontakte, die auch einen Input für die Arbeit sein können.
    Vor allen Dingen muss die Finanzierung geklärt werden. Denn im Home-Office muss das richtige Equipment zur Verfügung stehen inkl. Datenschutz.
    Wer auf so einem Home-Office bestehen möchte, muss sehr genau aufpassen, worauf er sich einlässt. Es könnte sonst sein, dass er draufzahlt.

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