Kluge Frauen scheitern anders

Nadine Nentwig

„Wer scheitert, hat zuvor eben auch etwas gewagt“, so Nadine Nentwig.

Mit Anfang dreißig steht Nadine Nentwig vor dem finanziellen Ruin. Sie lernt auf die harte Tour, dass ihr Scheitern kein Weltuntergang ist. Über die Kunst, zu scheitern und wieder aufzustehen, hat Nentwig ein persönliches Buch geschrieben.

Nadine Nentwig studierte in Düsseldorf Modejournalismus und Medienkommunikation und arbeitete anschließend als PR-Beraterin und Texterin für verschiedene Agenturen und Unternehmen der Mode- und Lifestylebranche. 2007 wagt die 38-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit und gründet gemeinsam mit einer Freundin eine Fashion-PR-Agentur – und scheitert. Über die Kunst, zu scheitern und wieder aufzustehen, hat Nentwig ein sehr persönliches Buch geschrieben.

die Chefin: Sie haben mit Ihrem Buch „Kluge Frauen scheitern anders“ ein Loblied auf das Scheitern geschrieben. Was war Ihre Motivation?

Nadine Nentwig: Meine persönliche Erfahrung mit dem Scheitern. Zunächst ist es mir ergangen wie wahrscheinlich vielen Menschen: Ich habe, versucht mein Scheitern geheimzuhalten, es schön zu reden, und habe mich sehr dafür geschämt. Als ich mich irgendwann dazu durchgerungen habe, die Flucht nach vorne anzutreten, war das wie ein Befreiungsschlag.

Mit meinem Buch möchte ich andere Menschen dazu ermutigen, ebenfalls selbstbewusst zu ihrem Scheitern zu stehen. Denn Scheitern ist menschlich und gehört nunmal zum Leben dazu. Da gibt es absolut nichts, wofür man sich schämen müsste.

die Chefin: Wie kam es dazu?

Nentwig: Ich glaube, dass es dafür letztlich nie nur einen Grund geben kann. Es ist ein Zusammenspiel aus mehreren unglücklichen Umständen. Ich bin Mutter geworden und habe mich kurz nach der Geburt nicht mehr 24 Stunden um die Agentur kümmern können. Zusätzlich hat zu dieser Zeit auch noch meine Geschäftspartnerin beschlossen, auszuwandern und unser gemeinsames Unternehmen zu verlassen. Das alles hatte weitreichende Folgen, die schließlich dazu geführt haben, dass ich das Unternehmen aufgeben musste.

die Chefin: Wer oder was hat Ihnen aus dieser Situation rausgeholfen?

Nentwig: Ich habe mir selbst eine Art Kompetenzteam zusammengestellt, bestehend aus einem ehrenamtlichen Unternehmensberater, einem Anwalt, einer Mentorin und einer Psychologin. Darüber hinaus hatte ich zum Glück auch ganz viel Unterstützung von meiner Familie und von Freunden.

Nichtsdestotrotz muss man den Löwenanteil am Ende alleine leisten. Letztlich habe ich es in vielen kleinen Minischritten geschafft, das Unternehmen abzuwickeln und mir eine neue Existenz aufzubauen.

die Chefin: Und wer hat Ihnen Steine in den Weg gelegt?

Nentwig: Zum einen habe ich mir selbst Steine in den Weg gelegt, weil ich mich lange Zeit mit Selbstvorwürfen gequält habe, die mich auf Dauer stark blockiert haben. Zum anderen hat mir das Finanzamt das Leben schwer gemacht. Ebenso habe ich meinen Glauben an das deutsche Rechtssystem verloren, das aus meiner Sicht so einige Lücken aufweist.

die Chefin: Gehen Frauen anders mit dem Thema Scheitern um als Männer?

Nentwig: Ja. Frauen neigen dazu, ihr Scheitern sehr stark auf sich als Person zu beziehen. Sie empfinden ihr Scheitern häufig als persönlichen Makel und schämen sich dafür. Männer sehen das Ganze eher sportlich und handeln nach der Devise „neues Spiel, neues Glück“.

die Chefin: Was raten Sie jeder Person, die scheitert?

Nentwig: Trau Dich, offen zu Deinem Scheitern zu stehen und andere Menschen um Hilfe zu bitten. Du musst diese Krise nicht alleine bewältigen. Wenn man hinfällt, ist es vollkommen okay eine Zeit lang liegen zu bleiben, um in sich zu gehen und alles, was geschehen ist, zu reflektieren. Aber danach wird sich der Staub von den Klamotten geklopft und weitergemacht!

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