Jede zweite Frau kennt sexuelle Belästigung im Job

Gut jede zweite Frau hat schon einmal sexuelle Belästigung im Job erlebt.

Unsplash/ Mihai Surdu

Gut jede zweite Frau hat schon einmal sexuelle Belästigung im Job erlebt.

Seit der #MeToo-Debatte trauen sich viel mehr Frauen, über sexuelle Belästigung zu sprechen. Eine Studie des Compliance-Beratungsunternehmen Navex Global zeigt nun: Jede zweite berufstätige Frau wurde im Job schon einmal sexuell belästigt.

Der Befragung zufolge hat die Erfahrung bei 80 Prozent der betroffenen Frauen dazu geführt, dass sie mittelfristig – innerhalb von zwei Jahren – den Arbeitsplatz gewechselt haben. Außerdem klagten die Frauen, dass das Erlebnis zu Stress, erheblichen psychischen Belastungen und sogar Depressionen geführt habe. Außerdem seien sie nach dem Übergriff weniger produktiv gewesen und hätten Misstrauen gegenüber Kollegen entwickelt.

Das schadet auch den Unternehmen. Sie verlieren durch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nicht nur wichtige Fachkräfte und Expertinnen, es schadet auch der Arbeitgebermarke, dem Betriebsfrieden und der Produktivität im gesamten Unternehmen, wenn sexuelle Übergriffe – egal ob verbal oder sogar tätlich – nicht geahndet werden.

Problematisch scheint dem Bericht zufolge vor allem zu sein, dass sich durch die Sexismusdebatte einiges verändert. Viele Betroffene berichten vor allem von “Grauzonen” – solche Verhaltensweisen, die traditionell lange Zeit nicht als echte Belästigung angesehen wurden, die aber heute genau als solche definiert werden. Das können schiefe Komplimente mit sexuellen Andeutungen sein, zweideutige Einladungen von Kollegen oder Kommentare und Fragen zur sexuellen Orientierung, zum Familienstand oder eben anzügliche Witze. 

Handeln ist wichtig

Weil diese Vorfälle so häufig sind und insbesondere die Täter (oder auch Täterinnen, denn natürlich gibt es solche verbalen Übergriffe auch von Frauen auf Männer) die Äußerungen als unproblematisch ansehen, werden sie auch nur selten als Problem benannt. Viele Frauen schweigen lieber, als das Ganze anzusprechen – und nur die allerwenigsten melden das Geschehene dem oder der Vorgesetzten. Gerade bei Übergriffen aus dem Bereich der Grauzone kommt eine weitere Unsicherheit dazu: Wann wäre überhaupt der Vorgesetzte einzubeziehen? Spätestens im Wiederholungsfall, wenn das Opfer den Täter mitgeteilt hat, dass es solche Kommentare nicht wünscht, sollte gehandelt werden.

Der Studie zufolge zeigen aber höchstens ein Viertel der Betroffene solche Wiederholungsfälle an – Fälle also, in denen aus Absicht Sexismus erfolgt. Zu groß ist anscheinend die Angst, einer Lüge beschuldigt zu werden, überreagiert zu haben, ausgegrenzt zu werden oder vor Nachteilen auf die eigene Karriere.

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