„Je Blazer, desto Chef“

Ulrich Schepp

Stil im Business-Alltag heißt nicht mehr und nicht weniger, als Haltung zu bewahren – und zwar die eigene, ist Katharina Starlay überzeugt.

Blazer, Kostüm, Hosenanzug: Wie wichtig ist das Outfit für die Karriere? Sehr, denn der erste Eindruck entsteht in nur wenigen Sekunden. Im Klartext: Je Blazer, desto Chef, so die Imageberaterin Katharina Starlay im Interview.

 

die Chefin: Was genau ist Stil für Sie?

Katharina Starlay: Stil ist die Summe vieler durchdachter Details, welche auf Persönlichkeit und Ausstrahlung abgestimmt werden – kurz: den Typ. Denn erst, wenn alles stimmt und zum Menschen passt, ist da nichts mehr, was stört. Dann wird auf einmal das Gesagte wichtig, der Inhalt, auf den es ankommt. Giorgio Armani sagte einmal sinngemäß: „Stil bedeutet, in Erinnerung zu bleiben – nicht aufzufallen.“ Und auch Coco Chanel drückte es ähnlich aus: „Mode ist vergänglich – Stil niemals.“

Kleidung wird damit zur wichtigsten Nebensache im zwischenmenschlichen Kontakt. Gleichzeitig kann man mit seiner Kleidung eine Wirkung erzielen, auf sich selbst und andere. Wir kennen das aus der Geschichte vom Hauptmann von Köpenick: Die Uniform mit Statussymbolen, die etwas hermachte, konnte aus dem kleinen Mann einen großen machen – innerlich und äußerlich. Auch der Effekt von Kleidung auf das Selbstbewusstsein ist nicht zu unterschätzen. Und nicht zuletzt hat guter Stil auch mit dem Verhalten und der inneren Haltung zu tun, der Eleganz des Geistes, wie ich es nenne.

die Chefin: Welche Bedeutung hat Stil im Business-Alltag?

Starlay: All diese Komponenten – Persönlichkeit und ihre Wirkung, Aussehen, Auftreten, Benehmen – sind die Grundpfeiler, auf denen gute Beziehungen aufgebaut werden, auch die geschäftlichen. Es geht um das Vertrauen, das da sein muss, bevor jemand bereit ist, Geld auszugeben, in Produkte, in eine Leistung oder eine Vision.

Als Kunde kaufen wir nie das Produkt, sondern das Gefühl das wir haben, wenn wir uns dafür entscheiden. Dabei spielt eine Rolle, ob wir uns wertgeschätzt fühlen, weil sich der Andere für uns sorgfältig statt zufällig angezogen hat. Denn das Bauchgefühl ist nicht rational: Zahlen, Daten und Fakten interessieren es wenig, die kommen erst in einem zweiten Schritt über die Kopfsteuerung. Wenn das Gegenüber aber glaubwürdig und sympathisch ist, lassen wir uns darauf ein, weil wir Vertrauen gewonnen haben.

Stil im Business-Alltag heißt also nicht mehr und nicht weniger, als Haltung zu bewahren – und zwar die eigene –, und dem Gegenüber zu vermitteln, wofür man steht. Kleidung ist die Sprache, die das rüber bringt, auch ohne Worte. Dann finden sich auch die richtigen Partner, die dazu passen. Ein hoch-modischer Look, den man anlegt, weil alle es tun, hat mehr mit Style (im Sinn von: „Ich folge einem allgemeinen Trend.“) als mit Stil zu tun.

Wer Stil hat, wählt aus der Mode das für sie oder ihn passende aus, es geht um die Selektion. Das setzt voraus, dass man sich auch mit sich selbst befasst und herausfindet, wer man ist und was man kann – Erkenntnisse, die für jede Führungskraft wichtig sind.

„Dresscodes bleiben wichtig, und sie schützen
einen auch ein Stück weit“

die Chefin: Welche Kleidung trägt Erfolg?

Starlay: Was beim Gegenüber ankommt. Hier in Deutschland laufen wir Gefahr, die Casualisierung – also die immer lässiger werdenden Dresscodes im Business – auf die Spitze zu treiben. In südeuropäischen Ländern und vielen anderen Orten der internationalen Gemeinschaft wird das mit der Lässigkeit jedoch ganz anders gesehen. Dort kann sie schnell als nachlässig empfunden werden.

Dresscodes bleiben also wichtig, und sie schützen einen auch ein Stück weit. Daher gilt auch für Frauen: „Je Blazer, desto Chef.“ Wenn man also etwas Wichtiges zu verhandeln oder zu präsentieren hat, gibt einem der Blazer mehr Format. Umgekehrt kann es den anderen vor den Kopf stoßen, wenn ich zu formell und distanziert bei einem bodenständigen Kunden oder informellen Event erscheine. Es ist also Fingerspitzengefühl gefragt, nicht nur für die eigene Inszenierung, sondern insbesondere auch für die Zielgruppe. Kleidung ist ein Sender-Empfänger-Thema: Entweder, die Botschaft kommt an … oder nicht.

die Chefin: Was sind Stilkatastrophen?

Starlay: Unerwartete Pannen, die verhindern, dass wir unserem Gegenüber die richtige Wertschätzung und unser ehrliches Selbst entgegen bringen. So kann uns ein verlorener Koffer auf einem Flug beispielsweise sehr in Verlegenheit bringen.

Es ist aber auch schade, wenn eine Frau vor lauter Styling und Make-up nicht mehr erkennbar ist oder sie umgekehrt „überhaupt nichts aus sich macht“, ihre Vorzüge ignoriert und allein auf die inneren Werte setzt. Denn auch die brauchen einen Türöffner, einen Moment, durch den man gerne ein zweites Mal hinsieht, um die inneren Werte überhaupt zu entdecken. Wertvolles will verpackt werden, wie ein Geschenk. Das wäre der Stil-Punkt.

„Entscheidend ist eine Ausstrahlung
ohne Unsicherheit“

die Chefin: Was sollten Frauen im Business-Alltag unbedingt beherzigen?

Starlay: Es gibt ein paar „Gebote“, die es Frauen leichter machen: Neben der Maxime mit dem Blazer zum Beispiel „Passform vor Preis“: Das teuerste Kostüm, der angesagteste Look bringen nichts, wenn sie nicht gut sitzen. Dann fehlt die natürliche Eleganz, und die Frau wirkt verkleidet.

Oder, trage nur Schuhe, in denen Du souverän gehen kannst. Denn Du brauchst Bodenhaftung. Viele Frauen bringen sich darum, weil sie zu hohe Schuhe tragen. Umgekehrt fühlen sich manche in hohen und schmalen Ansätzen absolut wohl. Das muss jede Frau für sich herausfinden. Entscheidend ist eine Ausstrahlung ohne Unsicherheit.

Viele Frauen beherzigen zu wenig sich selbst, ihr Bedürfnis, eine Frau zu sein – auch wenn sie Entscheidungen treffen. Ihr Bedürfnis, schön auszusehen – auch wenn sie viel zu tun haben. Und sich schön zu fühlen. Die Schönheit wird aber mit zunehmenden Jahren nicht größer, also kann man sie auch gleich auskosten.

die Chefin: Welche Fehler machen Frauen Ihrer Meinung nach am häufigsten?

Starlay: Viele Frauen sind Perfektionisten und versuchen, es allen Recht zu machen. Dabei zerreißen sie sich manchmal selbst. Es ist immer wieder wichtig, die eigene Mitte zu spüren. Und die Garderobe ist ein Spiegel davon: Eine Frau, die bei sich angekommen ist, muss nicht mehr jedes Teil kaufen und hat auch nur noch wenige Schrankleichen. Sie nutzt den Style, um sich auszudrücken, innerhalb des Rahmens oder der Firma, für die sie sich entschieden hat, und so wie sie ist.

 

Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. Sie berät Menschen und Unternehmen rund um Aussehen, Auftreten und Benehmen entsprechend Typ, Aufgabe und Positionierung der Marke. In ihren Büchern verbindet sie ihr Know-how mit der Freude, dieses Wissen zu vermitteln. Mit ihrer Kolumne Starlay Express beim „Manager Magazin“ begeistert sie regelmäßig ihre Leser.

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