Innere Kündigung wird zum Massenphänomen

Jeder Fünfte hat einer neuen Untersuchung zufolge innerlich gekündigt.

Pixabay / Peggy_Marco

Jeder Fünfte hat einer neuen Untersuchung zufolge innerlich gekündigt.

Gut ein Fünftel aller Beschäftigten hierzulande hat innerlich bereits gekündigt. Das stellt eine neue Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) fest.

Die IGA wird von Krankenkassen und Unfallversicherern getragen und hatte Personalverantwortliche in Unternehmen zur Motivation und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragen lassen. Das Phänomen ist schon seit Langem bekannt: Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnen in der Regel hochmotiviert eine neue Stelle. Während die meisten im ersten Jahr für ihren Job brennen, nimmt das Engagement schon nach zwei Jahren rapide ab. Für Unternehmen ist also wichtig zu ergründen, was die Faktoren für den Verlust der Arbeitsleidenschaft sind.
Laut der Untersuchung glauben die meisten Personalverantwortlichen, dass den Beschäftigten Wertschätzung fehlt. Aber auch die Möglichkeit, an ihrer Arbeit und den Bedingungen mitbestimmen zu können und Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten sind demnach die Hauptgründe.

Führungskräfte brauchen selbst Wertschätzung

Eine zentrale Rolle kommt den Führungskräften zu: Sie sind maßgeblich diejenigen, die Möglichkeiten zur Mitbestimmung und Teilhabe schaffen müssen. Sie sollten das Feedback ihrer Teammitglieder ernst nehmen und vor allem Wertschätzung vermitteln. Leider fehlt vielen Führungskräften besonders in Sandwichpositionen die Kraft dazu. Sie selbst leiden in vielen Unternehmen unter fehlenden Handlungsoptionen und vermissen selbst Wertschätzung.

Ein nicht unwesentlicher weiterer Faktor sind Veränderungen innerhalb des Unternehmens. Sie wirken sich besonders auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon länger im Betrieb sind. Finden erhebliche Fluktuationen statt, steigen andere auf, während sie selbst in ihrer Karriere stagnieren, so ist das für viele Beschäftigte ein wesentlicher Grund für Unzufriedenheit und einen Rückzug zum “Dienst nach Vorschrift”. Noch verheerender sind starke Umstrukturierungen, Personalabbau und Arbeitsverdichtungen. Gibt es längere Phasen der Unsicherheit – nicht zuletzt die Zeitungsbranche oder der Lebensmittelhandel kennen diese Phasen bereits seit Jahren – dann trägt dies kaum dazu bei, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und leistungsbereit sind. Im Gegenteil: Eine Dauer-Krise destabilisiert das ganze Unternehmen und zwar nachhaltig. Lange Phasen von Unsicherheit führen daher nicht nur zur innerlichen Kündigung sondern auch dazu, dass sich Hochleistungsträger ganz aus dem Betrieb verabschieden und sich einen neuen Job in einem anderen Unternehmen suchen.

Lange Phasen von Unsicherheit machen krank

Mehr noch: Dauerhaft negative Phasen wirken sich schlecht auf die Gesundheit von Beschäftigten aus. Depressionen, Suchterkrankungen aber auch Herz-Kreislauf-Erankungen steigen in solchen Betrieben. Zudem wird das Betriebsklima schlechter. Und die Unzufriedenheit bei allen steigt an.

Die Untersuchung ist allerdings nicht repräsentativ. Befragt wurden lediglich 381 Personalverantwortliche.

 

Passend zum Thema