Im Vorstand immer noch frauenfrei

Von 190 Positionen in den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen sind derzeit nur 27 mit einer Frau besetzt.

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Von 190 Positionen in den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen sind derzeit nur 27 mit einer Frau besetzt.

Das berichtet unsere Kollegin Claudia Tödtmann von der Wirtschaftswoche in ihrem Managementblog über eine aktuelle Untersuchung des Arbeitgeber-Bewertungsportals Kununu. Betrachtet man die Vorstandsposten der 30 Dax-Unternehmen, hat man 190 Positionen für Spitzenmanagerinnen und -manager. Bisher sind davon gerade einmal 27 mit einer Frau besetzt. Denn anders als bei den Aufsichtsräten gilt die Frauenquote für die operativen Spitzenjobs in der Wirtschaft nicht, sondern hier greift nur eine freiwillige Selbstverpflichtung – die aber wiederum wenig Veränderung seit ihrer Einführung im Jahr 2000 erreicht hat. Und: Ab Januar 2018 verringert sich die Zahl der weiblichen Vorstände sogar noch, denn eine Top-Mangerin bei Bayer verlässt den Vorstand.

 

Allein diese Statistik spricht Bände – nun zeigt eine Auswertung von Bewertungen, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie ehemaligen Beschäftigten bei den börsennotierten Unternehmen auf dem Bewertungsportal Kununu stammen, dass es auch sonst nicht so weit her ist mit der Frauenfreundlichkeit in den besagten Unternehmen. Ausgewertet wurden mehr als 3.000 Bewertungen in der Kategorie Gleichberechtigung. Die Beschäftigten sollten angeben, wie sie die Aufstiegschancen für Frauen einschätzen und wie es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beim jeweiligen Arbeitgeber steht. Dabei ist 0 der schlechteste denkbare Wert und 5 ein Spitzenwert. Zwar bewerten die Beschäftigten die Frauenfrage minimal besser, aber über alle börsennotierte Unternehmen weg ist die Bewertung nicht im Top-Bereich.

Besonders schlecht sind die Werte für die Unternehmen Vonovia, Linde, Fresenius Medical Care, HeidelbergCement, Infineon, Beiersdorf EON und RWE – alles Konzerne, die komplett ohne Frauen im Vorstand auskommen.

Top-Werte erreicht kein Unternehmen

Oft zeigt sich in den MitarbeiterInnen-Bewertungen auch, dass es gerade im Mittelmanagement an Frauenfreundlichkeit hapert. Zwar wird das Ziel, mehr Frauen zu gewinnen und sie auch in Führungspositionen zu bringen, in vielen Konzernen vom Spitzenmanagement vorgegeben, es kommt allerdings kaum bis an die Basis an. Vielfach beschreiben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf als größtes Problem für die Frauen. Bei einigen Unternehmen ist die Kritik noch umfassender: Hier wird das Fehlen einer frauenfreundlichen Kultur generell bemängelt.

Spitzenreiter im Ranking der frauenfreundlichsten Dax-Unternehmen dagegen ist SAP. Hier sind gleich zwei Frauen im Vorstand.

Und hier das Ranking im Ganzen.

1 SAP Adaire Fox-Martin, Jennifer Morgan 4,52
2 Beiersdorf 4,29
3 Bayer Erica Mann (nur noch bis 31.3.2018) 4,24
4 Fresenius Rachel Empey 4,20
5 Deutsche Telekom Claudia Nemat 4,13
6 Deutsche Börse Hauke Stars 4,10
7 Allianz Jacqueline Hunt, Helga Jung 4,08
8 Daimler Renata Jungo Brüngger, Britta Seeger 4,06
9 RWE 4,05
10 Volkswagen Hiltrud Dorothea Werner 4,02
11 Eon 4,02
12 Continental Ariane Reinhart 3,97
13 adidas Karen Parken 3,97
14 Siemens Lisa Davis, Janina Kugel 3,95
15 Heidelberg Cement 3,90
16 BMW Milagros Caina Carreiro-Andree 3,88
17 ProSiebenSat.1 Media Sabine Eckhardt 3,80
18 Infineon 3,78
19 BASF Saori Dubourg 3,75
20 Commerzbank Bettina Orlopp* 3,65
21 Merck Belén Garijo 3,53
22 Munich Re Giuseppina Albo, Doris Höpke 3,53
23 Fresenius Medical Care 3,52
24 Lufthansa Bettina Volkens 3,52
25 Deutsche Bank Kim Hammonds, Sylvie Matherat 3,51
26 Thyssen Krupp 3,49
27 Linde 3,49
28 Henkel Kathrin Menges 3,36
29 Deutsche Post Melanie Kreis 3,34
30 Vonovia 3,32

Quelle: Kununu 2017

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