„Ich hatte großes Glück, meine Hürden waren klein“

Simone Pott im Hof der Welthungerhilfe, Kirundo, Burundi.

Welthungerhilfe

Simone Pott im Hof der Welthungerhilfe, Kirundo, Burundi.

Beruf und Familie miteinander zu verbinden, ist für Simone Pott ein Jonglieren mit vielen Bällen. Geduld, diplomatisches Geschick und eine gewisse Zähigkeit sind dabei für die Pressesprecherin unerlässlich.

Simone Pott (Jahrgang 1965) arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die Welthungerhilfe, einige davon im Nothilfeteam. Seit 2009 verantwortet sie als Pressesprecherin die Zusammenarbeit mit Medien und Journalisten. Als Vorsitzende vom Bündnis Entwicklung Hilft ist Pott seit 2013 tätig.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Simone Pott: Weil es mir Spaß macht und ich jeden Morgen gern ins Büro gehe. Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit. Am Anfang war meine Motivation, die Welt kennenzulernen, fremde Kulturen zu entdecken und spannende Menschen zu treffen. All das ist passiert.

Ich habe aber außerdem gemerkt, dass ich mit meiner Arbeit etwas verändern kann: Menschen aus Entwicklungsländern bekommen mit all ihren Wünschen, Bedürfnissen und Erfahrungen hier eine Stimme. Ich kann in der deutschen Öffentlichkeit Geschichten einen Raum geben, die sonst nicht gehört würden. Es ist immer eine tolle Erfahrung, wenn Berichte und Reportagen, etwa über den Alltag einer Bäuerin aus Zimbabwe, in einer Regionalzeitung in Süddeutschland auf ein positives Echo stoßen.


In der Serie “6 aus 49” beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Pott: Natürlich. Einen erfolgreichen Weg im Beruf geht man niemals allein. Die Welthungerhilfe hat mir immer die Möglichkeit gegeben, Beruf und Familie über die Jahre miteinander verbinden zu können.

Dazu gehören Vorgesetzte, die flexibel sind, und ein starkes Team, das gemeinsam Projekte umsetzt. Ich habe zum Glück die Erfahrung gemacht, dass Geschlechter dabei nicht die größte Rolle spielen.

Das gilt übrigens auch für meine Arbeit als Vorsitzende beim Bündnis Entwicklung Hilft. Dieser Zusammenschluss von sieben Organisationen wird von starken gemeinsamen Zielen getragen, sodass auch hier die professionelle Zusammenarbeit eine ideale Voraussetzung ist, um Herausforderungen zu meistern.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Pott: Beruf und Familie miteinander zu verbinden, ist ein Jonglieren mit vielen Bällen. Oft habe ich mich zwischen dem schlechten Gewissen gegenüber den Kindern und dem Anspruch, ein Projekt perfekt erledigen zu können, entscheiden müssen.

Über die Jahre haben mir aber Erfahrungen und auch eine gewisse Gelassenheit geholfen. Manchmal ist auch nicht die Vielzahl der Bälle in der Luft entscheidend, sondern die Gleichmäßigkeit, mit der sie bewegt werden. Geduld, diplomatisches Geschick und eine gewisse Zähigkeit sind dabei unerlässlich. Aber ich muss gestehen: Ich hatte großes Glück, meine Hürden waren klein.

die Chefin: Auf welche Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Pott: Das ist eine schwierige Frage, die ich wahrscheinlich in einigen Jahren ganz anders beantworten würde. Ich habe mich natürlich durch die Erfahrungen im Beruf, aber auch durch meine Familie entwickelt und verändert.

Rückblickend waren mein Optimismus und mein Glaube, dass sich Verhältnisse positiv verändern lassen, wohl die besten Begleiter. Ich bin entschlossen, sie auch weiterhin an meiner Seite zu halten.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Pott: Durch meine Arbeit habe ich gelernt, wie wichtig der altmodische Begriff Demut ist. Ich habe nichts dafür getan, auf dieser Seite der Erdkugel mit all ihren Vorteilen geboren worden zu sein. Diese Erfahrung hat mich mehr geprägt als jeder Ratschlag.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Pott: Nicht zu viel auf Ratschläge hören, sondern sich selbst vertrauen. Sich Zeit nehmen, um herauszufinden, wo die eigenen Interessen und Stärken liegen. Karriere lässt sich für mich nicht allein in Geld oder anderen materiellen Vergünstigungen berechnen. Es ist vor allem eine Frage, wie viel Zeit ich in meinen Beruf ausgefüllt und zufrieden verbringe und welche Herausforderungen ich bewältigen kann.

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