Hoch motiviert, aber total unterbezahlt

Vor allem Frauen werden deutlich schlechter bezahlt als Männer.

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Vor allem Frauen werden deutlich schlechter bezahlt als Männer.

Die Arbeitnehmer in Deutschland brennen zwar einerseits für ihre Jobs, andererseits fühlt sich ein Großteil von ihnen zu mies bezahlt. Das hat der neue Index “Arbeit” ergeben, einer repräsentative Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die jährlich erhoben wird.

Dem neuen Index zufolge identifizieren sich 87 Prozent der Arbeitnehmer stark mit ihrem Job. Mehr als zwei Drittel sind der Meinung, dass sie mit ihrer Arbeit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Das erfreut und liegt voll im Zeitgeist. Immerhin hat ein Wandel im Verständnis von Arbeit stattgefunden und wird maßgeblich von der jüngeren Generation der bis Mitte 30-Jährigen vorangetrieben. Arbeit ist nicht mehr bloß Broterwerb, sie soll auch sinnstiftend sein.

Allerdings fühlen sich viele Beschäftigte für ihre hohe Identifikation mit ihrer Arbeit von ihrem Arbeitgeber nicht ausreichend wertgeschätzt. Auch das geht aus dem neuen Index hervor. Auf die Frage , ob das Einkommen in einer vernünftigen Relation zur Arbeitsleistung steht, antwortete fast jeder Zweite mit Nein. Elf Prozent der Arbeitnehmer finde sogar, ihr Einkommen sei gar nicht angemessen und weitere 38 Prozent finden ihr Gehalt gerade einmal in einem geringen Maße angemessen.

Konsequenzen aus dieser Unzufriedenheit ziehen aber nur die wenigsten. Offenbar glauben viele Beschäftigte, dass es bei anderen Unternehmen auch nicht besser ist. Oder sie können sich einen Wechsel oder eine Arbeitszeitreduzierung oder Auszeit einfach nicht leisten.

Zugleich zeigt der neue DGB-Index, dass das Thema Stress weiter zugenommen hat. Über Hektik und ein zu hohes Arbeitstempo klagen aktuell rund 56 Prozent der Befragten. Jeder Vierte fühlt sich bei der Arbeit sehr häufig gehetzt und hat Zeitdruck. Fast jeder Dritte erlebt diesen Zustand zumindest oft.

Immerhin: Für die allermeisten Beschäftigten scheint der Job sicher zu sein. Wenigstens gab nur jeder Fünfte an, dass er sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz mache. Im Krisenjahr 2008 waren es noch ganze 80 Prozent der befragten Arbeitnehmer gewesen.

Ich finde das Ergebnis des neuen DGB-Index gar nicht so erstaunlich. Einerseits haben die Beschäftigten wieder Vertrauen in die Wirtschaft gefasst, andererseits schätzen sie die Lage am Arbeitsmarkt und auch ihre persönliche Situation recht realistisch ein. Man sucht sich im Kleinen die positiven Aspekte heraus und definiert seine Zufriedenheit über inhaltliche Aufgaben. Auch wenn die Bedingungen drumherum – Geld und stressige Arbeitsbedingungen – offenbar gar nicht so gut sind.

Ein Zustand, der nach einem neuen Führungsverständnis fragt, finde ich.

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