Gleichberechtigung? Deutschland braucht Nachhilfe

In der EU gibt es noch viel zu tun: Mehr Männer sollten für Gleichberechtigung kämpfen.

Unsplash / Samantha Sophia

In der EU gibt es noch viel zu tun: Mehr Männer sollten für Gleichberechtigung kämpfen.

Geld, Macht, gleichberechtigte Aufteilung von Sorgearbeit: In vielen Bereichen haben Frauen in Deutschland immer noch Nachteile. Im Vergleich mit den Nachbarländern der EU liegen wir sogar bisweilen zurück. Das zeigt eine neue Studie.

Gerade ist der dritte europäische Gleichstellungsbericht erschienen, der untersucht, wie es um die Gleichberechtigung in den EU-Mitgliedsstaaten steht und wie sich diese seit 2005 entwickelt hat. Dazu wurden die Bereiche Macht, Wissen, Arbeit, Gesundheit, Zeit und Geld untersucht und in einem komplizierten Verfahren der sogenannte Gender Equality Index gebildet – ein Punktewert auf einer Skala von 0 bis 100, wo 0 totale Diskriminierung und 100 absolute Gleichberechtigung darstellt. Das Ergebnis ist leider wenig optimistisch stimmend: Leider hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verbessert. Insgesamt liegt der Gleichberechtigungsindex in der gesamten EU bei 66,2 Punkten. Im Jahr 2005 lag er bei 62 Punkten, es hat sich also nur wenig getan. Im Gegenteil: In einigen Bereichen gab es sogar wieder Rückschritte! Das berichtet Spiegel Online.

In Griechenland haben es Frauen schwerer als früher

In Griechenland hat sich der Stand der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen infolge der Wirtschaftskrise etwa verschlechtert. Arbeitslosigkeit und wachsende Armut drängen vor allem Frauen ab.

In Deutschland hat sich bei der Gleichberechtigung seit 2005 der Untersuchung zufolge fast nichts verändert. Immerhin: Es hat sich auch nichts verschlechtert. Die Bundesrepublik liegt im EU-Vergleich auf einem mittleren 12. Platz von 28 untersuchten Mitgliedsstaaten. Eine leichte Verbesserung gab im Bereich Macht. Durch die Frauenquote und die gesellschaftliche Debatte um sie kamen etwas mehr Frauen in Führungspositionen. Und weil in diesem Bereich ermittelt wird, wie viele Frauen europaweit in Ministerien, Parlamenten, in der Forschung, den Medien, Zentralbanken, dem Sport und großen Unternehmen vertreten waren, konnte Deutschland hier leicht punkten und schneidet hier auf Platz 9 ab. Ähnlich zeigt sich das Bild in allen EU-Ländern, in denen es für Parteien eine Frauenquote gibt.

Allerdings, so berichtet Spiegel Online, wird sich an Deutschlands guter Position mit dem neuen Bundestag leider etwas ändern: “Unser Parlament wird so männlich sein wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Der Frauenanteil sinkt von 36,5 auf 30,7 Prozent, unter anderem wegen des Einzugs der überwiegend männlichen AfD-Fraktion.”

Beim Geld benachteiligt

Besonders benachteiligt sind Frauen in der gesamten EU beim Thema Geld und Bezahlung. In fast allen Mitgliedsstaaten bedeutet Kinder zu haben für Frauen ein Armutsrisiko. Und in allen Mitgliedsstaaten werden Frauen schlechter bezahlt als Männer.

Und auch bei der Aufteilung der Sorgearbeit – der Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit – sind Frauen in der gesamten EU deutlich im Nachteil: Sie übernehmen den Löwinnenanteil der Carearbeit. Nur jeder dritte Mann in der EU ist im Haushalt aktiv. Frauen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit Sorgearbeit. Die Stundenanzahl pro Woche steigt, wenn sie in einer Partnerschaft leben und wenn sie Kinder haben.

Wie immer führen die skandinavischen Länder das Ranking an – hier sind Männer und Frauen noch am ehesten gleichberechtigt. Im Index erreicht etwa Schweden 82,6 von 100 möglichen Punkten.

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