„Gemeinsam springt man leichter über Hürden“

"Ich habe einen sehr eisernen Willen und bin hartnäckig", so Nora Heer.

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"Ich habe einen sehr eisernen Willen und bin hartnäckig", so Nora Heer.

Eigentlich wollte Nora Heer nie selber gründen und sich selbstständig machen. Eigentlich, denn die Diplom-Medienwissenschaftlerin ist Gründerin und Geschäftsführerin von Loopline Systems.

Nora Heer ist Geschäftsführerin und Mitgründerin von Loopline Systems, einem Spin-off aus der Human-Resources-Sparte von Project A Ventures. Bis zur Ausgründung Ende 2014 war sie Personalleiterin bei dem Berliner Frühphaseninvestor und Company Builder.

Bevor sie 2004 im Sales Bereich der Meltwater Group startete und dessen Wachstum von fünf auf 940 Mitarbeiter begleitete, war sie als HR-Managerin für verschiedene Unternehmen tätig. Die Diplom-Medienwirtschaftlerin ist ausgebildet in systemischem Coaching, Leadership-Development und Human-Resources-Management.
die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Nora Heer: Ich habe den starken Willen, Umstände, die mir nicht optimal erscheinen, zu verbessern. Mein größter Antrieb ist es, Strukturen, Prozesse, Organisationen und Kultur zu gestalten und zu beeinflussen. Deshalb bin ich auch Gründerin und Geschäftsführerin von Loopline Systems geworden.

In meiner Zeit als Personalleiterin bei „Project A Ventures“ habe ich zusammen mit meinen Kollegen die schmerzhafte Erfahrung gemacht, dass viele Unternehmen und Ausgründungen es nicht schaffen, ein leistungsstarkes Team zu entwickeln und Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu engagieren. Und weil die Suche nach einer strukturgebenden Unterstützung für die oft jungen Führungskräfte ergebnislos war, haben wir entschieden, ein solches Tool einfach selber zu entwickeln. Dieses Vorhaben lief so gut, dass wir die Idee als Start-up ausgründen wollten, ich aber mit keinem der Bewerber für die Geschäftsführerposition zufrieden war. Mein damaliger Chef meinte dann: „Nora, Du musst es einfach selber machen“.

Eigentlich wollte ich nie selber gründen und mich selbstständig machen. Doch ich habe erkannt, dass das die Möglichkeit für mich ist, eine Lösung zu gestalten, die so vielen Unternehmen, Führungskräften und Mitarbeitern helfen wird, ihre Entwicklung, Leistung und Zufriedenheit zu verbessern. Und so hat mich diese Eigenschaft letztendlich zu meiner jetzigen Tätigkeit gebracht.

Im Nachhinein fällt auf, dass Loopline Systems ein bisschen meinen Lebenslauf darstellt: meine Erfahrungen als ausgebildeter Coach, in einem Unternehmen mit starker Vertriebsorientierung und den Learnings aus meiner Zeit als Personalleiterin. Dazu passt ganz gut das Zitat von Steve Jobs: „You can’t connect the dots looking forward; you can only connect them looking backwards. So you have to trust that the dots will somehow connect in your future.“ Glücklicherweise ist dieser Fall bei mir eingetreten.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Heer: Ich hatte mit meinen Führungskräften großes Glück: Ich erhielt viel Freiraum und Vertrauen. Sie gaben mir die Möglichkeiten, selber herauszufinden, was mich wirklich begeistert und worin ich gut bin. Und ich hatte die Chance, meinen Gestaltungswillen auszuleben. Dankbar bin ich auch für das immer ehrliche und konstruktive Feedback, mit dem mich meine Kollegen und Führungskräfte unterstützt haben. Denn auf diese Weise habe ich mich persönlich und beruflich kontinuierlich weiterentwickeln können.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Heer: Selbstverständlich gab es jede Menge Hürden. Ich kenne keinen Beruf, in dem das nicht so ist. Gerade als Unternehmerin komme ich mir manchmal vor wie eine Hürdenläuferin. Ich muss so viele verschiedene Rollen in meiner Position als Gründerin und Geschäftsführerin ausfüllen. Gleichzeitig ist mir aber völlig bewusst, dass ich nicht in allen Rollen gleich gut sein kann. Das bedeutete für mich schon immer, dass ich mir Kollegen suchen muss, die diese Rollen besser ausfüllen können. Gemeinsam springt man dann umso leichter über die Hürden.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Heer: Ich habe einen sehr eisernen Willen und bin hartnäckig. Gerade bei meiner Aufgabe, unser System zu verkaufen, hilft mir meine Fähigkeit, Personen zu lesen und mich in sie hineinversetzen zu können. So gelingt es mir, Leute für meine Ideen zu gewinnen, sie zu begeistern und mitzureißen.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Heer: Mir wurde immer gesagt, dass ich das machen soll, was mir Spaß macht – so banal das auch klingen mag. Ich habe gelernt, dass wenn ich mit Spaß und Leichtigkeit in einem Bereich erfolgreich sein kann, dann ist das ein guter Kompass, für die Richtung, in die man sich weiter entwickeln sollte.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Heer: Sich konkrete Vorbilder zu suchen, die faszinieren und begeistern. Ferner sollte jeder ehrlich zu sich selbst sein. Denn so findet er heraus, was er wirklich gut kann. Dann sind auch die eigenen Stärken auszubauen und kann man sich konsequent Partner und Kollegen suchen, deren Stärken komplementär zu den eigenen sind. So nämlich bilden sich ausgeglichene, erfolgreiche Teams.

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