Das Selbstbild von Führungskräften ist oft verzerrt

Oft stimmt das Selbstbild von Führungskräften nicht mit dem Bild überein, das die Mitarbeiter vom Vorgesetzten haben.

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Oft stimmt das Selbstbild von Führungskräften nicht mit dem Bild überein, das die Mitarbeiter vom Vorgesetzten haben.

Wundern Sie sich auch manchmal darüber, dass der Laden nicht wegen, sondern trotz Ihrem Chef läuft? Dann befinden Sie sich mit vielen Beschäftigten in guter Gesellschaft, berichtet die geschätzte Kollegin Claudia Tödtmann von der WirtschaftsWoche in ihrem Management-Blog.

Tödtmann stellt eine Erhebung der Managementberatung Information Factory, dem Onlineportal stellenanzeigen.de und dem Fachblatt Personalwirtschaft vor, für die 2.000 Angestellte, Führungskräfte und Personaler befragt wurden. Die Mitarbeiter etwa sollten ihre Vorgesetzten bewerten – und stellten den Führungskräften ein schlechtes Zeugnis aus: Nur 42 Prozent gaben an, dass sie ihren Vorgsetzten für ehrlich hielten. Nur ein Drittel der Befragten sagte, sie bekämen klare Aufgaben und Ziele vorgegeben. Und fast jeder Zweite klagte darüber, dass er in ein Vakuum arbeite und nie Feedback vom Chef oder der Chefin erhalte.

Die Ergebnisse sind schlimm genug, furchtbarer ist aber, dass die Führungskräfte ein teils völlig gegenteiliges Selbstbild hatten. Denn sie wurden zu einer Selbsteinschätzung gebeten. Und die sah wie folgt aus: Die Führungskräfte gaben an, “sie gäben klare Ziele vor und würden regelmäßig Feedback geben”, so Tödtmann. 75 Prozent der Vorgesetzten glaubten, sie transportierten Begeisterung. Das sahen aber nur 36 Prozent der Mitarbeiter so.

Chefs finden sich toll, die Mitarbeiter nicht

Mehr noch: “Nur 43 Prozent der Mitarbeiter halten die Zusammenarbeit mit der nächsthöheren Hierarchieebene für wirkungsvoll. Und wofür sich die Top-Entscheider als Letztverantwortliche schämen sollten: Nur 45 Prozent der Mitarbeiter empfinden Freude bei der Arbeit – und das bei den regelrecht arbeitswütigen Deutschen”, schreibt die Journalistin in ihrem Blog.

Woran liegt das nun? Offenbar an der Ausbildung der Führungskräfte. Oder eher gesagt: an der mangelnden Ausbildung. Nach wie vor werden oftmals Mitarbeiter befördert, die gut in einem Fach sind – aber nicht unbedingt auch in der Menschenführung. Oftmals werden Entscheiderinnen und Entscheider nicht genug auf ihre Rolle vorbereitet. Entsprechend fordern die Autoren der Studie auch, die Angebote von Führungskräfteprogramme zu verbessern. Dann läuft die Firma nicht trotz, sondern auch wegen des Chefs oder der Chefin – und die Mitarbeiter haben vielleicht auch mehr Spaß bei der Arbeit.

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