Führungsfrauen lehnen Quote ab

Viele Führungsfrauen stehen der Quote skeptisch gegenüber.

Jeanette Dietl/Fotolia

Viele Führungsfrauen stehen der Quote skeptisch gegenüber.

Ausgerechnet Führungsfrauen lehnen eine Quote für Frauen in der Wirtschaft ab. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie der Baumann Unternehmensberatung, über die meine Kollegin Inge Kutter in der aktuellen Ausgabe der ZEIT schreibt.

In dieser Umfrage waren 150 Managerinnen zu Themen der Personalführung befragt worden. Dabei war sich die große Mehrheit einig, dass Frauen es prinzipiell schwerer im Job hätten. Aber dass sie eigentlich besser für den derzeit gefragten empathischen Führungsstil seien. Sie seien einfühlsamer und bewiesen mehr Fingerspitzengefühl bei der Kommunikation. Da haben wir es wieder: Geschlecht als Strukturkategorie, die uns auch sagt, wie Männer und wie Frauen zu sein haben.

Viel verrückter an dem Ergebnis der Befragung ist aber, dass die meisten Managerinnen eine Frauenquote ablehnte. Dreiviertel der Befragten sprachen sich gegen dieses Mittel aus. Dabei sagten genau diese Frauen, dass sie es schwerer hätten und Frauen häufiger auf dem Weg nach oben zu kämpfen hätten oder sogar benachteiligt würden. Nur jede vierte Chefin sprach sich für die Quote aus.

Warum ist das so?

Vermutlich mögen viele Führungsfrauen nicht als Quotenbefürworterin bekannt sein. Nach wie vor ist das Instrument stark umstritten. Nicht wenige Managerinnen befürchten Nachteile, wenn sie sich öffentlich für die Quote aussprechen. Ebenso wollen viele nicht als Quotenfrau gesehen werden, weil sie befürchten, es dann noch schwerer zu haben. Frei nach dem Motto: “Die hat es doch nur geschafft, weil jetzt eine Frau hermusste. Eigentlich ist die doch gar nicht qualifiziert.” Ebenso ist aus der genderspezifischen Berufsforschung bekannt, dass Frauen in Führungspositionen, die gegen Widerstand Karriere gemacht haben, anderen Frauen häufiger die Unterstützung verwehren. Das hat meist intrinsische Motive, die mit dem weiblich geprägten Konkurrenzverhalten zu tun haben. Frauen denken dann oft: “Ich hatte es auch nicht leicht – warum soll die es jetzt einfacher haben?”

Fatal ist leider auch, wie solche Studienergebnisse Karriere in den Medien machen: Sprechen sich hochkarätige Managerinnen gegen die Quote aus, wird dies als zusätzliches Argument dagegen genutzt. Ich glaube, mehr Solidarität unter Frauen könnte hier einiges verbessern.

Ein Kommentar

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Passend zum Thema