Frauen müssen für Dienstleistungen oft mehr bezahlen

Frauen zahlen vor allem bei Dienstleistungen mehr als Männer, stellt eine neue Studie fest.

Unsplash / Gili Benita

Frauen zahlen vor allem bei Dienstleistungen mehr als Männer, stellt eine neue Studie fest.

Der Kurzhaarschnitt beim Friseur oder die Bluse in der Reinigung: Frauen müssen für Dienstleistungen oft viel mehr bezahlen als Männer. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) hat jetzt das Ausmaß von Gender-Pricing untersucht.

Ein Friseurbesuch ist für Frauen demnach im Schnitt ein Drittel teurer als für den Mann. Und Eltern von Mädchen müssen für das Prinzessinnenschaumbad deutlich mehr bezahlen als für die Version für Jungen. Die Frauen-Bratwurst enthält zwar weniger Fleisch, ist aber dafür fast doppelt so teuer wie die herzhaft gewürzte Bratwurst für den Mann. Und nicht zu vergessen der Einmalrasierer aus Plastik, der in Pink oft teurer ist als in Blau.

Das alles ist für Kunden ärgerlich. Aber handelt es sich um eine strukturelle Diskriminerung bei der Preisgestaltung von Männer- und Frauenprodukten? Das wollte die ADS wissen und untersuchte in einer bundesweiten Studie, wie stark verbreitet solche Preisdifferenzen nach Geschlecht sind.

Dazu wurden 1.700 Produkte und etwa 380 Dienstleistungen verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen vor allem bei Dienstleistungen häufiger benachteiligt werden. Bei etwa 60 Prozent der getesteten Dienstleistungen gab es Preisunterschiede nach Geschlecht – meist zum Nachteil der Frauen. Und das, obwohl sie im Schnitt 22 Prozent weniger verdienen als die Männer.

Allerdings sind auch Männer vom sogenannten Gender-Pricing betroffen, wenn sie zum Beispiel ein Datingportal nutzen möchten, das von Männern einen Mitgliedsbeitrag fordert, Frauen aber ein kostenloses Profil erlaubt.

Frauen sind allerdings auch bereit dazu, mehr Geld für Dienstleistungen und bestimmte Produkte auszugeben, die mit Geschlechterklischees zu tun haben. Die Frauen-Bratwurst mit weniger Fleisch ist so ein Beispiel. Oder Produkte für die Körperpflege und Kosmetik. Die Werbung spricht Frauen oft gezielt an – das betrifft am Ende auch den Preis. Und letztlich sind sie es in der Regel, die in den Haushalten die meisten Kaufentscheidungen treffen.

Diskriminierung ist nur schwer zu verfolgen

Verstoßen geschlechtsspezifische Preisunterschiede aber gegen geltende Diskriminierungsrechte? Eine eindeutige Antwort gibt es offenbar nicht, weil das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor allem die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz behandelt, sich aber nicht explizit um Fragen des Verbraucherschutzes kümmert. Zwar lässt sich das AGG auch auf bestimmte Bereiche des Alltags (Einkaufen, Restaurantbesuche oder Bank- und Versicherungsgeschäfte) anwenden, allerdings ist es sehr schwer, rechtlich dagegen etwas zu tun. Ein Verbandsklagerecht gibt es in Deutschland nicht, darum können die Verbraucherzentralen auch nicht tätig werden. Und wer zieht schon wegen einem wenige Cent teureren Einwegrasierer vor Gericht? Auch bestehende EU-Richtlinien, wie die Richtlinie zur Gleichstellung der Geschlechter außerhalb der Arbeitswelt, die eine Benachteiligung beispielsweise auch bei Fragen des Verbraucherschutzes verhindern soll, helfen hier praktisch kaum weiter.

Hinzukommt: In Zukunft werden Verbraucher immer häufiger individualisierte Preise zahlen. Schon heute nutzen Onlinehändler zunehmend die Daten der Kunden, um personenspezifische Preise festzusetzen. Wer viel verdient, zahlt oft mehr. Dynamic-Pricing heißt diese Methode, bei der Unternehmen ihre Preise nach Berechnungen eines Algorithmus dynamisch anpassen. Und weil die Algorithmen streng gehütete Geschäftsgeheimnisse sind, dürfte es in Zukunft schwer werden, eine Benachteiligung nachzuweisen.

Ein Kommentar

  1. Toller Artikel!
    Manchmal fällt einem etwas Offensichtliches erst auf, wenn es einen Namen trägt.
    Über Gender Pricing lese ich jetzt – inspiriert durch euch – mal etwas mehr. Sehr schockiert bin ich aber vom Dynamic-Pricing… wie sich das in der Zukunft wohl entwickeln wird.

    Liebe Grüße
    Karrierefrau von karrierefrau.net

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