Frauen im TV? Ab 35 werden sie aussortiert

Frauen als gleichberechtigte Expertinnen und Akteurinnen im Fernsehen? Kommen nicht vor.

Unsplash / Pablo Garcia Saldaña

Frauen als gleichberechtigte Expertinnen und Akteurinnen im Fernsehen? Kommen nicht vor.

Frauen in den Medien – sind nach wie vor unterrepräsentiert. Und ab einem Alter über 35 kommen sie kaum noch vor. Das zeigt eine neue Studie.

Demnach kommen Männer deutlich häufiger als Akteure im Fernsehen und in Filmen vor – zwei Drittel der Akteure sind männlich, ein Drittel weiblich. Das entspricht aber nicht dem Geschlechteranteil in der Realität. Ein halbwegs realistisches Geschlechterverhältnis gibt es leider nur in Seifenopern und Telenovelas – das heißt also: Wenn Frauen vorkommen, dann vor allem da, wo es um Liebe und Partnerschaft geht. Und bei den Fernsehvollprogrammen kommt ein Drittel der Programme ganz ohne Protagonistinnen aus.

Was aber noch viel erschreckender ist: Von Frauen wird ein Zerrbild gezeigt. Wenn sie vorkommen, dann vor allem als junge Frauen. “Ab dem 30. Lebensjahr verschwinden Frauen sukzessive vom Bildschirm. Das gilt für alle Sender und über alle Formate und Genres hinweg”, heißt es in der Studie “Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland” der MaLisa Stiftung. Frauen ab 50 Jahren kommen kaum noch vor. Das gilt sowohl für Fernsehfilme als auch fürs Kino. Und leider gilt es auch für andere Formate im TV. “Am größten ist der Unterschied in der non-fiktionalen Unterhaltung: hier kommen jenseits der 40 auf eine Frau vier Männer, jenseits der 50 auf eine Frau acht Männer”, stellt die Studie fest.

Männer erklären die Welt

Und leider kommen Frauen auch in den journalistischen Formaten in den audiovisuellen Medien kaum vor. Der Frauenanteil beträgt hier nur 30 Prozent. Besonders erschreckend: als Expertinnen fehlen Frauen immer noch. Die Welt erklären weiterhin vor allem Männer – zu 80 Prozent in der Publizistik und zu 70% in den non-fiktionalen Programmen. Und wertet man in der nonfiktionalen Unterhaltung aus, wer als Sprecher auftaucht, ist das Missverhältnis besonders krass: 96 Prozent der Beiträge werden von Männern gesprochen!

Die Studie hat außerdem untersucht, wie sich das Geschlechterverhältnis im Kinderfernsehen darstellt. Auch hier ist ein enormer Bias festzustellen, der teils sogar noch krasser ist. Nur eine von vier Figuren in Formaten für Kinder ist weiblich. Und auch hier erklären vor allem Männer den Kindern die Welt – nur ein Drittel der Akteure ist weiblich. Kein Wunder, dass sich an den Geschlechterstereotypen so wenig ändert.

Für die Studie hatten sich die vier größten deutschen TV-Gruppen (ARD, ZDF, Mediengruppe RTL Deutschland und ProSiebenSat1), die Film-und Medienstiftung NRW, die nationale Filmförderung FFA und der FilmFernsehFonds Bayern zur Förderung zusammengeschlossen. Ausgewertet wurden über 3.500 Stunden Fernsehprogramm aus dem Jahr 2016 sowie über 800 deutschsprachigen Kinofilmen aus den vergangenen sechs Jahren.

Auch andere Studie zeigen die Unterrepräsentanz von Frauen

 

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt übrigens seit Jahrzehnten auch das Global Media Monitoring Project (GMMP) , das hierzulande vom Journalistinnenbund durchgeführt wird.

Die  Projekt ist eine weltweite Medienbeobachtung zur Repräsentanz von Frauen in den Medien. Alle fünf Jahre wird an einem – vorher nicht veröffentlichten – Stichtag ausgewertet, wie viele Frauen in den Medien vorkommen und in welchen Rollen und Funktionen sie dort repräsentiert sind. Zuletzt wurde das GMMP 2015 durchgeführt. Die Ergebnisse haben für Deutschland haben seit 1995 leider kaum verändert: Frauen kommen als handelnde Akteurinnen in den Medien kaum vor. Sie werden überdurchschnittlich oft als Opfer und Objekte oder als Dekoration dargestellt. Und wenn Frauen in solchen Funktionen vorkommen, sind jung und entsprechen dem gängigen Schönheitsideal. Was den Journalismus angeht, so zeigt sich, dass Frauen – auch wenn ihr Anteil unter den Medienschaffenden mittlerweile gut die Hälfte ausmacht – vor allem in den weichen Domänen vorkommen. Das heißt, sie schreiben und berichten vor allem über Lifestylethemen und weniger über harte Fakten in Politik und Wirtschaft. Sie verfassen weniger Leitartikel und kommentieren politische Ereignisse deutlich weniger als Männer.

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