Frauen verschenken durch falsche Steuerklasse Elterngeld

Das Faktorverfahren lohnt sich bei Eheschließung im Steuerverfahren.

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Das Faktorverfahren lohnt sich bei Eheschließung im Steuerverfahren.

Die Wahl der Steuerklasse V hat negative Auswirkungen auf das Elterngeld: Das zeigt die Regierungsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, über die heute die Nachrichtenagentur AFP berichtet hat.

Viele junge Mütter bekommen wegen des Splittings ein deutlich niedrigeres Elterngeld. Denn das für das Elterngeld günstige sogenannte Faktorverfahren nutzen nur 76.000 der rund 20 Millionen lohnsteuerpflichtigen Ehepaare. Was heißt das?

Das Faktorverfahren gibt es seit dem Jahr 2010. Seither können Ehepaare zwischen den Steuerklassen III/V oder IV/IV (mit oder ohne Faktor) wählen. Mit dem Faktor wird außerdem die steuermindernde Wirkung des Splittingverfahrens beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Wenn das Paar etwa gleich verdient, ist es besser, wenn beide Steuerklasse IV wählen. Besteht hingehen ein großer Gehaltsunterschied zwischen beiden, ist die Kombination III/V günstiger. Dabei wählt der höherverdienende Partner die Klasse III, um von beiden Grundfreibeträgen (zweimal 8.354 Euro) profitieren zu können.

Faktorverfahren ist weitgehend unbekannt

In der Steuerklasse IV dagegen wird jeder Partner anhand seines individuellen Arbeitslohnes besteuert. Bei Anwendung des Faktors kommt es dann zu einer Steuerminderung. Damit wird die Steuerbelastung für den Partner geringer, der das geringere Einkommen hat. Damit sinkt dessen Steuerbelastung deutlich. Weil der geringer verdienende Partner in der Regel die Frau ist, bleibt ihr damit mehr Elterngeld. Denn dieses berechnet sich auf das Nettoeinkommen.

Die Mehrheit der Familien hierzulande wählt allerdings die Kombination der Steuerklassen III und V. Ausgerechnet dadurch hat aber der besser verdienende Partner mehr Netto und der geringer verdienende Partner ein geringeres Nettoeinkommen. Und damit dann auch einen niedrigeren Elterngeldanspruch.

Als Beispiel: Bei einem Bruttojahresgehalt für den Mann von 48.000 Euro und 24.000 Euro für die Frau fällt deren Nettolohn in der Steuerklasse V um 2.872 Euro pro Jahr, also fast 240 Euro im Monat. Das sind gut 140 Euro mehr Elterngeld im Monat. Und übrigens nicht nur Elterngeld: Auch Krankengeld und Arbeitslosengeld wären höher.

Warum machen die Deutschen also nicht stärker Gebrauch vom Faktorverfahren? Vielen Paaren ist das Verfahren unbekannt oder zu kompliziert. Schade!

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