Flexible Arbeitszeiten sind schlecht für Frauen

Flexible Arbeitszeiten sind gut für Frauen? Nicht immer.

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Flexible Arbeitszeiten sind gut für Frauen? Nicht immer.

Ausgerechnet eine große Flexibilität bei den Arbeitszeiten wirkt sich nachteilig für Frauen aus. Das stellt eine neue Studie fest.

Demnach ist Gleitzeit für Männer vorteilhaft, bei Frauen dagegen tragen sehr flexible Arbeitszeiten vor allem dazu bei, dass sich die traditionelle Rollenverteilung manifestiert. Das berichtet Wirtschaftspsychologie aktuell über eine Untersuchung von Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung. Gebe es für beide Partner völlige Zeitautonomie ginge dies eher zu Lasten der Frauen, die in der Partnerschaft dann den überwiegenden Anteil der Reproduktionsarbeiten – also Carearbeit – übernehmen, um dem Mann “den Rücken frei zu halten”.

Außerdem geht aus der Studie hervor, dass vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die viel im Homeoffice arbeiten, deutlich mehr Schwierigkeiten hatten, von der Arbeit richtig abzuschalten. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 45 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Beschäftigten, die nie zu Hause arbeiten. Von dem Problem waren allerdings deutlich stärker die Männer betroffen. Ein Grund könnte sein, dass es Männern schwerer fällt ohne vorgegebene Grenzen tatsächlich ein Ende zu finden. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit der traditionellen Geschlechterrolle als “Ernährer” und weil Männer immer noch weniger an Carearbeit übernehmen und insofern nicht durch äußere Faktoren wie Kinder oder Haushaltsverpflichtungen dazu gezwungen werden, rechtzeitig die Arbeit zu beenden.

Männer profitieren von Gleitzeit, Frauen leiden unter Stress

Auch zeigten die Daten, dass Männer sehr gut mit Gleitzeit zurechtkamen und diese Freiheit als Gewinn für ihre Work-Life-Balance ansahen. Bei den Frauen hingegen zeigte sich ein gegenteiliger Effekt: Je flexibler die Arbeitszeiten für sie waren, desto gestresster waren sie auch – vor allem dann, wenn sie Kinder hatten oder den größeren Anteil an Haus- und Pflegearbeiten in der Familie neben dem Job übernahmen. Die Autorin der Studie empfiehlt Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern daher eine Sensibiliserung für die geschlechtsspezifischen Folgen flexibler Arbeitszeitsarrangements.

Klar ist: flexibles Arbeiten funktioniert nur da, wo es Arbeitszeiterfassung und klare Regeln gibt. Außerdem gilt: Mehrarbeit muss auch bezahlt werden.

Für die Studie wurden Daten von gut 10.000 Personen aus der Haushaltsbefragung Sozio-oekonomisches Panel der Jahre 2011 und 2012 ausgewertet.

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